Die Kinder drehen durch vor Begeisterung: 2017 erobern die „Fidget Spinner“ Schulhöfe, Spielwiesen und Kinderzimmer. Doch so ein Hype ist keine Seltenheit. Erinnern Sie sich an die Spiel-Hits seit den 60er Jahren?

Erinnern Sie sich noch an Hula-Hoop, Diddl-Maus und Zauberwürfel? Viele Spielzeug-Hypes verschwanden nach kurzer Zeit wieder in den Schubladen. Andere werden bis heute als echte Klassiker geschätzt, die nach jahrelanger Spielpause plötzlich wieder Schulhöfe, Spielzimmer und Bürgersteige eroberten.

Wir haben zwölf Hypes aus der Spielkiste gekramt – und spannende Fakten dazu aus den Archiven:

 

Hula-Hoop

Foto: dpa

Die US-amerikanischen Freunde Richard Kneer und Arthur Melin brachten Anfang 1958 die Hula-Reifen auf den Markt und lösten damit eine wahre Hysterie aus. Die Idee kam ihnen, als sie erfuhren, wie australische Kinder im Sportunterricht Rattanreifen um die Hüften schwingen. Kneer und Melin produzierten zunächst eine kleine Anzahl von Plastikreifen im eigenen Unternehmen Wham-O und verteilten sie in der Grundschule Pasadena. Innerhalb von vier Monaten gingen allein in Amerika 25 Millionen Hula-Hoops über den Ladentisch. Zwei Jahre später hatte sich die Zahl bereits vervierfacht. Der Name setzt sich übrigens aus dem hawaiianischem Tanz „Hula“ und dem englischen „hoop“, was Reifen bedeutet, zusammen. In Deutschland wurden die ersten Hula-Hoops von der Firma Geobra Brandstätter (Playmobil) gefertigt.

Gummitwist

Foto: Fotolia

Das Gummitwist war neben dem Hula-Hoop-Reifen ebenfalls in den 60er Jahren ein beliebter Pausenfüller auf den Schulhöfen in Amerika. Doch das Spiel scheint schon viel älter zu sein: Elastische Bänder sollen Kindern schon im 7. Jahrhundert in China auf lustige Sprünge geholfen haben. In England wird das Spiel auch als „Chinese jump rope“ („chinesisches Springseil“) bezeichnet.

Monchichi

Foto: Pixabay

Monchichis sind affenähnliche Puppen, die 1974 in Japan auf dem Markt kamen. Die Begeisterung war so groß, dass man sich zwei Jahre später entschloss, eine eigene Monchichi-Boutique zu eröffnen – mit unterschiedlichen Kleidungsstücken und anderem Zubehör. In Deutschland wurden die Monchichis erstmals 1978 von der Firma Bienengräber & Co. auf den Markt gebracht. Bis heute wurden weltweit mehr als 80 Millionen Stück der Nuckeltiere verkauft.

Slime

Foto: dpa

Viele erinnern sich sicherlich an die wabbelige grüne Masse aus einer Mini-Mülltonne als Verpackung. Die erste Variante kam 1976 vom Spielzeughersteller Mattel. Mittlerweile gibt es für Ekelfaktor und Farbpalette keine Grenzen mehr: So gibt es inzwischen etwa Slime mit Würmern oder Augäpfeln. Im Internet kursieren verschiedene Videos zur eigenen Herstellung.

Zauberwürfel

Foto: dpa

Der Zauberwürfel – im englischen Sprachraum als „Rubiks Cube“ bekannt – wurde vom ungarischen Bauingenieur und Architekten Erno Rubik im Jahr 1974 erfunden. Erst sechs Jahre später kam der Trend nach Deutschland. Auch hier drehten und schraubten bald Millionen an dem 26-teiligen Würfel, um das Farbendurcheinander aufzulösen. Der Weltrekord liegt bei 4,9 Sekunden. Der Zauberwürfel wurde weit mehr als 100 Millionen Mal weltweit verkauft und machte seinen Erfinder zum Millionär.

Tamagotchi

Foto: dpa

Die kleinen virtuellen Küken schlüpften erstmals im Jahr 1996 in Japan. Ab dem 12. Mai 1997 turnten sie auch in Deutschland auf Flüssigkristallbildschirmen herum. Der japanische Hersteller Bandai kam mit der Produktion kaum nach und hatte für Deutschland gerade mal zwei Millionen Stück vorgesehen. Zu wenig – in den Spielwarenläden wurden Fans auf lange Geduldsproben gestellt. Allerdings war es mit Hype und Herstellung schon nach 1997 wieder vorbei. Doch nun, nach 20 Jahren Pause, lässt der Hersteller 2017 das Tamagotchi wieder aufleben – in sechs verschiedenen Varianten.

