Dortmund. Es rumpelt, rattert, zischt. Oder trommelt rhythmisch, fast wie Musik: Das ist der Sound der Industriegesellschaft, wie ihn Generationen kannten. Im digitalen Zeitalter geht solcher Klang immer mehr verloren. Beim Elektroauto ist selbst normales Motorengeräusch schon Geschichte.

Um die Töne der Arbeit zu retten, haben sich vor zwei Jahren sechs europäische Museen zusammengetan. Darunter das Industriemuseum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe: Von der Zeche Zollern in Dortmund aus ist Historiker Konrad Gutkowski durchs Land getingelt, um immer wieder die Aufnahmetaste zu drücken.

Dieser Tage geht das Projekt zu Ende – und mehr als 600 Geräusche sind schon im Internet zu hören (workwithsounds.eu). Viele davon mit Videobild. Toll: Das digitale Archiv für Geräusche aus der analogen, der mechanischen Zeit steht jedem für jeden Zweck frei zur Verfügung!

Soundtüftler können Musik daraus sampeln, Lehrer den Geschichtsunterricht aufpeppen. Vom Brodeln in einer Gießerei über das Rattern einer Getränkeabfüllanlage bis zum Krächzen eines Martinshorns aus den 50er-Jahren ist alles dabei. Auch Klänge, die noch zum Alltag gehören, aber bald vielleicht schon nicht mehr – wie das Quietschen von Kreide auf einer Schultafel.

Digitales Sound-Archiv mit mehr als 600 mechanischen Geräuschen steht jedem für jeden Zweck frei zur Verfügung!

Ist die Welt also leiser geworden? „Schwierig zu sagen“, meint Gutkowski, „vieles ist sicherlich leiser geworden, aber die Klangwelt hat sich auch verdichtet – etwa durch die 1.000 verschiedenen Handy-Klingeltöne.“

Was man als störend empfinde, hänge auch vom Zeitgeist ab: „Als die ersten Dampflokomotiven fuhren, wurde das Geräusch als Wohlklang wahrgenommen – weil es ein Zeichen des Fortschritts war.“

Technischen Fortschritt, den hört man in der Sammlung oft: Schaufelradbagger und Registrierkassen, Projektoren für Super-8-Filme oder rumpelnde Straßenbahnen.

Favorit des Soundsammlers Gutkowski ist allerdings ein ganz einfaches Gerät: „Mein Lieblingsklang ist das Klopfen des Teppichklopfers. Das Geräusch weckt bei mir sofort die Kindheitserinnerung an den früheren Innenhof bei meiner Großmutter.“