Weltausstellungen – heute auch „Expo“ genannt – gibt es seit 1851. Dann und wann, hier und da. Sie ziehen jedes Mal Millionen Menschen an. Der Besucherrekord liegt bei 70 Millionen und wurde 2010 in Schanghai aufgestellt. Und trotzdem lösen sich die Massenspektakel nach ein paar Monaten so gut wie in Luft auf, denn: Die meisten Ausstellungsgebäude werden komplett wieder abgebaut – zum größten Teil für immer, zum kleineren Teil aber auch woanders von Neuem errichtet. Einige prächtige Expo-Wahrzeichen aus dem 19. Jahrhundert sind sogar niedergebrannt.

Und doch: Manche steinerne, stählerne, gläserne oder hölzerne Giganten haben an ihren Original-Schauplätzen überlebt und bringen dort ihre Besucher nach wie vor zum Staunen. Elf von solchen Expo-Bauten stellen wir Ihnen in der Bilderstrecke am Ende dieses Artikels vor.

Aus aller Welt in London – von London aus in alle Welt

Die Tradition der Expos wurde in der Zeit der Industrialisierung begründet. Denn es sollten die neuesten technischen Errungenschaften und handwerklichen Produkte der Weltöffentlichkeit vorgestellt werden. Die erste dieser Megaschauen wurde 1851 im Londoner Hyde Park abgehalten – mit 17.062 Ausstellern aus 28 Ländern, sechs Millionen Besuchern sowie Produktneuheiten wie dem Telegrafen und dem ersten Plastikstuhl aus vulkanisiertem Kautschuk. Das Wahrzeichen des Spektakels war ein gewächshausartiges Gebäude, ganz aus Glas und Gusseisen: der Crystal Palace (dt. „Kristallpallast“). 563 Meter lang, 124 Meter breit, etwa 80.000 Quadratmeter großflächig.

Warum denn so riesig? Ganz einfach: Anders als heute fanden die ersten Weltausstellungen noch in einem einzigen Gebäude statt. Darin mussten alle Besucher, Aussteller und Exponate Platz haben. Der Crystal Palace wurde nach der Ausstellung demontiert – und bis 1854 abgeändert in Süd-London wieder aufgebaut. Sogar noch größer und auf dem höchsten Punkt der Stadt. Leider brannte der Bau 1936 infolge einer Explosion nieder. Doch geblieben ist zum einen sein Name: Crystal Palace heißen in London noch heute das Stadtviertel und der große Park, in denen der Palast stand. Außerdem ein bekannter Fußballverein und ein Sendeturm. Zum anderen begründete das legendäre Wunderwerk einen neuen Gebäudetypus: den Glaspalast.

In der folgenden Bildergalerie zeigen wir Ihnen elf tolle Weltausstellungsbauten, die Sie heute noch im Original am Originalschauplatz bewundern können. Eine Erklärung noch vorab: Nicht überall da, wo Veranstalter „Weltausstellung“ draufschreiben, steckt auch offiziell eine Expo dahinter. Ob eine internationale Schau wirklich Weltformat hat, entscheidet das 1928 in Paris gegründete Bureau International des Expositions (BIE). Auch rückwirkend. Ähnlich wie das IOC für die Olympischen Spiele zuständig ist, bestimmt das BIE die Gestaltung und Vergabe von Weltausstellungen. Alle folgenden Sehenswürdigkeiten stammen von „echten“ Expos.

Royal Exhibition Building (1880), Melbourne

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Die achte Weltausstellung, 1880/81 in Melbourne … „Moooment! Wann und wo?“ Ja, richtig gelesen – und erstaunlich, wenn man eines bedenkt: Die heutige Millionenmetropole im Südosten Australiens war erst 45 Jahre zuvor, 1835, gegründet worden. Doch schon 1851 wurde Melbourne zur Hauptstadt der britischen Kolonie Victoria ernannt. Ein paar Wochen später fand man auf deren Gebiet Gold. Scharen an Einwanderern – aus Europa und vor allem China – kamen, sahen und siebten. Ab Mitte der 1860er-Jahre war Melbourne für einige Zeit die bevölkerungsreichste Stadt in „Down Under“. 1879 beantragte sie für das Folgejahr die Expo-Ausrichtung. Ziemlich kurzfristig.

