Ob für immer abgelegter Goldschmuck, verstaubte Münzsammlungen oder sogar ausgedientes Zahngold: das alles ist bares Geld wert. Doch wie verwandelt man den Goldschatz, der daheim in so vielen Schubläden und auf so vielen Dachböden schlummert, in Scheine? Goldankäufer gibt es in jeder Stadt viele. Doch wie erkenne ich, ob mich der Händler nicht übers Ohr hauen will? Und wie kann ich selbst grob abschätzen, was meine Sachen wert sind? AKTIV war bei einem seriösen Ankauf dabei und gibt Tipps, wie Gold sicher zu Geld wird.

Aufgeregt präsentiert der ältere Herr seinen Schatz in dem kleinen Laden in der Düsseldorfer Altstadt. Er will einer Freundin finanziell aus der Patsche helfen, hat aber selbst nicht genug Bargeld. Sein Altgold soll es richten. „Die Sachen brauche ich doch eh nicht mehr“, sagt er. Stolz häuft er eine Handvoll Ketten, Broschen, Ringe und Goldzähne vor Katharine Tüzün in der Filiale von Goldankauf Haeger auf. Der Schmuck stammt zum Teil noch von seiner Urgroßmutter, ist weit über 100 Jahre alt. Alles andere als modisch.

Tüzün ist eine erfahrene Ankäuferin, hat zudem eine gemmologische Ausbildung, kann also auch Edelsteine bewerten, die in Schmuckstücken verarbeitet wurden. „Oft wissen die Leute gar nicht, was für Werte bei ihnen zu Hause unbeachtet schlummern“, sagt sie. „Wenn der emotionale Wert nicht zu groß ist, kann man sehr gut damit Geld machen.“ Dafür muss man aber auch wissen, was die alten Schätzchen wert sind und wo man sie ohne Risiko loswird. Und genau da sind viele Kunden unsicher.

Wie Katharine Tüzün den Wert von Schmuck, Münzen & Co. ermittelt und worauf Sie beim Verkauf achten sollten, sehen Sie im Folgenden:

Schritt 1: Einen guten Händler finden

Foto: Moll

Informieren Sie sich vorab über den Goldankäufer, zum Beispiel im Internet. Ist auf der Webseite der Geschäftsführer angegeben, gibt es ein Impressum mit Steuernummer? „Auch Telefonate im Vorfeld sind hilfreich, da bekommt man einen guten Eindruck vom Geschäft“, sagt Katharine Tüzün (links im Bild oben). Seriöse Verkäufer beantworten gerne alle Fragen rund um den Ankauf und lassen sich bei jedem Bewertungsschritt über die Schulter schauen. Das schafft Vertrauen und ist auch noch lehrreich.

Schritt 2: Den Stempel suchen

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Relevant für den Preis ist der Feingoldanteil. Einen ersten Hinweis liefert der winzige Stempel, den viele Schmuckstücke tragen. „Je höher die eingeprägte Zahl, desto höher ist der Goldgehalt“, erklärt die Expertin. Sie sucht die Schmuckstücke mit der Lupe nach Stempeln – den sogenannten Punzen – ab (Bild oben). „Liegt die Punzierung bei 333, bedeutet dies, dass von 1000 Teilen 333 Feingold sind“, so Tüzün. Der Rest des Schmuckstücks besteht aus Legierungsmetallen wie Silber oder Kupfer.

333 steht also für einen Feingoldanteil von 33,3 Prozent, 585 für einen 58,5-prozentigen Anteil, 750 für 75 Prozent und 999 für nahezu reines Feingold. „Manchmal sind auch völlig andere Bezeichnungen eingraviert“, sagt Katharine Tüzün. „Das ist oft abhängig vom Land, in dem das Schmuckstück gefertigt wurde und vom Alter des Stücks.“ Karat zum Beispiel ist eine veraltete Bezeichnung, die man auch manchmal eingraviert findet. Acht Karat entsprechen 333er-Gold. „Es kann auch sein, dass Schmuck gar keinen Stempel trägt“, sagt die Fachfrau. „Aber das heißt dann noch lange nicht, dass da kein Gold drin ist.“ Den Goldgehalt kann in diesem Fall nur der Fachmann beziehungsweise die Fachfrau bestimmen.

