Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Immer mehr Behördengänge können in Deutschland online erledigt werden. Das nutzen als Dienstleister getarnte Abzocker aus: Sie nehmen zum Beispiel Geld für Service-Leistungen, die eigentlich gratis oder günstiger zu haben sind.
  • Die Verbraucherzentrale warnt vor solchen Fallen: Laufend tauchen neue Nepp-Seiten auf, für alle möglichen Anliegen von Rundfunkbeitrag bis Kirchenaustritt – und inzwischen auch für elektronische Einreiseformulare.
  • Man sollte daher bei amtlichen Anliegen nicht auf Google-Anzeigen achten, sondern stets auf die offizielle Website der zuständigen Behörde oder Institution gehen. Dieser aktiv-Ratgeber erklärt das mit vielen Beispielen und mit direkten Links, von Führungszeugnis bis Schufa.

Deutschland wird immer digitaler. Auch die Behörden: Viele Dokumente, Anträge oder Dienstleistungen laufen längst übers Internet. Oft benötigt man dazu die eID: Wie der digitale Personalausweis funktioniert, hat aktiv bereits erklärt. 

Viele dieser amtlichen digitalen Angebote sind für die Bürgerinnen und Bürger kostenlos zu haben, bei anderen fallen digital die gleichen Gebühren an wie sonst im Rathaus oder im Gericht. Das gilt aber nur, wenn man den Service bei der richtigen, also der offiziellen Stelle beantragt. Und genau da setzen moderne Abzocker an.

EUDI-Wallet: Anfang 2027 kommt digitale Brieftasche

An dieser Ansage wird sich Deutschlands erster Digitalminister Karsten Wildberger messen lassen müssen: „Im Januar 2027 startet die digitale Brieftasche, die EUDI-Wallet. Die wird Grundlage für sicheres Ausweisen bei Behörden, aber auch in der Wirtschaft.“ So bestätigte es Wildberger im Juni dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Damit wird man in Zukunft beispielsweise per Klick Mobilfunkverträge anmelden oder ein Bankkonto eröffnen können.“

Moment Mal: EUDI-Wallet? Wir haben doch schon die deutsche eID? Richtig. Aber die EUDI-Wallet, das Kürzel steht für European Digital Identity Wallet, hebt die ganze Sache auf europäische Ebene. Die eID ist sozusagen „nur“ ein Ausweis, die EUDI-Wallet wird das ganze Portemonnaie. „Die eID liefert die Basis, die EUDI-Wallet macht daraus ein grenzüberschreitendes Werkzeug für die digitale Identität“, erklärt die schon lange auch digital agierende Bundesdruckerei. In der Wallet können zum Beispiel auch Führerscheine oder Bildungsabschlüsse verschlüsselt gespeichert werden: „Bald könnte ein Auslandssemester, eine ärztliche Behandlung oder ein neuer Job in einem anderen EU-Land ganz ohne Papierdokumente starten.“

Es geht also um eine amtliche App, eine persönliche digitale Geldbörse, mit der man sich EU-weit digital ausweisen und Verträge rechtsgültig unterzeichnen kann. Die Nutzung ist natürlich kostenlos. Und die Weitergabe der Daten soll jeweils nur mit Zustimmung des Wallet-Inhabers geschehen können. Dabei soll Datensparsamkeit möglich sein – die Bundesdruckerei nennt ein Beispiel: „Beim Hotel-Check-in reicht es, die relevanten Daten aus der Wallet freizugeben: Name und Geburtsdatum, nicht aber die komplette Adresse.“ Datenübertragungen sollen selbstverständlich Ende-zu-Ende verschlüsselt sein. Die persönlichen Daten sind nur in der Wallet auf dem Smartphone hinterlegt, das heißt: „Es gibt keine zentrale Datenbank, die angegriffen oder missbraucht werden könnte.“

Führungszeugnis, Grundbuchauszug, Rente und so fort: So finden Sie die amtlichen Seiten

Elterngeld, Kindergeld, Meldebestätigung, Hundesteuer, Reisepass und vieles mehr – im Alltag braucht jeder mal Dienstleistungen oder Dokumente von Behörden. Immer mehr – aber nicht alle – kann man inzwischen auch online erhalten. Welche Behörde für welche Leistung zuständig ist, kann je nach Bundesland unterschiedlich sein. Es gibt aber eine zentrale, offizielle Anlaufstelle, um nach den richtigen Ansprechpartnern zu suchen. Sie heißt: verwaltung.bund.de

Hier kann man in die Suchfunktion ein Stichwort eingeben, zum Beispiel „Führerschein“ oder „Elterngeld“. Meist muss man mehrmals klicken, bis man auf der richtigen offiziellen Website angekommen ist. Wie es danach weitergeht, ist unterschiedlich: Teilweise müssen noch Papierdokumente versendet werden, teilweise kann man den kompletten Vorgang digital erledigen.