Umso schneller holte die Konkurrentin Sydney zum Gegenschlag aus: In acht Monaten, tags und nachts, organisierte diese damals etwa doppelt so „alte“, aber plötzlich nur noch zweitgrößte australische Stadt eine eigene internationale Landwirtschaftsschau. Ohne Expo-Weihen der BIE. Vorteil für Melbourne: Mehr ausländische Aussteller als sonst waren nun eh schon auf dem Fünften Kontinent zu Gast. Und so kamen nur ein halbes Jahr später 12.791 Aussteller aus 18 Teilnehmerstaaten und 14 britischen Kolonien sowie 1,3 Millionen Schaulustige nach Melbourne. Beachtlich – für eine Stadt mit damals 224.200 Einwohnern, auf einem kleinen, dünn besiedelten Kontinent, weit weg von Europas und Amerikas Industriestandorten. Allein der größte, bis heute im Original erhaltene Saal des Ausstellungsgebäudes – Royal Exhibition Building – misst 7.000 Quadratmeter Fläche und 152 Meter Länge. Der Bau wurde im viktorianischen Stil errichtet, benannt nach Queen Victoria. Der Architekt Joseph Reed ließ sich von der byzantinischen und romanischen Bauweise inspirieren. Außerdem von der italienischen Renaissance. Und so soll die kolossale Kuppel an die des Doms von Florenz erinnern. Das stolze Haus in Melbourne beherbergt inzwischen große Kunstausstellungen. 2004 schaffte es es zusammen mit den umliegenden Carlton Gardens auf die Liste des UNESCO-Welterbes. Eben drum: Reinschauen lohnt sich noch heute!

Arc de Triomf (1888), Barcelona

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Zumindest von Weitem sehen viele Triumphbögen ganz hübsch und harmonisch aus. Doch spätestens bei genauerem Blick auf die Architektur oder in den Reiseführer wird meistens klar, was zur Errichtung geführt hat: militärische und andere gewalttätige Auseinandersetzungen oder politisches Machtgebaren. Ganz anders beim Arc de Triomf in Barcelona. Der rötliche Ziegelbau signalisierte den wirtschaftlichen und technischen Triumph. Denn er wurde als Haupteingangstor zur 380 Hektar großen Expo 1888 geschaffen – für die insgesamt 12.900 Aussteller und zwei Millionen Besucher aus aller Welt. Schon damals war die Stadt die zweitgrößte Spaniens – sowie die wirtschaftlich und industriell wichtigste des Landes. Zum Vergleich mit älteren Artgenossen: Der Arc de Triomf ist mit 30 Metern Höhe zwar 20 Meter niedriger als der große Bruder Arc de Triomphe (1836) in Paris. Aber er überragt immerhin das Brandenburger Tor (1791) in Berlin um 4 und das Siegestor (1850) in München um 6 Meter.

Der katalanische Architekt Josep Vilaseca i Casanovas gestaltete den Barcelona-Bogen im neu-maurischen Stil. Die Mauren waren islamisierte nordafrikanische Stämme, die ab dem Jahr 711 für ein halbes Jahrtausend die größten Teile Spaniens und Portugals beherrschten. Ihr berühmtestes Bauwerk in Spanien: die mächtige Stadtburg Alhambra im andalusischen Granada – heute die meistbesuchte Sehenswürdigkeit im ganzen Land. Außerdem stehen in Barcelona als Ex-Expo-Relikte das Gewächshaus L’Umbracle und das damalige Café-Restaurant der Weltausstellung: das Castell dels Tres Dragons (dt. „Burg der drei Drachen“), jetzt das Zoologische Museum der Stadt. Nicht zuletzt führte die Schau zu städtebaulichen Verbesserungen in ganz Barcelona. So wurde beispielsweise die elektrische Straßenbeleuchtung eingeführt, die Bebauung der Seefront abgeschlossen und die berühmte begehbare Kolumbus-Säule am Ende der Prachtpromenade La Rambla errichtet.