Schritt 3: Feingoldgehalt bestimmen

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Katharine Tüzün zieht eine alte Kette über einen Schieferstein, ein dünner Goldstreifen bleibt darauf zurück (Bild oben). „Keine Angst, das Schmuckstück wird dabei nicht beschädigt“, gibt sie Entwarnung und greift zu einem kleinen Fläschchen mit Salpetersäure. „Diese Lösung verwenden wir, wenn wir auf 333er-Gold prüfen“, sagt sie und bestreicht den Goldstrich auf dem Schiefer. Er bleibt sichtbar.

„Wenn der Strich stehen bleibt, heißt das, dass mindestens 33,3 Prozent Feingoldanteil drin sind.“ Diesen Test kann Tüzün nun mit Salpetersäure-Gemischen für 585er-, 750er- und 999er-Gold wiederholen. Doch schon bei der 585er-Lösung verschwindet in diesem Fall der Strich. Der ältere Herr hat Pech, die Kette ist nur aus 333er-Gold, bringt also nicht allzu viel.

Schritt 4: Im Zweifel röntgen

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Bei besonders dicken Schmuckstücken oder Goldbarren hilft der Säuretest nicht, schließlich könnte nur die oberste Schicht vergoldet sein. „Dann müssen wir das Gold in einem Analysegerät röntgen“, sagt Katharine Tüzün. Das passiert aber nicht immer in einem Goldankauf-Geschäft selbst, sondern in einer Goldschmelze oder einer größeren Filiale.

Wenn Gold eingesandt werden muss, sollten Verkäufer darauf achten, dass der Transport in einem sicheren Plastikbeutel geschieht, der vor Ort und unter den Augen des Verkäufers versiegelt wird (Bild oben). Die Übergabe des Goldstücks muss zudem quittiert werden.

Schritt 5: Echte Raritäten erkennen

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Manche Schmuckstücke sind immer noch angesagt und damit viel zu schade, um eingeschmolzen zu werden. Vorab prüft der Goldankäufer, ob sich unter dem Altgold nicht noch Stücke befinden, die man komplett weiterverkaufen kann. „Für Designerschmuck machen wir dann gesonderte Preise und bieten die Schmuckstücke selbst wieder an“, sagt die Goldexpertin. Bei altem Schmuck ist das aber selten der Fall.

Doch dieses Mal weckt eine Brosche mit einer Gedenkmünze für den US-Präsidenten John F. Kennedy aus dem Jahr 1963 das Interesse der Ankäuferin. „Bei solchen Sachen muss auch ich im Internet recherchieren, da kann man schon mal ganz seltene Stücke vor sich haben.“ (Bild oben).Von den Banken bekommt sie ständig aktualisierte Listen zu Sonderprägungen aller gängigen Währungen. Der halbe Dollar des älteren Herrn ist leider kein Sammlerstück. Aber wenigstens ist er aus 333er-Gold.

Schritt 6: Wertloses aussortieren

Foto: Moll

Nicht alles ist Gold, was glänzt, und Schmuck besteht oft aus verschiedenen Materialien. Beim Ankauf werden Nicht-Gold-Anteile entfernt, Edelsteine herausgenommen, andere Legierungen herausgebrochen. Das sieht mitunter brutal aus. Die Ankäuferin greift zum groben Werkzeug, biegt mit zwei Zangen einen alten Armreif auseinander. „Da sieht ein Teil nicht nach Gold aus“, sagt Tüzün und sägt zum Beweis den äußeren Rand des Armreifs an, trägt etwas Salpetersäure auf. Die Stelle läuft sofort grün an. „Ein klares Zeichen, dass da kein Gold drin ist, die Säure reagiert mit dem Messing, aus dem der äußere Reif ist.“ Der innere Teil des Schmuckstücks kommt dagegen auf den 333er-Gold-Haufen.

