Krimi, Herzschmerz, Abenteuer. Sich einfach wegträumen – mit einem guten Buch. Doch wie kommt man an den Lesestoff? Beste Möglichkeit, um während der Quarantäne viel und sicher lesen zu können, ist die digitale Leihe, zum Beispiel über die Stadtbibliothek. Der Zugang für Erwachsene ist günstig, für Kinder sogar meist kostenlos. Die elektronische Ausleihe funktioniert aus der Ferne, sicher und bequem. Coronabedingt wurde die Online-Registrierung in vielen Bibliotheken vereinfacht. Zugang zum virtuellen Regal bieten gleich mehrere Plattformen und Apps, je nach Angebot der Bibliothek. Ein kurzer Blick zeigt: Dort stehen auch immer mehr fremdsprachige Bücher bereit. Wer will, lernt und liest also in einem Rutsch.

Viele Bibliotheken bieten mittlerweile auch online Ausleihe an

Knapp 10.000 öffentliche Büchereien existieren nach der aktuellen Bibliotheksstatistik bundesweit. Ob die Bibliothek in der Nähe ein digitales Angebot hat, lässt sich online auf der Seite der Medienplattform „Netzwerk Bibliothek“ recherchieren: netzwerk-bibliothek.de. „Leider sind unsere Angebote vielen immer noch nicht bekannt“, sagt Barbara Schleihagen, Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Bibliotheksverbands in Berlin. Doch das ändert sich gerade. 115 Millionen Euro Budget stehen den öffentlichen Bibliotheken jährlich für Neuerwerbungen zur Verfügung, etwa ein Zehntel wird für digitale Medien ausgegeben. 

Die Pandemie sorgt für einen Nachfrage-Schub bei der digitalen Ausleihe

Corona gab den digitalen Ausleihen einen regelrechten Schub. Die Bibliotheken sind dafür gut gerüstet. Denn es hat sich viel getan in der Bücherei aus Kindertagen: Neben Millionen deutschsprachiger Titel kann man inzwischen viele ausländische Medien ausleihen, vor allem auf Englisch. Neben E-Books werden auch Hörbücher – für Kinder und Erwachsene – sowie internationale Zeitungen und Zeitschriften zum Herunterladen angeboten. In der Leihe wurde mittlerweile elektronisch aufgerüstet. Schleihagen: „Elektronische Medien waren der Renner, als die Bibliotheken im Lockdown schließen mussten. Die digitalen Ausleihen haben sich glatt verdoppelt.“ Da zeigt die Digitalisierung ihre Vorteile: Man spart sich Zeit und Wege, zudem hat die Online-Bibliothek Tag und Nacht geöffnet, sogar am Wochenende.

Vorteile beim Online-Lesen der Bücher: Automatische Rückgabe, keine Säumnisgebühren

Bücher auswählen und ausleihen geht jeweils mit ein paar Klicks. Am eigenen PC, Tablet, E-Book-Reader oder auf dem Mobiltelefon kann man sie dann lesen – oder anhören. Die Rückgabe erfolgt automatisch, sobald die Leihfrist abgelaufen ist. Das ist praktisch, so entstehen keine Säumnisgebühren und der Titel steht ohne Verzögerung gleich für den Nächsten bereit. Auch verlängern lässt sich schnell, vorausgesetzt das gewünschte Medium wurde zwischenzeitlich nicht von jemand anderem reserviert. Hintergrund: Die Bibliotheken verfügen nur über eine begrenzte Anzahl von Lizenzen für jedes E-Book. Darum kann man sich in einer Warteliste vormerken lassen. Die Leihfrist (in der Regel 14 bis 21 Tage) legen die Bibliotheken selbst fest, je nach Budget wählen sie aus dem Sortiment der Online-Titel aus. Der eigene Lesevorrat lässt sich leicht bestücken, zum Zugriff gibt es verschiedene Wege.

Onleihe: Das System wird von einem Drittel der Bibliotheken genutzt

Mit dem System „Onleihe“ haben zahlreiche Bibliotheken schon vor Jahren eine digitale Filiale im Internet eröffnet. Der Ausdruck „Onleihe“ ist zusammengesetzt aus „Online“ und „Ausleihe. Etwa ein Drittel der Bibliotheken im Bundesgebiet – darunter auch etliche Verbünde – macht mit. 2019 zählten alle Onleihen zusammen 37 Millionen Entleihungen (2018: 32 Millionen). Jedes der derzeit 5,2 Millionen Medienexemplare im Gesamtbestand wurde in diesem Jahr durchschnittlich jeweils sechsmal ausgeliehen.

Wie funktioniert die Ausleihe von elektronischen Büchern mit Onleihe?

Man authentifiziert sich auf der Homepage seiner Bücherei mit seinem Bibliotheksausweis und kann danach im digitalen Katalog nach Medien suchen und diese elektronisch entleihen. Hilfestellung für die Nutzung des Angebots gibt es auf der Seite des digitalen Medienportals deutschsprachiger Bibliotheken: hilfe.onleihe.de. Dort lässt sich auch nach Bibliotheken suchen, die Onleihe anbieten. Und auf Youtube befindet sich ein Erklärvideo, das bei den ersten Schritten hilft: youtube.com.

Alternativen: Lesen mit Overdrive und Libby

Parallel haben viele Stadtbibliotheken einen weiteren Anbieter ins Programm genommen: den amerikanischen Dienstleister Overdrive. Er hat zwei Apps am Start, die ungefähr das Gleiche können: die klassische App „Overdrive“ und die neue Anwendung „Libby“, die besonders gut mit Smartphone und Tablet funktioniert. Mit beiden kann man englischsprachige E-Books und Hörbücher ausleihen und ebenfalls mittels Bibliotheksausweis auf ein elektronisches Gerät übertragen und für die Dauer der Leihfrist offline nutzen.

Für iOS und Android 

Overdrive

Libby

Jede Bibliothek stellt ihre eigene Sammlung zusammen. Wer bei einem bestimmten Buch nicht fündig geworden ist, kann den Titel zum Kauf vorschlagen. Vielleicht hat man Glück und er wird ins Sortiment der Bibliothek aufgenommen. Ist eine Vormerkung zur Ausleihe bereit, erfolgt eine Benachrichtigung per E-Mail. Lesezeichen und zuletzt gelesene Passagen lassen sich auf verschiedenen Mobilgeräten synchronisieren. Kein Problem, wenn man mal ein Wort nicht weiß. Unbekanntes wird mit einem Fingertipp auf dem Bildschirm markiert, daraufhin erscheint die Definition im Pop-up-Fenster. Wer sich für eine dieser Apps entscheidet, muss sich also noch eine onlinefähige Stadtbücherei am Wohnort suchen und sich mit dem Bibliotheksausweis anmelden. Der App-Anbieter Overdrive bietet auf seiner Website einen Überblick, wie man konkret E-Books ausleiht, liest und zurückgibt, Hörbücher anhört und die App zur Verbindung mit der Bibliothek verwaltet: overdrive-hilfe.de