Eiffelturm (1889), Paris

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Sie ist zehn bis elf Mal höher als der Arc de Triomf in Barcelona – und auch vom Berühmtheitsgrad sicherlich die Königin aller Expo-Bauten: „La Tour Eiffel“. Der Eisenfachwerkturm regierte 1889 als Eingangsportal und Aussichtsturm die Weltausstellung 1889 in Paris – und noch bis 1930 als höchstes Bauwerk der Welt. Turmbauwerke waren damals schwer angesagt. Denn im Zuge neuer technischer Möglichkeiten konnte man immer höher bauen. So galt die damals exakt 300,5 Meter und heute – mit Antenne – rund 325 Meter hohe Ikone der Ingenieursbaukunst auch als antimonarchisches Symbol: Die Weltausstellung wurde ganz bewusst genau 100 Jahre nach Ausbruch der Französischen Revolution in Paris veranstaltet. Deshalb beteiligten sich von den großen Industriestaaten allein die USA und die republikanische Schweiz. Insgesamt kamen „nur“ 61.722 Aussteller aus 54 Ländern und 17 Kolonien, aber immerhin mehr als 32 Millionen Schaulustige an die Seine – Besucherrekord!

Damals zog es rund 1,9 Millionen Besucher auf den Eiffelturm, heute sind es jährlich weit mehr als 6 Millionen. Der 10.100-Tonnen-Riese, der alle sieben Jahre 60 Tonnen Farbe verschlingt, kommt im Grunde erstaunlich leicht daher: Der Schub am Erdboden entspricht dem eines Mannes, der auf einem Stuhl sitzt. Und er schwankt aufgrund seiner luftigen Architektur nur maximal sieben Zentimeter. Also, keine Angst: Der Eiffelturm sieht zwar umwerfend aus, steht aber felsenfest. Übrigens: Den grandiosesten – und noch dazu kostenlosen – Blick auf Gustave Eiffels Meisterwerk genießt man von der Aussichtsplattform gegenüber aus, zwischen den beiden Flügeln des Palais Chaillot. Und dieses war an Ort und Stelle auch zu einer Weltausstellung errichtet worden: 1937.

Art Institute (1893), Chicago

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1892 wollten auch die USA ein Jubiläum groß feiern – den 400. Jahrestag der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus. Problem: Die offizielle Eröffnungsfeier musste um ein Jahr verschoben werden, weil das Expo-Gelände nicht rechtzeitig fertig wurde – auf 278 Hektar, 81 davon waren überdacht. Mehr als 27 Millionen Besucher bestaunten Neuheiten wie den Reißverschluss, die Geschirrspülmaschine und das erste moderne Riesenrad. Die Expo 1893 hatte starken Einfluss auf die Architektur und Kunst jener Zeit. Sie prägte die Selbstwahrnehmung der Stadt, die bis zum großen Brand von 1871 noch ein eher provinzielles Image hatte.

Von den vielen Weltausstellungsgebäuden sind bis heute vier übrig geblieben: das Deutsche Haus, das Kunstgebäude als heutiges Museum of Science and Industry, das zu einem Krankenhaus umgebaute Kloster La Rábida und: das heutige Haus des Art Institute of Chicago, das mal das Expo-Kongresszentrum war. Mit 300.000 Werken aus fünf Jahrtausenden zählt das Art Institute zu den renommiertesten Kunst- und Kultursammlungen der USA – und mit 1,4 Millionen Besuchern pro Jahr zu den stärksten touristischen Besuchermagneten der Stadt. Nach Eröffnung eines neuen Flügels des italienischen Star-Architekten Renzo Piano im Jahr 2009 ist es das zweitgrößte Museum der USA. Zu den berühmtesten ausgestellten Werken zählt Edward Hoppers „Nighthawks“ (dt. „Nachschwärmer“) – eine Ikone der US-amerikanischen Malerei, die vier Menschen nachts in einer Bar zeigt. Übrigens: Zum Art Institute gehört auch eine Kunsthochschule, aus der einige berühmt gewordene Maler und Bildhauer hervorgegangen sind, etwa Jeff Koons und Claes Oldenburg. Außerdem haben dort Walt Disney und der „Playboy“-Gründer Hugh Hefner gelernt. Letzter Anatomie. Wen wundert’s?

