Gesundheit

Energydrinks: Warum Jugendliche besonders vorsichtig sein sollten

Sie versprechen mehr Energie, bringen aber oft nur einen kurzen Schub. Ärztinnen aus Hagen erklären, warum Koffein, Zucker und Schlafmangel besonders für Jugendliche im Alltag zum Problem werden können.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Koffein und Zucker sorgen nur kurzfristig für mehr Energie; danach kann ein Zucker-Crash folgen.
  • Zu viel Koffein kann Blutdruck, Puls, Schlaf und Wohlbefinden beeinträchtigen.
  • Wasser, ungesüßter Tee, Kaffee in Maßen, ausreichend Schlaf, Sport und ausgewogene Ernährung helfen nachhaltiger.

Schlecht geschlafen, ein bisschen schlapp, und dann muss auch noch was schnell fertig werden? Kein Problem, der Zaubertrank ist ja dabei … Gute Idee? Nicht wirklich!

Angeblich Flügel verleihende Energydrinks stehen immer öfter auf Werkbank oder Schreibtisch, verheißen sie doch laut Werbung mehr Power für mehr Leistung. Vor allem junge Leute greifen da gerne zu – schon 2024 trank „fast jeder dritte Jugendliche regelmäßig Energydrinks“ (so eine Forsa-Studie). Und viele leeren eben nicht nur eine Dose am Tag. Das macht Fachleuten Sorgen: Kürzlich berichtete eine Arbeitsmedizinerin in Neuenrade von einem Auszubildenden, der im Betrieb zusammenklappte – offenbar wegen Energydrinks.

Was alles in der Dose steckt

Energydrinks sind Mischgetränke, die reichlich Koffein und Zucker sowie Säuerungsmittel und weitere stimulierende Zutaten enthalten wie etwa Guarana, Taurin, Inosit, Glucoronolacton oder Pflanzenextrakte. Deren Wirkung ist umstritten.

Eine typische Halbliter-Dose enthält circa 160 Milligramm Koffein – das entspricht der Koffein-Menge in zwei Tassen Kaffee und ist etwa dreimal so viel wie in einer Cola-Dose.

Etwa 18 Stück Zucker stecken in einem Energydrink

In so einem Energydrink stecken außerdem etwa 18 Stück Zucker. Damit ist die tägliche Höchstmenge von 50 Gramm schon erreicht! Und diese Grammzahl ist nicht etwa „im Sinne einer empfohlenen Zufuhr“ zu verstehen, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betont, „sondern vielmehr als maximale Obergrenze“.

Welche Beschwerden zu viel Koffein auslösen kann

Auch Andrea Auner und Sarah Kasimir, Ärztinnen am Zentrum für Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit Hagen, beobachten kritisch, dass die aufputschenden Getränke immer öfter zu sehen sind. „Die Leute glauben wohl, dass sie das brauchen, um durchhalten zu können“, meint Kasimir. 

Gesundheit & Sozialstaat

Tatsächlich ist die Wirkung so eines Drinks ja schnell spürbar. Das Koffein kickt, der Zucker macht glücklich, Konzentration und Energie steigen. Aber: „Das ist ein kurzer Effekt, der schnell verpufft“, erklärt Auner. Nach spätestens zwei Stunden kommt dann der Zucker-Crash: Die Leistungskurve geht wieder runter. Koffein wirkt zwar länger, stört dann aber unter Umständen abends beim Einschlafen.

Die gesundheitlichen Effekte können übel sein, vor allem bei mehreren Energydrinks am Tag. „Der Blutdruck steigt. Herzrasen, Herzstolpern, schneller Puls. Übelkeit, Kopfschmerzen, Unruhe, Ängste, Nervosität. Und Schlafstörungen“ – das nennen die beiden Ärztinnen als mögliche Folgen eines zu hohen Koffeingenusses.

Warum Jugendliche besonders gefährdet sind

Der extreme Zuckergehalt der Getränke wiederum bringt auf Dauer das Risiko von Übergewicht, Diabetes und Herzerkrankungen mit sich. Vor allem Kinder und Jugendliche und Menschen mit (oft nicht bekannten) Vorerkrankungen sind deutlich mehr gefährdet. In Polen, Ungarn und weiteren EU-Staaten ist der Verkauf von Energydrinks an Minderjährige verboten, die Diskussion in Deutschland darüber läuft.

Die Alternative klingt erst mal uncool – ist aber viel gesünder: „Kaffee in Maßen oder ungesüßter Tee“, rät Kasimir. Dazu ausreichend Wasser. Regelmäßiger Sport, genug Schlaf und ausgewogene Ernährung: Dann kann man auf Dauer gesund die Leistung bringen, die ein Energydrink nur kurzfristig verspricht.

Betriebliche Gesundheitsförderung: Das leisten Unternehmen

Gesund zu leben, ist eine wichtige Grundlage für unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit. Ausreichend Schlaf, Bewegung, ausgewogene Ernährung und genug Wasser helfen langfristig mehr als ein kurzfristiger Koffein-Kick. Laut einer Analyse des IGES Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit lag der Krankenstand 2025 bei 5,4 Prozent. Das heißt, dass von 1.000 Beschäftigten an jedem Tag im Jahr im Durchschnitt 54 krank waren. Besonders häufige Ursachen waren Atemwegs-, psychische sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. 

Viele Unternehmen bieten betriebliche Gesundheitsförderung an: Angebote zu Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und gesundheitsförderlicher Führung – und damit Hilfen, die einen gesunden Lebensstil im Arbeitsalltag erleichtern können. Die gesetzlichen Krankenkassen investierten 282 Millionen Euro in entsprechende Maßnahmen.

Hildegard Goor-Schotten

Autorin

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten. 

Alle Beiträge der Autorin

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren: