Heizungsgesetz: Wer seine Ölheizung tauschen muss – und wie man dafür Geld bekommt
Mit dem seit Juli in Kraft getretenem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) werden die Vorschriften zum Heizungstausch wieder lockerer. Ein Energieberater erklärt, welche Regeln nun gelten.

Das Wichtigste auf einen Blick:
- Gas- und Ölheizungen dürfen mit anteiliger Biopflicht weiter neu eingebaut werden.
- Über eine „Bio-Treppe“ soll der Anteil regenerativer Energien im Gebäudesektor steigen.
- Gas- und Ölheizungen können aufgrund steigender Energiepreise eine große Kostenfalle sein.
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), meist Heizungsgesetz genannt, ist seit Anfang 2024 in Kraft. Es sollte den Umstieg auf klimafreundliche Heizungen einleiten. Doch viele Menschen machten sich Sorgen, dass sie ihre Heizung austauschen müssen und dass hohe Kosten damit auf sie zukommen. Nun sind die GEG-Regeln entschärft worden – durch das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Alexander Beer, Gebäudeenergieberater von der Verbraucherzentrale Bayern, erklärt, was nun gilt.
Die 65-Prozent-Regel ist gestrichen
Das alte Gesetz sah vor, dass spätestens ab Mitte 2028 neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen, zum Beispiel mit der Energie einer elektrischen Wärmepumpe oder dem Anschluss an ein Wärmenetz. Diese Regelungen sind nun passé.
Technologieoffenheit: Der Besitzer entscheidet über die Heizungsart
„Stattdessen bleibt die Entscheidung darüber, welches Heizungssystem genutzt wird, nach dem derzeitigen Entwurf wieder ganz Sache des Eigentümers“, erläutert Beer. Sprich: Auch Öl- und Gasheizungen dürfen dann wieder neu eingebaut werden, ohne Kopplung an eine kommunale Wärmeplanung oder in Hybridform gemeinsam mit einer Wärmepumpe.
Bio-Treppe soll für steigenden Anteil regenerativer Energien sorgen
Die festen Technikvorgaben werden durch die Einführung einer „Bio-Treppe“ ersetzt, die dafür sorgen soll, dass immer mehr klimaneutrale Brennstoffe wie grüner Wasserstoff, Bio-Methan oder Bio-Öl genutzt werden. Heißt konkret: „Ab 2029 müssen neu eingebaute Gas- und Ölheizungen einen Bio-Anteil von 10 Prozent haben.“ Dieser Anteil soll dann stufenweise bis 2040 in drei Schritten ansteigen. So ist ab 2030 ein Bioanteil von 15 Prozent vorgesehen, ab 2035 von 30 Prozent und schließlich ab 2040 von 60 Prozent. Altanlagen, die bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes betrieben worden sind, sind davon ausgenommen.
Funktionierende Heizungen in bestehenden Gebäuden können weiter betrieben werden
Alte Heizungen dürfen ohne Einschränkung weiterbetrieben werden, solange sie funktionieren oder noch repariert werden können, auch über das Jahr 2045 hinaus, das zuvor als Enddatum festgelegt war.
Beratungspflicht entfällt
Wer zuvor eine fossile Heizung einbauen wollte, musste sich verpflichtend zu den Folgen und anderen Optionen beraten lassen. Auch diese Beratungspflicht ist zum 1. Juli 2026 entfallen.
Die Entscheidung über die Heizung will gut überlegt sein
Auch wenn es wahrscheinlich demnächst wieder leichter ist, eine Gas- oder Ölheizung einzubauen, sollte man diese Entscheidung genau abwägen. „Zwar ist die Anschaffung oft zunächst einmal günstiger, aber dennoch können sich diese Systeme zukünftig als große Kostenfalle entpuppen“, warnt Alexander Beer.
Denn allein die steigenden CO2-Preise werden dafür sorgen, dass Gas und Öl immer teurer werden. Möglicherweise droht hierbei der nächste große Kostenschub 2028, wenn der nationale Emissionshandel in den europäischen übergeht: „Manche Experten rechnen dann mit CO2-Preisen von rund 300 Euro je Tonne CO2 – jetzt liegen sie bei rund 55 bis 65 Euro.“
Das bedeutet für einen Haushalt mit einer nur wenig gedämmten Immobilie einen Anstieg von jetzt im Schnitt 350 Euro CO2-Kosten pro Jahr auf mehr als 1.700 Euro nur aufgrund des Emissionshandels. Wenn dann noch generell die Preise aufgrund von Krisen wie aktuell dem Irankrieg steigen, wird das warme und behagliche Zuhause noch teurer.