Für viele Online-Behördendienste braucht man einen digitalen Identitätsnachweis, die sogenannte BundID. Die ist meistens dann nötig, wenn man bei einer Antragstellung im Amt vor Ort seinen Personalausweis vorzeigen müsste. 

Bei der BundID handelt es sich um ein digitales Konto, ähnlich wie ein Kundenkonto bei einem Webshop. Um es einzurichten, muss man sich mit dem Personalausweis und der offiziellen AusweisApp über das Smartphone digital ausweisen und die eigene Identität zweifelsfrei bestätigen. Dann kann man über dieses BundID-Konto alle möglichen Behördengänge digital erledigen.

Alle möglichen Webseiten bieten inzwischen kostenpflichtige Hilfe für irgendeinen Service, der sonst viel weniger oder gar nichts kostet. Beispiel: Die Verbraucherzentrale mahnte kürzlich „Rentnerauskunft“ ab. Die Seite ahmte das offizielle Portal der Deutschen Rentenversicherung nach und nahm 29,90 Euro für einen Service, der sonst gratis zu haben ist. Während der Anfrage bei diesem unseriösen Portal sollte man natürlich auch private Informationen wie die Rentenversicherungsnummer und die Anschrift angeben. „Diese sollten Sie ausschließlich offiziellen Stellen anvertrauen“, rät die Verbraucherzentrale.

Pseudo-Dienstleister tricksen zum Beispiel bei mit Schufa, Rundfunkbeitrag und Nachsendeauftrag

Die gleiche Masche nutzen „Dienstleister“ bei Themen wie Meldebescheinigung, Nachsendeauftrag, Schufa-Auskunft oder Rundfunkbeitrag. Die Anbieter versprechen – eigentlich unnötige – Hilfe bei der Antragstellung, natürlich gegen saftige Gebühren. 

Immer neue Seiten mit Namen wie „Grundbuchplattform“, „Kircheaustreten“ und so fort versuchen, Geld und/oder Daten von all denjenigen abzugreifen, die nicht genau genug hingucken. Etliche Beispiele für solchen „Antrags-Nepp“ hat die Verbraucherzentrale Hamburg gesammelt. Und bei den zum Beispiel für England nötigen elektronischen Einreiseformularen (ETA) lauern inzwischen ebenfalls solche Fallen.

Online-Nepp: 29,90 Euro hat ein Anbieter für einen Service gefordert, den die Deutsche Rentenversicherung gratis anbietet. Die Verbraucherzentrale warnt vor vielen ähnlichen Fällen.

Den Neppern helfen gekaufte Google-Anzeigen: „Häufig erscheinen solche kommerziellen Anbieter ganz oben im Suchmaschinen-Ranking“, bedauert Rechtsanwältin Carolin Semmler von der Verbraucherzentrale NRW. Und oft erwecken die Seiten eben den Eindruck, man befinde sich auf einem offiziellen Behörden-Portal. 

Man sollte also die Web-Adresse (URL) genau prüfen. „Und man sollte grundsätzlich immer einen Blick ins Impressum werfen, bevor man irgendwelche Formulare ausfüllt oder gar etwas bezahlt“, rät die Juristin.

Zweifelhafte Anbieter verlangen Geld für Ausfüllhilfen oder Broschüren

Im besten Fall bekommt man von den Abzockern zwar tatsächlich die versprochene Leistung, man zahlt dabei aber unnötige Gebühren. Und mit Pech zahlt man Geld für fast gar nichts, weil man statt der erhofften Dienstleistung nur irgendwelche Info-Broschüren oder Ausfüllhilfen erhält. „Verbraucher sollten deshalb unbedingt ganz genau prüfen, welche Leistungen auf einer Bestellseite tatsächlich angeboten werden“, rät Semmler.

Auf der sicheren Seite ist man natürlich, wenn man offizielle Dienstleistungen grundsätzlich nur bei der zuständigen Behörde anfordert. Dabei helfen folgende Tipps mit Links zu vielen offiziellen Seiten.

Führungszeugnis: In vielen Berufen ist ein polizeiliches Führungszeugnis notwendig. Den Antrag dafür stellt man beim Bundesamt für Justiz.

Grundbuchauszug: Im Grundbuch ist eingetragen, wem eine Immobilie gehört und ob sie mit irgendwelchen Krediten belastet ist. Allerdings darf nicht jeder einen Grundbuchauszug anfordern, man muss dafür ein berechtigtes Interesse nachweisen. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn man ein Eigenheim kaufen möchte: Wer gerade schon in Kaufverhandlungen ist, fragt einfach den Notar, weil der für den Kaufvertrag sowieso einen Grundbuchauszug anfordert. Ansonsten gibt’s das Dokument gegen eine Gebühr von 10 Euro (unbeglaubigt) beziehungsweise 20 Euro (beglaubigt) beim Grundbuchamt im örtlich zuständigen Amtsgericht, zu finden über das oben schon erwähnte Bundesportal Verwaltung digital.

