Aufenthalt unter freiem Himmel, schlafen im eigenen Bett, eine private Dusche und Toilette – Wohnmobile haben gerade in Pandemiezeiten einen besonderen Charme. Viele Urlauber erhoffen sich so einen möglichst kontaktfreien Aufenthalt. Zudem bieten Wohnmobile eine große Unabhängigkeit: Wird es voll auf dem Campingplatz, zieht man einfach weiter.

Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach Wohnmobilen und Wohnwagen derzeit groß ist. Nachdem der Handel durch den Lockdown im April 2020 kurzfristig schließen musste, blühte das Geschäft im Mai mit mehr als 10.000 neu zugelassenen Wohnmobilen regelrecht auf. Und dieser Boom hält an: Allein im Juli 2020 wurden in Deutschland fast 10.700 Wohnmobile neu zugelassen – das waren knapp doppelt so viele wie im Vergleichsmonat 2019.

Caravaning-Branche fährt Rekord ein

Nicht ganz so beliebt sind Wohnwagen – doch auch ihre Neuzulassungszahl ist von 3.157 im Juli 2019 auf zuletzt 5.100 gestiegen. Damit erlebte die Caravaning-Branche 2020 das beste erste Halbjahr ihrer Geschichte: Insgesamt wurden in den ersten sieben Monaten gut 69.000 Wohnmobile und Wohnwagen neu zugelassen – 13,5 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2019. Zum Vergleich: Die Zahl der neu zugelassenen Pkws brach infolge der Pandemie von Januar bis Juli 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30 Prozent ein.

Die Corona-Krise beflügelt damit einen Trend, der schon lange zu beobachten ist: Seit zehn Jahren werden Wohnmobile und Wohnwagen bei den Deutschen immer beliebter: Die Zahl der neu zugelassenen Wohnmobile in Deutschland hat sich seit 2010 nahezu versechsfacht.

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Auch bei den europäischen Nachbarn beliebt

Doch nicht nur hierzulande reibt sich die Wohnmobilbranche die Hände – auch in anderen europäischen Ländern ist die Zahl der Neuzulassungen in den vergangenen Monaten gestiegen: In Frankreich wurden im Juni 2020 nach Angaben des Verbands der Caravaning-Industrie im Vergleich zum Vorjahresmonat 58 Prozent mehr Fahrzeuge zugelassen. Auch in Italien stiegen die Neuzulassungen um 50 Prozent. Den stärksten Zuwachs gab es allerdings in Belgien und den Niederlanden: Mit einem Plus von jeweils 84 Prozent haben sich die Neuzulassungen dort fast verdoppelt.

Ähnlich wie bei unseren holländischen Nachbarn gab es auch in Deutschland schon immer viele Campingliebhaber. An der italienischen Riviera zum Beispiel sind viele Campingplätze fest in niederländischer und deutscher Hand. Doch auch deutsche Campingplätze haben sich in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit: Fast 36 Millionen Übernachtungen auf einem Campingplatz in Deutschland zählte das Statistische Bundesamt 2019 – gut 11 Millionen mehr als 2010.

Durch den Corona-Sommer ist zu erwarten, dass 2020 ein neues Rekordjahr wird. Rund 225.000 Stellplätze auf etwa 3.000 Campingplätzen stehen für Urlauber in der Bundesrepublik bereit. Dennoch könnte es auf besonders beliebten Campingplätzen in Bayern oder Niedersachsen in diesen Wochen eng werden – auch, weil es immer mehr Wohnmobilbesitzer gibt.

 

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