Was macht gute Führung aus: Ein Vorbild sein? Vertrauen ausstrahlen? Visionen entwickeln? Management-Berater haben unzählige Begriffe für das gefunden, was man gemeinhin „gute Führung“ nennt – Lean-Management, agile oder situative Führung sind nur einige der Modeworte. Und mit jeder neuen Generation von Trainern entstehen neue Ideen. Manche setzen sich durch, weil sie Prozesse besser machen. Manche verschwinden im Mülleimer der Geschichte.
Wie lassen sich Menschen in einem System so anleiten, dass es gute Ergebnisse bringt? Diese Frage stellt sich nicht nur in Unternehmen. Sie beschäftigt Herrscher schon seit Tausenden Jahren. Was spricht für das autokratische System, in dem ein Chef mit Macht seine Pläne durchsetzt? Was für die Demokratie, bei der alle das Recht haben, mitzuentscheiden?
In einer faszinierenden Doppelausstellung gehen das Rheinische Landesmuseum und das Stadtmuseum Simeonstift in Trier noch bis Ende November 2025 dieser Frage nach, am Beispiel des römischen Kaisers Marc Aurel. Schon vor gut 2.000 Jahren hat sich dieser Fragen gestellt, die bis heute auch für die Führung von Unternehmen relevant sind.
„Ein Mensch ist das, was er tut – nicht das, was man über ihn sagt.“
Marc Aurel
Marc Aurel gilt nicht nur als einer der erfolgreichsten römischen Kaiser. Wegen seiner berühmten „Selbstbetrachtungen“ – einer Sammlung philosophischer Gedanken – wird er auch als „Philosophenkaiser“ bezeichnet. Geboren wurde er im Jahr 121, damals erreichte das römische Reich seine größte Ausdehnung: Von Schottland bis Nordafrika, von Portugal bis nach Mesopotamien erstreckte sich das Einflussgebiet des Kaisers damals.
Wer Menschen mitnehmen will, muss seine Entscheidungen erklären
Marc Aurel formulierte letztlich zeitlose Tipps, die heute noch jedes Teamwork im Betrieb besser machen. So riet er vom vorschnellen Urteil ab: „Oft irrt der, der handelt, mehr als der, der nicht handelt. Und oft irrt auch der, der urteilt, bevor er versteht.“ Er zeigte auf, wie wichtig es ist, Handlungen zu erklären: „Ein Mensch ist nicht unglücklich durch das, was geschieht, sondern durch seine Meinung darüber.“ Auch mit überkommenem Statusdenken räumte der Kaiser auf: „Ein Mensch ist das, was er tut – nicht das, was man über ihn sagt.“ Er plädierte für eine Orientierung an den Fakten: „Trenne das, was du weißt, von dem, was du meinst.“ Und für kooperatives Handeln: „Was dem Bienenstock nicht nützt, nützt auch der Biene nicht.“
Die Doppelausstellung in Trier zeigt auch, wie sich die bildende Kunst mit der Frage der guten Herrschaft auseinandergesetzt hat. Und warum philosophische Haltung und Wirklichkeit Widersprüche beinhalten können: Marc Aurel etwa, der in seiner Zeit als Thronfolger viele Jahre des Friedens erlebt hat, führte als Kaiser zahlreiche Kriege, bei denen er auch zu drastischen Mitteln greifen musste.
Ähnlich stehen viele Unternehmen heute vor Herausforderungen, die manchmal harte Veränderungen notwendig machen. Wer Menschen dabei mitnehmen will, muss gut führen können. Von Marc Aurel kann man da einiges lernen.
Die Doppelausstellung
- Das Rheinische Landesmuseum Trier und das Stadtmuseum Simeonstift Trier zeigen die Doppelausstellung zu Marc Aurel bis zum 23. November.
- Während sich das Landesmuseum mit der Biografie des Kaisers beschäftigt, geht das Stadtmuseum der Frage nach der guten Herrschaft nach.
- Die Ausstellungen sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, das Kombiticket kostet 22 Euro. Infos: marc-aurel-trier.de