Und die beabsichtigte Beimischung der Bio-Energieträger wird sich ebenfalls in den Kosten widerspiegeln: „Diese sind noch erheblich teurer als fossile Brennstoffe und auch noch nicht in ausreichender Menge am Markt vorhanden.“
Heizungstausch: Förderung für alle Eigentümer
Auch die Förderung für den Austausch alter Gas- und Ölheizungen gegen eine Wärmepumpe ist im Zuge des neuen Gesetzes angepasst worden. Hier gibt es verschiedene Boni:
- 30 Prozent Grundförderung für den Einbau einer neuen Wärmepumpe im Bestand (maximal 28.000 Euro und schrittweise absinkend). Ab 2027 sinkt die Grundförderung auf 15 Prozent.
- Bis zu 16 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus für den schnellen Austausch von alten, noch funktionierenden, fossile Energieträger nutzenden Heizungen (der Bonus sinkt ab 2027 weiter ab und entfällt 2028 ganz).
- 10 bis 40 Prozent Einkommensbonus: für Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von maximal 50.000 Euro; bei minderjährigen Kindern im Haushalt reduziert sich das anzusetzende Einkommen um 10.000 Euro je Kind.
- 15 Prozent Wertschöpfungsbonus soll es ab 2027 geben, wenn eine Wärmepumpe aus europäischer Herstellung eingebaut wird.
„Zwar können die verschiedenen Boni miteinander kombiniert werden, die maximale Förderung ist aber auf 70 Prozent begrenzt, wird der Einkommensbonus genutzt, auf insgesamt 80 Prozent“, sagt Energieberater Beer.
Zudem sind energetische Sanierungsmaßnahmen wie
- die Dämmung der Gebäudehülle,
- neue Fenster,
- Anlagentechnik oder
- Heizungsoptimierung
förderfähig. Weitere Informationen zu den Fördermöglichkeiten bietet die Verbraucherzentrale. Informationen und Anträge zur Förderung des Heizungstausches erhalten Sie auch bei der KfW.
Bei der Entscheidung, welche Heizung für das jeweilige Gebäude am besten geeignet ist, helfen fachlich qualifizierte Energieberater. Die Verbraucherzentrale bietet bundesweit Energieberatungen an, unter der kostenlosen Nummer (0800) 809 802 400 oder auf der Homepage können Sie einen Termin vereinbaren.
Wann sollte man am besten Heizöl kaufen?
Wer eine Ölheizung hat, braucht natürlich auch Öl. Doch wann kann man das am günstigsten kaufen? „Es ist sehr schwierig, eine gute Prognose abzugeben, wann man am besten Heizöl kaufen sollte“, sagt Beer. Laut „Finanztest“ lohnt es sich vor allem zum Ende des Frühjahrs oder im Sommer, Heizöl einzukaufen. Dann sind die Preise nämlich besonders günstig, während sie Richtung Winter wieder nach oben gehen. Einen guten Überblick liefern Heizölportale wie heizoel24.de, fastenergy.de oder esyoil.com.

Großer Wunsch: Mehr Unabhängigkeit von den Fossilen
Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheit wie aktuell dem Iran-Krieg finden 78 Prozent der Bevölkerung in Deutschland die Energieabhängigkeit als „bedrohlich“ oder „eher bedrohlich“. Dies ergab eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft. 68 Prozent wünschen sich demnach, dass die Bundesregierung den Einsatz erneuerbarer Energien verstärkt und auf diese Weise die Abhängigkeit von Importen fossiler Energieträger mindert.
Unterdessen werden Wärmepumpen immer beliebter. Wie der Bundesverband Wärmepumpen meldet, waren Wärmepumpen 2025 erstmals das meistverkaufte Heizsystem in Deutschland: Der Absatz stieg um 55 Prozent auf 299.000 Anlagen. In den ersten drei Monaten 2026 betrug das Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum 34 Prozent. Damit erreichten Wärmepumpen bei neu installierten Heizsystemen einen Marktanteil von 49 Prozent.
Zugleich kam die Solarstromerzeugung 2025 auf ein Rekordhoch. Die Gesamtleistung von Photovoltaik (PV) betrug laut Bundesverband Solarwirtschaft rund 118 Gigawattpeak. Das Ausbauziel bis 2030 beträgt rund 215 Gigawattpeak. So steht es im Erneuerbare-Energien-Gesetz. Zwar ging 2025 der PV-Zubau auf Eigenheimen um 25 Prozent und auf Gewerbedächern um 5 Prozent deutlich zurück. Doch die neu installierte Leistung von Balkonkraftwerken stieg um rund 25 Prozent. Im April 2026 waren in Deutschland rund 1,3 Millionen Balkonkraftwerke installiert.
Auch E-Autos boomen: Im April 2026 machten sie 26 Prozent der 64.350 Neuwagen aus. Das ist dem Kraftfahrzeugbundesamt zufolge ein Plus von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Hybridautos kamen auf einen Anteil von 39 Prozent (plus 7 Prozent). Zum Vergleich: Nur 21 Prozent der Neuzulassungen waren Benziner (minus 20 Prozent).
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