Snackable Fitness: Jetzt gibt es keine Ausreden mehr

Exercise Snacks: Mit 5-Minute-Workouts fit bleiben

Einer der beliebtesten neuen Fitness-Trends: Mini-Workouts. Sie funktionieren ohne Geräte oder Matte. Was Exercise Snacks bringen und welche optimal in den Alltag passen, erklärt eine Expertin der Sporthochschule Köln.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Exercise Snacks von ein bis fünf Minuten lassen sich überall und ohne Ausrüstung in den Alltag integrieren.
  • Schon kurze Bewegungspausen verbessern Herz-Kreislauf-Gesundheit, Blutzuckerwerte und Fitness, besonders bei Menschen mit wenig Bewegung.
  • Entscheidend ist die Regelmäßigkeit: Mehrere kleine Bewegungseinheiten täglich können lange Sitzzeiten wirksam ausgleichen.

Wer kennt das nicht – im Büro ist es mal wieder länger geworden und dann noch ins Fitnessstudio oder joggen, wirklich? Jetzt ist erst mal Feierabend und morgen ist schließlich auch noch ein Tag. Nicht überraschend: Oft läuft es dann wieder genauso ab. Feste Sportzeiten, etwa im Verein, sind für viele Berufstätige schlecht einzuplanen.

So wäre es doch viel praktischer, man könnte ohne großen Aufwand – kein Equipment, kein Sportdress – kurze Sporteinheiten nebenbei erledigen. Ob zu Hause, auf dem Weg zur Arbeit oder im Büro: Es gilt, den ständig steigenden Sitzzeiten etwas entgegensetzen.

Exercise Snacks funktionieren ohne Ausrüstung

Das geht: Unter dem Stichpunkt Snackable Fitness oder auch Exercise Snacks läuft der Trend auf Social Media heiß und generiert Millionen Views.

„Mini-Workouts sind kurz und knackig – und überall machbar“

Jana Bromand, Sportochschule Köln

Was die Mini-Sporthäppchen ausmacht, erklärt Jana Bromand, Sportwissenschaftlerin von der Sporthochschule Köln: „Sie sind kurz und knackig – eine Einheit dauert nur eine bis fünf Minuten. Sie sind überall machbar und es ist keine Ausrüstung nötig, weder Hanteln noch Matten oder spezielle Kleidung.“

Nützliches Wissen

Auch Fünf-Minuten-Workouts sind effektiv

So kurz wie die Einheiten nun auch sind – sie haben dennoch positive Effekte auf den Körper, zum Beispiel den Stoffwechsel und das Herz. „Aktuelle Studien zeigen, dass sich unter anderem die Werte für Herz und Kreislauf sowie für den Blutzucker und Insulinspiegel verbessern“, erklärt Bromand:

  • Herz und Kreislauf: Entzündungswerte sinken und damit auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Körper ist insgesamt „entzündungsärmer und arbeitet gesünder“.
  • Blutzucker und Insulin: Bei langen „Sitzzeiten“, wie sie viele im täglichen Arbeitsleben haben, steigt der Blutzucker oft stark an. Bewegungspausen federn diesen Anstieg ab, Blutzucker- und Insulinspiegel bleiben nach dem Essen deutlich stabiler.
  • Fitness: Das Herz-Kreislauf-System wird durch die Bewegungs-Snacks messbar leistungsfähiger.
  • Blutfettwerte: Auch auf Cholesterin und andere Blutfette wie Triglyceride haben Exercice Snacks einen positiven Einfluss.

Das zeigt: Es muss nicht immer exzessiver Sport sein, um sich was Gutes zu tun und fit zu bleiben, ein Fünf-Minuten-Workout bringt schon eine Menge.

Wichtig ist aber, „dass man die kleinen Bewegungspausen regelmäßig in den Alltag einbaut“. Einige Einheiten pro Tag sollten es am besten sein, empfiehlt die Sportwissenschaftlerin. Aber: „Auch kleine Schritte können einen echten Unterschied machen.“

Sportmuffel profitieren am meisten

Davon profitieren vor allem Menschen, die sich sonst nur sehr wenig bewegen und vor allem sitzen und bereits an einem Diabetes mellitus Typ 2 oder Prädiabetes leiden: „Hier können die Fitnesseinheiten ein wirksames Mittel sein, um die typischen Risikofaktoren wie hohe Blutzuckerspitzen oder erhöhte Entzündungswerte zu senken.“

Bei jenen, die schon regelmäßig Sport treiben, sind die Effekte von zusätzlichen Mini-Sporteinheiten nicht eindeutig belegt – sie müssen noch weiter untersucht werden, sagt die Expertin, die gerade eine Studie zu Exercise Snacks durchführt und dafür noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer sucht, die einen Diabetes mellitus Typ 2 haben und nicht schon viel Sport treiben.