Grand Palais (1900), Paris

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Noch einmal Paris. Auch kein Wunder, denn in Frankreichs Hauptstadt fanden insgesamt sieben von der BIE anerkannte Expos statt. Auf der fünften Pariser Schau 1900 wurde natürlich nicht nur das neue Jahrhundert begrüßt, sondern auch viele Produktinnovationen. Darunter die Rolltreppe, die Pariser Metro, der Oberleitungsbus und der Lohner-Porsche als erstes elektrisches Hybridauto. Die Weltausstellung 1900 stellte mit über 48 Millionen Besuchern einen neuen Rekord auf. Zeitgleich fanden in Paris die Olympischen Sommerspiele statt. Vergleichsweise unbeachtet, wegen der langen Dauer von sieben Monaten. Ursprünglich sollten Expo und Olympia immer parallel abgehalten werden, was 1904 in St. Louis (USA) zum letzten Mal geschah.

Die Schau 1900 hat gleich vier wundervolle Architektur-Juwelen hinterlassen. Mit 3,8 Millionen Besuchern pro Jahr am bekanntesten: der Gare d’Orsay – ein stillgelegter Bahnhof, der seit 1986 das berühmte Musée d’Orsay unter anderem mit dessen einzigartiger Impressionisten-Sammlung beheimatet. Ein unvergleichlich schönes Trio der Belle Époque bilden in einer Nachbarschaft die Ausstellungsgebäude Grand Palais und Petit Palais mit der prunkvollsten Brücke von Paris, dem Pont Alexandre III. Das 240 Meter lange, bis zu 44 Meter hohe Grand Palais bietet mehr als 72.000 Quadratmeter Nutzfläche. Das atemberaubende Glasdach ist das größte Europas und wird im Mittelschiff von 6.000 Tonnen Stahl getragen – von mehr Metall, als sogar der Eiffelturm hat. Das Grand Palais präsentiert Ausstellungen von Weltrang und wird in der Adventszeit zur größten Indoor-Eisbahn der Welt. Außerdem ist es groß in Mode: Karl Lagerfeld schickt hier zweimal im Jahr Models für Chanel über den Laufsteg – das Highlight der Pariser Modewoche.

Atomium (1958), Brüssel

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Von den Weltausstellungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist wenig Auffälliges im Original zurückgeblieben. Darum springen wir zur „Expo 58“ nach Brüssel. Auf der ersten Weltschau nach dem Zweiten Weltkrieg wurden insbesondere zwei neue Zukunftstechnologien vorgestellt: Raumfahrt und Atomkraft. Und so hatte der Ingenieur André Waterkeyn als Expo-Wahrzeichen ein Symbol für das Atomzeitalter und die friedliche Nutzung der Kernenergie entworfen: die 165-milliardenfache Vergrößerung eines Eisenmoleküls. Das 102 Meter hohe und etwa 2.400 Tonnen schwere Atomium besteht aus neun Kugeln von je 18 Meter Durchmesser – sechs davon kann man begehen. Verbunden sind die Kugeln durch 23 Meter lange und 3,3 Meter hohe Röhren, die zum Teil Rolltreppen in sich haben.

In der mittleren Röhre befindet sich ein Aufzug, der die Besucher in 23 Sekunden in die oberste Kugel mit Restaurant und Panoramablick bringt. 1958 war der Original-Lift der schnellste der Welt: Fünf Meter pro Sekunde sauste er nach oben. Die belgische Regierung verfolgte mit Brüssel als Expo-Ort noch ein Ziel: Man wollte die Infrastruktur der belgischen Metropole erheblich verbessern und ausweiten – und damit die Entscheidung über den Sitz europäischer Gremien und Behörden positiv beeinflussen. Die Investition lohnte sich: Im Ausstellungsjahr 1958 wurde Brüssel zum Sitz der EWG, der EU-Vorläuferin. Außerdem verlegte die Nato 1967 ihren Hauptsitz von Paris hierher. Das Brüsseler Wahrzeichen wurde von 2004 bis 2006 renoviert – und funkelt heute schöner denn je. Sogar bei Nieselregen. Denn unter anderem wurden die Aluminiumverkleidungen durch rostfreie Edelstahlbleche ersetzt.