Kirchenaustritt: Wer aus der Kirche austreten möchte, wendet sich an das örtlich zuständige Standesamt oder Amtsgericht, die jeweilige Behörde ist ebenfalls über Verwaltung digital zu finden. Für den Austritt werden amtliche Gebühren erhoben, die in jedem Bundesland unterschiedlich hoch sind.

Nachsendeantrag: Wer umzieht, will oft, dass Post an die neue Adresse weitergeleitet wird. Dazu muss man einen Nachsendeantrag direkt bei der Deutschen Post stellen. Der Online-Antrag kostet für sechs Monate derzeit 31,90 Euro, in der Filiale ist es etwas teurer.

Rente und Versicherungsnummernachweis: Informationen über den Stand des Rentenkontos oder den Versicherungsverlauf anfordern, den Rentenantrag stellen oder fehlende Unterlagen einreichen – all dies kann man inzwischen auch online direkt bei der Deutschen Rentenversicherung erledigen. Dort kann man auch den Versicherungsnummernachweis (früher Sozialversicherungsausweis) kostenlos beantragen, also den Nachweis, unter welcher Versicherungsnummer man sozialversichert ist.

Rundfunkbeitrag: Der Rundfunkbeitrag (früher GEZ-Gebühren genannt) muss von jedem Haushalt bezahlt werden. Die An- oder Ummeldung kann online durchgeführt werden, das ist kostenlos. Zuständig dafür ist der ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice.

Schufa: Von Vermietern und anderen wird oft eine Schufa-Auskunft verlangt. Die Schufa bietet dazu selbst verschiedene Arten von kostenpflichtigen Auskünften an. Es gibt aber auch eine kostenlose Variante, die viele nicht kennen: Alle Bürger haben nämlich Anspruch auf eine Datenkopie nach Artikel 15 Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) – und diese Datenkopie gibt es gratis! Auch sie kann man direkt bei der Schufa bestellen.

Visum/ETA/ESTA: Deutsche, die im Ausland Ferien machen, dürfen in die allermeisten Staaten mit ihrem Personalausweis oder Reisepass einreisen. Bei längeren Auslandsaufenthalten ist oft ein Visum notwendig. Wenn kein Visum gefordert wird, verlangen einige Länder doch, dass vor der Einreise elektronische Einreiseformulare ausgefüllt werden: Sie heißen beispielsweise ETA in Großbritannien und Kanada, ESTA in den USA, ETA/eVisitor in Australien und NZeTA in Neuseeland. Sowohl ein Visum als auch ein elektronisches Einreiseformular müssen bei den offiziellen Behörden des jeweiligen Landes beantragt werden. Teilweise sind solche Dokumente kostenlos, teilweise werden Gebühren erhoben. Welche Regelungen gelten, findet man einfach über die Website des Auswärtigen Amtes heraus. Es veröffentlicht für jedes Land Reise- und Sicherheitshinweise und stellt Links auf die offiziellen Seiten des jeweiligen Reiselandes bereit.

Übrigens: Wenn man nun doch mal auf einen der Online-Abzocker reingefallen ist und sich wehren will, das Geld womöglich zurückholen will – auch dann muss man leider sehr genau hingucken! Zunehmend tauchen nämlich dubiose Angebote von Fake-Kanzleien auf, die sich speziell an Internet-Geschädigte wenden. Davor warnte kürzlich die Stiftung Warentest. 

Demnach bieten Webseiten mit Namen wie zum Beispiel „Betrugshilfe“ oder „European Refund Services“ scheinbar ihre Hilfe an – sind aber tatsächlich mit sehr zweifelhaften Absichten unterwegs und verlangen teils sogar Zugriff auf den Rechner der Hilfesuchenden. Hier kann ein Blick auf die Warnliste der Stiftung Warentest helfen. Und wer in Deutschland tatsächlich als Anwalt zugelassen ist, findet sich immer im amtlichen Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer.

Silke Becker
Autorin

Silke Becker studierte Soziologie, BWL, Pädagogik und Philosophie. Seit ihrem Abschluss arbeitet sie als Redakteurin und freie Journalistin. Außerdem hat sie mehrere Bücher veröffentlicht. Am liebsten beschäftigt sie sich mit den Themen Geld, Recht, Immobilien, Rente und Pflege.

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Thomas Hofinger
Chef vom Dienst aktiv

Thomas Hofinger schreibt über Wirtschafts-, Sozial- und Tarifpolitik – und betreut die Ratgeber rund ums Geld. Nach einer Banklehre sowie dem Studium der VWL und der Geschichte machte er sein Volontariat bei einer großen Tageszeitung. Es folgten einige Berufsjahre als Redakteur und eine lange Elternzeit. 2006 heuerte Hofinger bei Deutschlands größter Wirtschaftszeitung aktiv an. In seiner Freizeit spielt er Schach und liest, gerne auch Comics.

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