Machen Sie diese 3 Exercise Snacks jeden Tag

Bromand empfiehlt zum Beispiel die folgenden Übungen:

  • Leichte Kniebeugen: Sie müssen nicht tief sein, es reicht, sanft in die Hocke zu gehen. Durch die Kniebeugen werden zahlreiche Muskeln und mehrere Gelenke gleichzeitig aktiviert – besonders trainiert werden die vordere Oberschenkelmuskulatur und das Gesäß, zusätzlich auch die hintere Oberschenkelmuskulatur. Außerdem stabilisieren Kniebeugen die Rumpf- und Rückenmuskulatur.
  • Tippeln auf der Stelle: Einfach mehrere Minuten „joggen“, ohne sich dabei fortzubewegen. Das bringt den Kreislauf in Schwung und regt den Stoffwechsel an.
  • Knieheben: Abwechselnd die Knie Richtung Bauch heben – „wie beim Marschieren auf der Stelle“. Die Hauptarbeit leisten dabei die Hüftbeuger und die vordere Oberschenkelmuskulatur, während die Bauchmuskeln vor allem stabilisierend mitarbeiten, um den Rumpf aufrecht zu halten. Durch den ständigen Wechsel zwischen Stand- und Spielbein trainiert die Übung außerdem Gleichgewicht und Koordination.

Mini-Workouts eignen sich für zu Hause und sogar für unterwegs

Möglichst lange abwechselnd auf einem Bein stehen, das dient der Stabilität und Balance. Diesen Flamingo-Test macht man am besten in einer sicheren Umgebung zu Hause.

Doch auch sonst gibt es genug Gelegenheiten sich zu bewegen:

  • Treppe statt Aufzug,
  • kurze Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen,
  • eine Station früher aus dem Bus aussteigen.

Und vielleicht machen die kleinen Sporthäppchen sogar Lust auf mehr…

Zehn Stunden Sitzen am Tag: Zeit, endlich aufzustehen!

Zehn Stunden Sitzzeit pro Werktag ermittelte der aktuelle DKV Report „Wie gesund lebt Deutschland?“ Das Sitzen vor dem Fernseher und in der Freizeit (zusammen 236 Minuten) ist dabei länger als das Sitzen im Job (204 Minuten). Der Trend, immer länger auf seinen vier Buchstaben zu verweilen, hält seit Jahren an. Auffällig: Die 18- bis 29-Jährigen sitzen am längsten. Und je höher das Bildungsniveau, umso länger klebt man am Stuhl.

Dies stellt ein bedeutendes Gesundheitsrisiko dar, warnen die Autoren. Und zwar für Herz und Kreislauf, chronische Erkrankungen, für die Psyche und die Lebensqualität.

Ihre Tipps: Bewegungspausen, geringere Mediennutzung, bewegtes Sitzen und Stehen bei der Arbeit und beim Lernen. Sie raten zu einer Stunde moderat-intensiver Bewegung pro Tag, um mehr als achtstündiges Sitzen auszugleichen.

Viele Arbeitgeber haben die Gefahren des Bewegungsmangels erkannt. Durch Betriebliches Gesundheitsmanagement aktivieren sie ihre Beschäftigten, auch am Arbeitsplatz. Beispielsweise die Unternehmen CHT und Vossloh steigern mit entsprechenden Angeboten ihre Attraktivität und senken den Krankenstand.

Waltraud Pochert

Autorin

Waltraud Pochert hat bei aktiv vor allem Verbraucherthemen aus dem Bereich der privaten Finanzen sowie Recht und Steuern im Blick. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre in Köln startete sie ihre berufliche Laufbahn bei einem großen Wirtschaftsmagazin, bevor sie als freie Journalistin tätig wurde. In ihrer Freizeit ist sie gern sportlich unterwegs, vor allem mit dem Fahrrad.

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