Das Wichtigste auf einen Blick:
- Mit Aliro werden das Smartphone oder die Smartwatch zum digitalen Schlüssel, der Türen automatisch und ohne Internetverbindung öffnen kann.
- Die Technologie kombiniert Bluetooth, NFC und Ultra Wideband, sodass Türen per Annäherung, Antippen oder ganz automatisch entriegelt werden können.
- Als neuer, herstellerübergreifender Standard soll Aliro smarte Türschlösser kompatibel, sicher und im Alltag deutlich einfacher nutzbar machen.
Die Haustür geht auf – ganz ohne Schlüssel! Kein Kramen nötig, kein Suchen. Auch keine Gesichts- oder Stimmkontrolle. Es genügt ein modernes „Sesam, öffne dich“: Aliro. Mit diesem Standard, der seit Februar verfügbar ist, sollen digitale Türschlösser alltagstauglich werden.
Smartphone statt Schlüssel: So funktioniert der digitale Zugang
Die Idee ist an sich simpel: Das Smartphone oder die Smartwatch werden zum universellen Schlüssel. Schon die Annäherung an ein smartes Türschloss genügt, damit es erkennt: Der Besitzer dieses Geräts darf rein. Das System prüft diese Berechtigung direkt zwischen Gerät und Schloss, also ohne Internetverbindung. Damit funktioniert Aliro zum Beispiel auch im Parkhaus-Funkloch oder im Keller.

Bluetooth, NFC und UWB: Die Technik hinter dem System
Möglich macht das ein Zusammenspiel mehrerer Übertragungstechnologien: Bluetooth sorgt dafür, dass sich Smartphone und Schloss überhaupt erst finden und verbinden. Per NFC öffnet sich die Tür durch kurzes Antippen – ähnlich wie beim kontaktlosen Bezahlen. Und Ultra‑Wideband (UWB) erkennt zentimetergenau, wie nah man der Tür gekommen ist: Dadurch lässt sie sich automatisch öffnen, ohne das Handy aus der Tasche zu holen!
Was ist Aliro? Der neue Standard für smarte Türschlösser
Den digitalen Schlüssel kann man flexibel teilen: Ein Fingertipp genügt, um Freunden, Kollegen oder auch Handwerkern Zugang zu geben – zeitlich begrenzt oder dauerhaft.
Ganz neu ist das Prinzip nicht. In der Auto-Industrie gehört der digitale Schlüssel längst zum Alltag: BMW, Mercedes, Porsche oder Tesla setzen ihn bereits ein. Auch digitale Türschlüssel existieren schon, bislang jedoch als Insellösungen der Anbieter. So funktioniert ein smartes Schloss heute oft nur mit der App des jeweiligen Herstellers. Aliro soll das ändern: ein Standard für alle. Egal ob iPhone, Android-Handy oder smarte Uhr – Hauptsache, das Gerät unterstützt Aliro. Und falls das Gerät mal verloren geht, lässt sich der Zugang sperren. Kein Austausch von Schlössern nötig, keine neuen Schlüssel.
Wie gemeinsame Standards Innovation beschleunigen
Hinter Aliro steht die Connectivity Standards Alliance (CSA), in der sich Schwergewichte wie Apple, Samsung und Google zusammengetan haben. Solche Allianzen sind entscheidend: Standards setzen sich meistens nur durch, wenn viele mitmachen. Das kennt man von WLAN oder USB – beides funktioniert heute selbstverständlich, weil sich die Branche auf klare Regeln geeinigt hat. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist diese Art der Zusammenarbeit von großer Bedeutung.
In der Industrie profitieren Unternehmen davon, wenn sie auf offene, internationale Standards setzen. Ein aktuelles Beispiel ist der Mobilfunkstandard 5G, der durch globale Kooperation entsteht und als Grundlage für Innovationen der Industrie 4.0 wie autonomes Fahren oder vernetzte Fabriken dient. Deutsche Unternehmen können hier nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn sie sich aktiv an solchen Allianzen beteiligen und nicht auf Insellösungen setzen.

Niklas Kuschkowitz schreibt bei aktiv über Wirtschafts- und Politikthemen. Studiert hat er Germanistik, Geschichte und Neuere Geschichte in Osnabrück und Köln. Nach einem journalistischen Fernsehvolontariat arbeitete er als Redakteur für das Redaktionsnetzwerk Deutschland, Sendungen der ARD und in der Unternehmenskommunikation. Privat lösen volle Fußballstadien und gemütliche Kinosäle große Freude in ihm aus.
Alle Beiträge des Autors



