Das Wichtigste auf einen Blick

  • Viele Auszubildende haben heute gravierende Mängel in Schulwissen, etwa bei Mathematik oder Sprache.
  • Diese Kompetenzen müssen Ausbilderinnen und Ausbilder im Betrieb oft nachschulen.
  • Ihre Aufgabe ist also in letzter Zeit komplexer geworden, aber die Wertschätzung für ihre wichtige Arbeit häufig nicht größer.

Sie geben alles, um aus Berufsanfängern fähige Fachkräfte zu entwickeln. Neben ihren normalen Aufgaben sorgen sie dafür, dass junge Menschen motiviert ins Arbeitsleben starten, den Betrieb kennenlernen und ihm nach der Ausbildung möglichst treu bleiben. Wer so viel leistet, sollte auf Anerkennung im Kollegenkreis und in der Chefetage zählen können. Doch genau daran fehlt es oft, sagt Kerstin Hawraneck, Inhaberin von KeHa-Consulting und Expertin für betriebliches Gesundheitsmanagement.

Was Ausbilder heute zusätzlich schultern müssen

„Obwohl die meisten Geschäftsführungen verstanden haben, wie wichtig es in Zeiten des Fachkräftemangels ist, junge Menschen zu entwickeln und langfristig zu binden, wird Ausbildung in vielen Betrieben noch immer als Nebenprojekt behandelt“, sagt Hawraneck. Ihrer Erfahrung nach kämpfen Ausbilderinnen und Ausbilder häufig mit knappen Ressourcen, fehlenden Freiräumen und steigenden Anforderungen. Gleichzeitig wächst der Betreuungsbedarf der Nachwuchskräfte.

Erst kürzlich ergab eine Umfrage der Stiftung NiedersachsenMetall, dass mehr als drei von vier Unternehmen ihre Auszubildenden in grundlegenden Kompetenzen wie Mathematik und Sprache nachschulen müssen. Zudem haben vier von fünf Azubis zu Beginn der Ausbildung Defizite bei sozialen Kompetenzen wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Gleichzeitig ist der Druck auf dem Nachwuchskräftemarkt inzwischen so groß, dass 80 Prozent der Unternehmen sogar Bewerber ohne Schulabschluss einstellen – und sie anschließend mit großem Aufwand nachschulen, damit die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen werden kann. All das lastet auf den Schultern der Ausbilder.

Mehr Mikrofeedback, weniger Pflichtlob – darauf kommt es an

Umso wichtiger ist es, dass Geschäftsführungen ihren Ausbildern den Rücken stärken. „Wer die Ausbildung stärken will, muss bei der Haltung beginnen“, sagt Hawraneck. Wertschätzung sei kein „weicher Faktor“, sondern ein harter Erfolgsfaktor – auch wirtschaftlich. „Wie ein Unternehmen mit seinen Ausbildern umgeht, spüren auch die Azubis.“ Fehlt die Anerkennung, sinkt die Motivation auf beiden Seiten. „Im schlimmsten Fall brechen junge Menschen ihre Ausbildung ab oder verlassen den Betrieb nach dem Abschluss.“

„Wenn Menschen gesehen werden, entsteht Zugehörigkeit“ 

Kerstin Hawraneck, KeHa Consulting

Doch was bedeutet Wertschätzung konkret? Reicht ein Lob im Jahresgespräch? Oder braucht es mehr Geld und mehr Zeit? „Beides“, sagt Hawraneck. „Aber entscheidend ist etwas anderes, und zwar Authentizität.“

Wertschätzung zeige sich nicht nur in Budgets und Programmen, sondern vor allem im täglichen Umgang. Ein ehrliches, spontanes Mikrofeedback im Vorbeigehen könne oft mehr bewirken als ein formales Mitarbeitergespräch. „Wenn Menschen gesehen werden, wenn ihre Kompetenz anerkannt wird und sie Handlungsspielräume haben, entsteht Zugehörigkeit.“ Sie sei ein starker Motivator.

Wer gute Ausbildung bietet, über den wird gesprochen

Gerade für das Bild, das junge Menschen von einer Ausbildung im Betrieb bekommen, ist das entscheidend. „Junge Menschen sprechen miteinander“, sagt Hawraneck. „Sie erzählen, wo sie sich gut aufgehoben fühlen – und wo nicht.“ Unternehmen, die in ihre Ausbildung investieren und ihren Ausbildern den Rücken stärken, profitieren doppelt: durch motivierten Nachwuchs im Betrieb und durch ein positives Image nach außen. „Wenn Auszubildende merken, dass ihre Ausbilder wertgeschätzt werden und gute Rahmenbedingungen herrschen, erzählen sie das weiter. Dann interessieren sich auch andere junge Menschen für eine Ausbildung in diesem Betrieb.“

Ausbildung in der M+E-Industrie

„Steig ein in die Zukunftsindustrie!“ Unter diesem Motto spricht die Metall- und Elektro-Industrie auf ihrem Portal zukunftsindustrie.de die Fachkräfte der Zukunft an. Die 40 Ausbildungsberufe der Branche – von Metallberufen über IT- und Ingenieurberufen bis hin zu kaufmännischen Jobs – kann man auf der Website erkunden. Und im Karriereportal der Website findet man aktuell mehr als 20.000 Stellenanzeigen. In einem Online-Test können Interessierte herausfinden, welche Ausbildung zu ihnen passt.

Isabel Link
Autorin

Isabel Link liebt es, die Geschichten hinter den Nachrichten zu erzählen. Sie hat Politikwissenschaften studiert und später unter anderem bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) als Redakteurin gearbeitet, bevor sie zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall gewechselt ist. Seitdem zeigt sie in Reportagen und Interviews, wie vielfältig und lebensnah die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie ist. In ihrer Freizeit trifft man sie selten ohne einen Roman in der Tasche.

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