Space Needle (1962), Seattle

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Der Bau vorne in der rechten Bildhälfte sieht ja spacig aus! Klingt auch so: Space Needle (dt. „Weltraumnadel”). Das 184 Meter hohe Wahrzeichen wurde in nur einem Jahr zur „Century 21 Exposition“ in Seattle errichtet, der größten Stadt im Nordwesten der USA. Der Turm war der erste mit einem drehbaren Restaurant in Nordamerika, ähnlich wie das auch beim Berliner Fernsehturm der Fall ist. Als Inspirationsquelle für das sich wirtschaftlich auszahlende Restaurant-Konzept diente aber unter anderem der Stuttgarter Fernsehturm (1956). Denn „Das Leben des Menschen im Weltraumzeitalter“ als Expo-Motto 1962 stand im Zeichen des Wettlaufs zwischen der Sowjetunion und den USA ins All. Während die Sowjets den Sputnik-Satelliten auf der Expo zeigten, präsentierten die Amerikaner die Friendship-7-Raumkapsel. Und außerdem schien den Veranstaltern ein Restaurant im Himmel ein perfektes Symbol zu sein. In 47 Minuten geht’s dort auf 300 Sitzplätzen einmal rund in luftiger Höhe.

Während der sechsmonatigen Expo besuchten etwa 2,3 Millionen der gut 9,6 Millionen Ausstellungsgäste die Space Needle. Dafür nahmen sie bis zu drei Stunden Wartezeit vor den Aufzügen in Kauf. Das 5.300 Tonnen wuchtige Stahlbeton-Fundament ist anderthalbmal so schwer wie der eigentliche Turm. Das macht ihn besonders standsicher – er soll Erdbeben bis zu einer Stärke von 9,1 auf der Richterskala und Windgeschwindigkeiten von über 322 Stundenkilometern trotzen, was der höchsten Stufe der Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala entspricht. Als weiteres Relikt der Weltausstellung steht heute auch noch die futuristische Mehrzweckhalle KeyArena. Sie bietet etwa bei Basketballspielen, Boxkämpfen und Konzerten mehr als 17.000 Zuschauern Platz. Außerdem erhalten: das Wissenschaftsmuseum Pacific Science Center – von Minoru Yamasaki entworfen, dem Architekten des alten World Trade Center in New York. Und das Seattle Center Monorail, eine Einschienenbahn, die das Messegelände nach wie vor mit dem Stadtzentrum verbindet.

