Hamburg/Hannover. Chatten per Whatsapp, posten auf Instagram, Videos schauen auf Youtube, Songs bei Spotify streamen – so ist die Generation Smartphone heute in den sozialen Medien unterwegs. Logische Folge: 85 Prozent der 12- bis 17-Jährigen sind täglich drei Stunden mit dem Handy online.

Das ist jedenfalls Ergebnis einer Studie des Deutschen Zentrums für Suchtgefahren des Kindes- und Jugendalters. Forscher der Uniklinik Hamburg hatten dafür rund 1.000 Jugendliche nach ihrem persönlichen Umgang mit dem Handy befragt. Im Alltag ist das für die Eltern oft eine Herausforderung. Die Bitte „Leg doch mal das Handy weg“ fruchtet kaum, stattdessen stiert der Nachwuchs in Zombie-Manier weiter aufs Gerät …

Verbote bringen nichts

Was also tun, um den Smartphone-Konsum in Grenzen zu halten? „Verbote bringen bei Teenagern gar nichts“, weiß Michael Knothe vom Fachverband Medienabhängigkeit in Hannover. Er rät zu gegenseitigen Vereinbarungen, deren Einhaltung konsequent besprochen werden müsse.

„Fragen Sie Ihren Sohn oder Ihre Tochter, wie viel Zeit sie am Smartphone brauchen und auf welchen Seiten sie online sein wollen. Machen Sie ihnen klar, was für Sie selbst die Grenzen sind und lassen Sie sich auf die Sichtweise der jungen Erwachsenen ein, um eine wirkliche gemeinsame Vereinbarung zu treffen“, so Knothe.

Verständliche Konsequenzen vereinbaren

Hilfreich sind Belohnungen, wenn die Vereinbarung eingehalten wird. „Die sollte aber nicht aus einem neuen Handy oder noch mehr Datenvolumen bestehen, sondern in der realen Welt stattfinden.“ Beispiel: Konzertkarten oder eine Shoppingtour.

Wird das Limit nicht eingehalten, sind verständliche Konsequenzen angesagt. „Aber bitte nicht das Handy wegsperren! Es ist kein Erziehungsinstrument“, so der Experte.

Um sich mit dem Thema überhaupt auseinanderzusetzen, müssen sich Eltern mit dem Medienkonsum ihrer Kinder beschäftigen: „Lassen Sie sich online mitnehmen, interessieren Sie sich dafür, was für Ihre Kinder die Faszination ausmacht.“ Die kommt oft vom digitalen Schulterklopfen in sozialen Netzwerken oder auch bei Online-Spielen. Knothes Tipp: „Ersetzen Sie das durch tatsächliche Anerkennung und Inspiration in der realen Welt.“ Etwa durch gemeinsam verbrachte Zeit mit Erlebnissen oder Gesprächen. In dieser Zeit ist das Handy dann aber auch für Erwachsene tabu!

Das Handy ist nicht per se schlecht

Generell plädiert der Experte für mehr Gelassenheit. Wenn der Nachwuchs online ist, müsse man das nicht per se negativ sehen. Womöglich surft die Tochter ja für die Hausaufgaben, oder der Sohn lernt Vokabeln per App?

Auf Anzeichen für eine Sucht achten

Zugleich sollte man auf Alarmsignale achten, die auf eine beginnende Sucht hindeuten. „Wenn die Schule vernachlässigt, das Hobby gemieden wird, die Freunde plötzlich aufgegeben werden – dann müssen Eltern beim Smartphone-Gebrauch neue Grenzen setzen oder einen Experten hinzuziehen.“