Slinky

Foto: Pixabay

In den 90er Jahren machten die bunten Kunststoffspiralen viele Treppenhäuser unsicher, indem sie fast wie von selbst Stufen hinunterliefen – und zwar ziemlich leise, denn „slink“ bedeutet im Englischen „schleichen“. Und wenn Slinky mal keinen Auslauf hatte, konnte er als Armband getragen werden. Erfunden wurde er bereits 1945 von dem US-Mechaniker Richard James. Damals bestand er noch aus Metallschraubenfedern.

Jo-Jo

Foto: dpa

Woher das Jo-Jo ursprünglich stammt, ist umstritten. Fakt aber ist, dass schon in der Antike mit ähnlichen Gegenständen – etwa aus Terrakotta – gespielt wurde. Der große Hype setzte sich jedoch erst Tausende Jahre später, in den 1990ern so richtig durch. Und wer als cool gelten wollte, hatte so eine rotierende Doppelscheibe in besonders knalligen Farben, mit Leuchteffekten und verblüffenden Spielarten auf Lager. Noch heute findet jedes Jahr der „World Yo-Yo Contest“ statt, bei dem der Weltmeistertitel vergeben wird – 2017 im isländischen Reykjavik.

Diddl-Maus

Foto: dpa

Diddl-Blöcke, Diddl-Mäppchen, Diddl-Schultasche, Diddl-Tasse, Diddl-Kuschelmaus … Die Cartoonfigur bevölkerte in den 90ern die Schulhöfe. Doch so plötzlich wie die Maus mit den Riesenfüßen ihren Siegeszug antrat, so schnell verschwand sie auch wieder: 2014 gab das mittelständische Unternehmen Depesche Vertrieb aus Geestacht bei Hamburg die Lizenz an ihren Erfinder, den Zeichner Thomas Goletz, zurück. Seit 2016 feiert die Cartoon-Figur unter dem Namen „Diddl Forever“ ihr Comeback.

Beanis

Foto: dpa

Die Kuscheltierbabys mit den großen Kulleraugen – bei uns auch als Glupschis bekannt – erobern seit 2009 die deutschen Kinderzimmer. Doch angefangen hat alles 1993 in den USA unter der Produktbezeichnung „Ty Beanie Boos“. Dass die possierlichen Tierchen seit jeher in begrenzter Anzahl hergestellt werden, steigert noch das Sammelfieber unter den Fans.

Rainbow Loom

Foto: dpa

2011 kam plötzlich der Hype um den kleinen Webrahmen mit den bunten Gummibändern angeflitscht. Aus diesen lassen sich etwa Schlüsselanhänger, Schmuck, Sandalen und sogar Kleidung häkeln. Sogar der Papst konnte sich nicht entziehen – er besitzt ein Loom-Armband. Erfunden wurde das Gerät von Cheong Choon Ng, einem amerikanischen Maschinenbauingenieur aus Detroit. Die Idee kam ihm, als er seinen Töchtern das Weben erleichtern wollte Allein 2014 machte der geschäftstüchtige Familienvater mit Rainbow Loom einen Umsatz von mehr als 70 Millionen Euro. Mittlerweile ist der Hype aber abgeflaut – unter anderem, weil massenweise allergieauslösende Imitate auf den Markt geworfen wurden.

Pokémon Go

Foto: dpa

Den ersten Pokémon-Hype gab es schon 1996. Damals handelte es sich um ein Videospiel aus Japan, gefolgt von einer Anime-Fernsehserie, einem Sammelkartenspiel und anderen Produkten. 20 Jahre später, im Juli 2016, machten rund um den Globus scharenweise Smartphone-User Jagd auf die kleinen Monster – und zwar wahrhaftig laufend, kreuz und quer durch Städte und Landschaften. Denn Pokémon Go ist eine Art „Schnitzeljagd-App“, die von Nintendo in Zusammenarbeit mit der kalifornischen Firma Niantic entwickelt wurde. Die virtuellen Fabelwesen werden in das Kamerabild des Handys eingeblendet und verschmelzen so mit der Realität. Die App löste einen solchen Hype aus, dass sich der Aktienkurs des Konsolenherstellers Nintendo innerhalb von sieben Handelstagen auf rund 36 Milliarden Euro mehr als verdoppelte. Für 2017 sind Updates und weitere Features geplant.