Der Gedanke an sich ist gut: Wer bei mehreren Banken ein Konto hat, kann mit einer App alle diese Konten im Auge behalten. Das ermöglichen sogenannte Multibanking-Apps. Eventuell kann man sogar das Paypal-Konto, die Kreditkarte und das Wertpapierdepot noch einbinden.

Geld überweisen, Daueraufträge bearbeiten, Depot prüfen

Im besten Fall überweisen Bankkunden aus der App heraus von unterschiedlichen Konten Geld oder richten Daueraufträge ein, ändern und löschen diese. In der Realität geben einige Banken, auf die man per App zugreifen kann, nicht alle diese Funktionen frei. „Es kommt also immer darauf an, was einerseits die Multibanking-App kann, andererseits aber auch darauf, was die entsprechende andere Bank erlaubt“, erklärt Maximilian Heitkämper. Er ist bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz Fachbereichsleiter Digitales und Verbraucherrecht.

Schneller Überblick über Konten und die gesamten Finanzen

Die Vorteile des Multibankings für die Kunden liegen auf der Hand: Sie haben einen schnellen Überblick über ihre Finanzen und müssen ihre Zugangsdaten im besten Fall nur in einer App hinterlegen.

Doch auch Banken profitieren davon, wenn sie Multibanking-Apps anbieten: „Mit diesem Service verlieren vor allem die Zweit- oder Drittbanken nicht den Kontakt zum Kunden“, sagt Fabian Schuster, der beim Bankenverband Fachmann für Bankentechnologie ist. Hinzu komme: Wer kein Multibanking anbiete oder zulasse, sei weniger interessant für die Kunden und gelte nicht als innovativ. 

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Wegen neuer Zahlungsrichtlinie Probleme mit den Schnittstellen der Apps

Trotzdem bieten längst nicht alle Banken entsprechende Apps an. Das hängt unter anderem mit der EU-Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 zusammen, die im Herbst 2019 in Deutschland umgesetzt wurde. Ihr Ziel ist es, Verbraucherrechte zu stärken und das digitale Bezahlen sicherer zu machen.

Mit der Umsetzung von PSD2 kam es jedoch auch zu technischen Problemen bei den Schnittstellen zwischen den App-Anbietern und den anderen Banken. „Eine zentrale Schnittstelle gibt es nämlich nicht“, so Heitkämper. „Es muss also jede Bank eine eigene Lösung finden.“

Die Folge: Einige Banken bieten derzeit kein Multibanking an, andere arbeiten noch an einer Lösung wie beispielsweise die ING. Dritte wie die Commerzbank schreiben auf ihrer Homepage, dass es mit manchen Banken Verbindungsprobleme gibt. Und wieder bei anderen, wie bei der Sparkasse, scheint alles zu funktionieren. „Seit dem Herbst 2019 ist allerdings schon vieles besser geworden“, so Heitkämper. „Und sicherer ist es durch die Rahmenbedingungen von PSD2 allemal.“

Wie der Zugriff auf das Bankkonto beim Multibanking funktioniert

Die erhöhte Sicherheit macht Mobile- und Onlinebanking für den Kunden allerdings auch etwas umständlicher: Mal wird der Fingerabdruck benötigt, mal eine mobile TAN, um die Bankgeschäfte zu regeln.

Die gute Nachricht: Durch die bankenübergreifende Verwaltung via App wird die Sache nicht noch komplizierter. Bankenverband-Experte Schuster erklärt das so: „Der Kunde nutzt das Multibanking-Angebot von Bank A, um auf Bank B zuzugreifen. Zuerst muss er sich also bei Bank A authentifizieren. Diese macht nach der Anmeldung eine Anfrage bei Bank B.“ Bank B antworte in Sekundenschnelle und fordere die entsprechenden Daten für die Authentifizierung an.

Braucht Bank B beispielsweise eine mTAN, kann diese zusätzlich abgefragt werden. „Es gibt auch die Möglichkeit, dass der Kunde ganz kurz auf die andere Bank umgeleitet wird, dort seine Daten eingibt und wieder zurückgeleitet wird“, erklärt der Bankenexperte. „Das alles geht aber in Sekundenschnelle.“ Und ist auch noch sicher, wie Schuster sagt.

Sicheres Multibanking: Interessenten sollten die Datenschutzrichtlinien des Anbieters prüfen

Interessierte Nutzer sollten sich die Frage stellen: „Welche Rechte räumt sich der Anbieter ein?“, so Schuster. Darum rät er dazu, sich genau anzusehen, welche App man sich aufs Smartphone lädt.

„Das ist besonders wichtig, wenn es sich um die App eines unbekannten Anbieters handelt.“ Dann ist eben nicht eine Bank Anbieter der Software, sondern ein Unternehmen aus einer anderen Branche: Check24 oder Finanzblick sind beispielsweise Multibanking-Apps eines Vergleichsportals und eines Softwarehauses. Sie haben zusätzliche Funktionen integriert wie zum Beispiel einen Versicherungsvertragsvergleich und ein digitales Haushaltsbuch.

„Für solche zusätzlichen Funktionen muss der Nutzer üblicherweise eine explizite Zustimmung geben“, sagt Schuster. Er rät dazu, vor der Nutzung von Multibanking-Apps einen Blick in die allgemeinen Geschäftsbedingungen und vor allem in die Datenschutzrichtlinie des Anbieters zu werfen. Kollege Heitkämper von der Verbraucherzentrale rät außerdem dazu, im Internet nach Erfahrungen anderer Nutzer zu suchen.

Beim Herunterladen der Apps ist besondere Aufmerksamkeit geboten

„Speziell Android-Nutzer sollten zusätzlich darauf achten, wo sie die Apps herunterladen“, sagt Schuster. Denn beim Google-Betriebssystem für Smartphones lassen sich Angebote nicht nur aus offiziellen Quellen laden. „Wer versehentlich eine Fake-App installiert, läuft Gefahr, dass seine Daten ausgespäht werden“, so Schuster. So kommen letztlich Abzocker an das Geld der Bankkunden.

Multibanking: Was die Zukunft bringt

Alles in allem ist beim Multibanking noch Verbesserungspotenzial gegeben. „Wer heute Multibanking nutzt, ist noch immer ein Early Adopter, also jemand, der ein Angebot früh nutzt“, sagt Heitkämper. Und das, obwohl es Multibanking schon seit einigen Jahren gibt. „Dementsprechend funktioniert eben nicht alles fehlerfrei, und man braucht ein hohe Frustrationstoleranz. Eventuell wird es künftig einen ganz neuen Anbieter geben, der alle Probleme mit einer Art Killer-Applikation aus dem Weg räumt. Aber ich fürchte, darauf müssen wir noch warten.“