Auch Edelsteine müssen von den Schmuckstücken entfernt werden. „Die würde man ja sonst mitwiegen.“ Handelt es sich um wertvolle Steine, können sie später extra bezahlt werden. Die Echtheit von Diamanten ermittelt die Expertin beispielsweise mit einem speziellen Wärmeleitgerät, das die Dichte des Steins misst (Bild oben).

Nicht nur beim Schmuck gibt es wertlose „Reste“, beim Zahngold muss auch schon mal Gips oder etwas menschlicher Zahn abgeknipst werden. Nicht schön anzuschauen, doch die Goldbröckchen haben in diesem Fall einen guten 585er-Feingoldanteil. Das bringt dem älteren Herrn mehr als die 333er-Halskette, auch wenn die Goldkronen etwas unappetitlich und mickrig aussehen.

Schritt 7: Gold wiegen

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Sind alle Feingoldanteile ermittelt und alle wertlosen Anteile aussortiert, geht es zum Wiegen. „Die Waage sollte für den Verkäufer gut sichtbar sein, er kann auch auf der heimischen Küchenwaage schon einmal vorwiegen, um einen groben Anhaltspunkt zu bekommen“, sagt Katharine Tüzün.

Wichtig: Immer nur Teile mit gleichem Feingoldanteil gemeinsam wiegen (Bild oben)! Anschließend den Goldgehalt durch 1000 teilen und dann mit dem Gewicht multiplizieren. Die Kette des älteren Herrn wiegt fünf Gramm, beim Goldgehalt von 333 Anteilen ergibt sich also eine Feingoldmenge von gerundet 1,67 Gramm.

Schritt 8: Den aktuellen Goldpreis ermitteln

Foto: Screenshot

Wie viel der Kunde nun für seine 1,67 Gramm bekommt, hängt natürlich auch vom Goldpreis ab, der täglich an der Londoner Börse auf Basis des US-Dollars ermittelt wird. Für den Euro-Raum ist allerdings auch noch der Euro-Kurs relevant: Wenn der im Vergleich zum US-Dollar schwächelt, steigt der Euro-Goldpreis an. Umgekehrt drückt bei uns ein starker Euro den Goldpreis beim Ankauf. Wer nicht sofort verkaufen muss, kann also warten, bis der Preis günstig für einen Verkauf ist.

Schritt 9: Den tatsächlichen Ankaufspreis kalkulieren

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Altgoldankäufer tragen das Kursrisiko. „Es kann schon sein, dass ich am Morgen etwas ankaufe und der Goldpreis sich bis Mittag deutlich verändert hat“, weiß Katharine Tüzün aus Erfahrung. Daher bekommen Verkäufer in der Regel nicht den aktuellen Kurs, wie er an der Börse gehandelt wird. Sie müssen im Schnitt mit rund 10 bis 15 Prozent Abschlag rechnen. Wer vorab daheim den Wert seiner Stücke ausrechnen will, sollte also bei seiner Kalkulation 10 bis 15 Prozent vom aktuellen Feingold-Preis abziehen.

Schritt 10: Das Geschäft besiegeln

Foto: Moll

Nachdem die Goldankäuferin alle Schmuckstücke und Goldreste auf ihren Feingoldanteil bestimmt und sie gewogen hat, macht sie dem älteren Herrn mit der Bekannten in Not ein Angebot. 1.510 Euro sind insgesamt zusammengekommen für die Ketten, Armreifen, Broschen, Münzen und Zähne. Und weil er bei jedem Schritt dabei sein konnte, jeden Test mit eigenen Augen gesehen hat, sagt er auch gleich Ja zum Geschäft.

„Hätte nicht erwartet, dass das so viel wird“, sagt er erstaunt. Das Gold landet in einem Beutel (Bild oben), der anschließend versiegelt und direkt zur Goldschmelze gebracht wird. Den Kauf muss der Kunde noch quittieren und seine Personalien vor Ort angeben. Und dann wird aus dem Gold tatsächlich bares Geld...