Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Top-Azubis aus dem Saarland: Maurice Simon ist landesbester Montagetechniker, Carolin Müller bundesbeste Werkstoffprüferin.
  • In starken Saar-Unternehmen aus Homburg wollen sie jetzt Karriere machen. Simon arbeitet bei Rhenus Rail St. Ingbert, Müller bei Wegener Härtetechnik.
  • Entwicklungsgespräche mit ihren Führungskräften, praktisches Lernen und klare Ziele bringen die jungen Fachkräfte weiter.

Wie er den besonderen Tag erlebt hat? „Ich hatte ein schlechtes Bauchgefühl“, sagt Maurice Simon. Im Mai 2025 stand der damals 18-Jährige im Prüfungsraum der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarbrücken. Auf dem Programm: ein kniffliger Montageauftrag. „Die Prüfung war echt umfangreich“, erinnert sich Simon. Doch die Vorbereitung und der Stress haben sich gelohnt: 97 von 100 Punkten erreichte er in der Prüfung – so viel wie kein anderer Azubi der Montagetechnik im Saarland. Für seine herausragenden Leistungen verlieh der Verband der Metall- und Elektroindustrie im Saarland Simon den Sonderpreis „Die Besten der Besten“.

Auch Carolin Müller machte im Mai 2025 ihre Abschlussprüfung bei der IHK Saarland, allerdings als Werkstoffprüferin. „Mein Maschinenbau-Studium habe ich bisher nicht beendet, aber es hat sich gelohnt“, erklärt die 31-Jährige. „Das Aufgabenfeld der Werkstoffprüferin habe ich dort kennengelernt.“ Mit 95 von 100 Punkten war Müller die bundesbeste Auszubildende ihrer Fachrichtung. Wie schafft man das? Und was machen die Top-Azubis aktuell? aktiv hat die beiden in ihren Unternehmen besucht.

Vom Praktikum zur Festanstellung: Maurice Simon bei Rhenus Rail St. Ingbert

Direkt an der Bahnstrecke, nordöstlich vom Hauptbahnhof Homburg, betreibt Rhenus Rail St. Ingbert eine Lokwerkstatt. An vier Gleisen werden hier von sieben Mitarbeitern Eisenbahnen auf Sicherheitsmängel kontrolliert und repariert. Seit einem halben Jahr arbeitet Maurice Simon inzwischen hier.

„Nach meinem Hauptschulabschluss habe ich einen Eignungstest bei der Agentur für Arbeit gemacht – da wurde mir klar: Metalltechnik ist mein Ding!“, erklärt Simon. Die Ausbildung zum Montagetechniker machte er dann über das Bildungszentrum Kolping. „Für ein sechswöchiges Praktikum im zweiten Lehrjahr hat mir mein Ausbilder den Betrieb Rhenus Rail empfohlen. Da hat es mir sehr gut gefallen.“ So gut sogar, dass er noch während des Praktikums den Vertrag für eine Festanstellung nach der Ausbildung unterschrieben hat.

„Am meisten gefällt mir die Motorwartung“, sagt er heute. Auch mobile Einsätze habe er schon gemacht. „Auf der Strecke zu arbeiten, ist extrem spannend. Man muss sich einen Überblick verschaffen, um bestmöglich helfen zu können.“

Rhenus Rail St. Ingbert

  • Das Tochterunternehmen der Rhenus SE ist ein Dienstleister in der Eisenbahnlogistik.
  • Das Angebot umfasst nationalen und internationalen Schienengüterverkehr und angrenzende Logistikleistungen.
  • Rhenus Rail St. Ingbert hat rund 100 Beschäftigte. In der Lokwerkstatt in Homburg arbeiten sieben Mitarbeiter.

Entwicklungsgespräche, klare Ziele: Wie Maurice Simon von starker Förderung profitiert

Werkstattleiter Christian Lottmann schätzt an seinem jüngsten Mitarbeiter den Willen, an sich zu arbeiten. In regelmäßigen Entwicklungsgesprächen zeigt er ihm kurz-, mittel- und langfristige Ziele auf. „Diese Gespräche sind mir sehr wichtig“, sagt Simon. „So weiß ich genau, wo ich stehe.“ Im Pausenraum hängen Baupläne: Ende 2026 wird das Team umziehen. „Rhenus hat ein Grundstück auf der anderen Seite des Bahnhofs gekauft“, sagt Lottmann. „Da haben wir mehr Lok-Stellplätze.“ Das Team wird auf rund 20 Mitarbeiter wachsen. Auch auf den Ex-Top-Azubi Simon kommen dann neue Aufgaben zu.

„Auf der Strecke zu arbeiten, ist extrem spannend“

Maurice Simon, Montagetechniker bei Rhenus Rail St. Ingbert

Wissen teilen: Teamwork prägt Carolin Müllers Ausbildung bei Wegener Härtetechnik

Rund zwei Kilometer vom Homburger Bahnhof entfernt sitzt das Unternehmen Wegener Härtetechnik. Es ist spezialisiert auf das Härten von Metall und Stahl. Gerade hat die Mittagsschicht begonnen – und Carolin Müller im Labor die Schutzbrille aufgesetzt. „Mit einer ätzenden Lösung bereiten wir hier die Werkstücke zum Prüfen vor“, erklärt sie. Im Raum nebenan stehen Instrumente wie Mikroskope und Spektrometer. „Die nutzen wir für präzise Härte- und Materialprüfungen.“

Beste Azubis: Das kommt nicht von ungefähr

Für die Ausbildung sind eigentlich dreieinhalb Jahre vorgesehen. Müller hat sie um eineinhalb Jahre verkürzt – und das beste Abschlussergebnis in ganz Deutschland in ihrer Fachrichtung erzielt! „Darauf bin ich stolz“, sagt sie. „Wir profitieren in unserem Team gegenseitig von unserem Wissensschatz.“ Müllers Ausbilder war vor ein paar Jahren selbst bundesbester Azubi. „Ihn konnte und kann ich immer um Rat fragen.“

„Lebenslanges Lernen finde ich superwichtig“

Carolin Müller, Werkstoffprüferin bei Wegener Härtetechnik

Für die Zukunft hat sich die bundesbeste Auszubildende vorgenommen, neue Bereiche zu erschließen. Gemeinsam mit der Betriebsleitung will sie Prozesse automatisieren. „Lebenslanges Lernen finde ich superwichtig“, sagt Müller. Gern würde sie neben dem Beruf ihr Studium beenden, das erst die Begeisterung für den Beruf geweckt hat: „Dann habe ich noch mehr Wissen, um Verantwortung in der Firma übernehmen.“

Wegener Härtetechnik

  • Das Unternehmen wurde 1984 als Werkzeughärterei gegründet. Heute ist Wegener Spezialist für Metallveredelungen und das Härten und Nitrieren von Stahl.
  • Mit unterschiedlichen Wärmebehandlungen wird die Lebensdauer verschiedener Stahlstoffe verlängert.
  • Der Betrieb mit rund 55 Mitarbeitern in Homburg beliefert europaweit Kunden.
Niklas Kuschkowitz
aktiv-Redakteur

Niklas Kuschkowitz schreibt bei aktiv über Wirtschafts- und Politikthemen. Studiert hat er Germanistik, Geschichte und Neuere Geschichte in Osnabrück und Köln. Nach einem journalistischen Fernsehvolontariat arbeitete er als Redakteur für das Redaktionsnetzwerk Deutschland, Sendungen der ARD und in der Unternehmenskommunikation. Privat lösen volle Fußballstadien und gemütliche Kinosäle große Freude in ihm aus. 

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