Habitat 67, Montreal

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Da staunt man weitere Bauklötze. Was soll man denn mit den 354 aufeinandergestapelten Quadern im kanadischen Montreal anfangen? Drin wohnen! Und das machen seit der Expo 67 bis zu 700 Menschen gleichzeitig. „Brutalismus“ nennt man den Architekturstil mitunter. Das soll aber keineswegs etwas Gewalttätiges vermuten lassen, sondern: Der Fachbegriff leitet sich von „béton brut“ („roher Beton“) ab, dem französischen Wort für Sichtbeton. Das Habitat 67 in vielen Zahlen: Es hat 158 Wohneinheiten, bestehend aus bis zu acht Kuben. Alle Quader sind exakt gleich groß – 5 x 11 x 3 Meter – und wiegen jeweils 85 Tonnen. Die kleinsten Wohnungen bieten 54 Quadratmeter, die größten etwa zehnmal mehr. Die Terrassen sind zwischen 20 und 90 Quadratmeter groß. Der Komplex aus 5.000 Tonnen Stahl und 96.000 Tonnen Beton wurde von dem israelischen Architekten Moshe Safdie errichtet. Erst waren 1.350 Quader – also fast 1.000 mehr – geplant. Doch anfangs waren die Reaktionen in der Bevölkerung ziemlich kritisch. Das kehrte sich ins Gegenteil um. Vor allem, nachdem die Siedlung modernisiert wurde. Außerdem ist deren Lage direkt am Sankt-Lorenz-Strom für viele unwiderstehlich. Apropos „Lage“: Das Expo-Motto lautete: „Der Mensch und seine Welt“. Als Leitgedanke galt nach wie vor, dass der Mensch die Natur beherrschen könne. Deshalb wurde das Expo-Gelände auch auf einer Halbinsel und zwei Inseln errichtet. Mit 50,3 Millionen Besuchern und 365 Hektar Ausstellungsfläche war diese Expo die größte auf dem amerikanischen Kontinent. Und sie stellte mit 60 Nationen einen neuen Teilnehmerrekord auf. Übrig geblieben sind außer dem Habitat 67 auch der ehemalige US-Pavillon: Die Biosphère ist ein 62 Meter hoher Kugelbau aus Stahl und Acryl – heute ein Wasser- und Umweltmuseum.

Alamillo-Brücke (1992), Sevilla

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Das Wahrzeichen der Expo 1992 in Sevilla war das Kloster Santa María des las Cuevas – auch „La Cartuja“ (dt. „Das Kartäuserkloster“) genannt. Aber das ehemals kirchliche Gebäude war schon im Jahr 1400 gegründet worden. Der Grund für seine späte neue Karriere: In ihm hatten seinerzeit Kolumbus und später auch dessen sterbliche Überreste für eine Zeit Aufnahme gefunden – und 1992 feierte man nun mal das 500. Jubiläum der Entdeckung Amerikas. Doch die Megaschau zog auch viele Infrastruktur-Neuheiten in Andalusiens Hauptstadt mit sich: etwa die Autobahn und die Zugschnellfahrstrecke Madrid–Sevilla, ein neuer Hauptbahnhof, Teile des Flughafens und: sechs Brücken über den Fluss Guadalquivir. Die eleganteste ist die 250 Meter lange und 142 Meter hohe Puente del Alamillo des spanischen Architekten Santiago Calatrava.

1992 war das Konstrukt in Form einer Harfe die erste Schrägseilbrücke der Welt, die keine Rückverankerung besitzt. Die Alamillo-Brücke verbindet die Altstadtseite Sevillas mit der Halbinsel „Isla de la Cartuja“, auf der 1992 die 168 Hektar große Expo stattfand. Die meisten Pavillons sind zwar abgebaut, doch wurde ein Teil des Geländes in einen Technologiepark umgewandelt: „Cartuja 93“. Von dort aus hinter dem Kloster am Flussufer findet man den Pabellón de la Navegación (dt. „Pavillon der Schifffahrt“). Der heute noch immer topmodern wirkende Ex-Expo-Bau birgt seit 2012 eine imposante Seefahrtsausstellung – durch die interaktive Konzeption auch für Kinder interessant. Außerdem lohnt ein Blick vom benachbarten und ebenso zur Expo gebauten Aussichtsturm „Torre Schindler“ auf Sevillas wunderschönes historisches Zentrum. Aber vorher sollte man wissen: Die Entfernungen über die Alamillo-Brücke sind ein längerer Umweg. Nehmen Sie lieber den Bus oder ein, zwei Brücken südlicher. Dennoch lockte die Expo damals 108 Teilnehmerländer und 18,5 Millionen Besucher über den Fluss. Das übertraf die Erwartungen weit.

Oceanário (1998), Lissabon

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Die erste Weltausstellung in Portugal stand unter dem Motto: „Die Ozeane: Ein Erbe mit Zukunft“. Die Hauptattraktion war der Ozean-Pavillon – heute das Ozeaneum von Lissabon, eines der größten Aquarien der Welt. Dort tummeln sich neben Fischen auch Vögel, Säugetiere und andere Wasserbewohner – in vier nachgebauten Landschaften und Meeresarealen: Atlantik, Pazifik, Indischer Ozean und Südpolarmeer. Das Gebäude von dem US-amerikanischen Architekten Peter Chermayeff umschließt über zwei Etagen das riesige Hauptbecken mit überwältigend vielen Fischen wie Haien, Hechten und Rochen. Für das gut 40 Hektar große Expo-Gelände wurde eine heruntergekommene Industriebrache am Hafen gewaltig aufgepeppt. Bis heute sind hier Portugals Perlen der modernen Architektur wie an einer Kette aufgereiht. Das war von Anfang an so geplant: Die portugiesische Regierung legte besonderen Wert darauf, dass fast alle Bauten und Anlagen der Expo auch nach dieser genutzt werden können. Jedes Gebäude war darum schon vor der Weltausstellung für die Nachnutzung verkauft. Zum gigantischen Urbanisierungsprojekt anlässlich der Weltausstellung zählten auch die Ponte Vasco da Gama, mit rund 17,2 Kilometern die längste Brücke Europas, sowie der Vasco-da-Gama-Aussichtsturm, mit 145 Metern das höchste Gebäude Portugals. Beide Bauten wurden also nach dem portugiesischen Seefahrer benannt, der 500 Jahre zuvor den Schiffsweg nach Indien entdeckt hatte. Rund elf Millionen Besucher und Aussteller aus 143 Ländern kamen zur Expo. Nach dieser schloss das Ausstellungsgelände – und machte schon nach 15 Tagen wieder auf: als bis heute sehr beliebter Parque das Nações (dt. „Park der Nationen“).

Expo-Dach (2000), Hannover

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Die Expo 2000 ist bisher die einzige offiziell anerkannte Weltausstellung in Deutschland. Das Motto war: „Mensch, Natur und Technik – Eine neue Welt entsteht“. Man wollte eine Expo neuen Typs präsentieren: Modelle für das Zusammenleben von mehr als sechs Milliarden Menschen, auch im Gleichgewicht mit ihrer Umwelt. Deshalb wurden nur 30 Prozent des Ausstellungsgeländes neu erschlossen und bebaut. Die Pavillons und andere Bauten sollten nach der Weltausstellung hier oder anderswo weiter genutzt oder aber recycelt werden. Das klappte leider nur zum Teil. Manche Bauten blieben – und verwahrlosten. Aber zum Beispiel schweben die Kabinen der beliebten Expo-Gondelbahn heute durch die Kitzbüheler Alpen und den Schwarzwald. Der irische Pavillon wurde zum Eingangsgebäude der Universität Dublin. Der mexikanische Pavillon dient jetzt als Bibliothek der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Um nur einige geglückte Expo-Exporte zu nennen.

Und: Der immer noch wie neu aussehende Deutsche Pavillon steht noch am Original-Schauplatz und wird an IT- und Medienunternehmen vermietet. Im Expo-Wal, dem ehemaligen „Pavillon der Hoffnung“, feiert man Gottesdienste. Außerdem ist das größte Holzdach der Welt geblieben: als Eingang zum größten Messegelände der Welt. Das 25 Meter hohe Expo-Dach vom Architekturbüro Herzog und Partner überspannt eine Fläche von rund 16.000 Quadratmetern – so viel wie rund anderthalb Fußballfelder. Die Konstruktion, unter der auch Veranstaltungen stattfinden, steht auf 16 Meter langen Stämmen von 150 bis 300 Jahre alten Weißtannen aus dem Schwarzwald. Kosten: mehr als 25 Millionen Mark. Apropos „Kosten“: Die Expo 2000 machte zwar 1,1 Milliarden Mark Miese – aber immerhin gut 18 Millionen Besucher ließen sich die Schaulust offenbar nicht vermiesen. 155 Länder stellten in Hannover aus. Und zum ersten Mal in der Expo-Geschichte gab es parallel dazu an vielen weiteren Orten der Erde Expo-Projekte: 487 in 123 Ländern. Das hat die Kategorie „Welt-Ausstellung“ doch wahrhaftig verdient, oder?