Das Wichtigste in Kürze

  • Die Digitale Rentenübersicht ist ein kostenloses Angebot der Deutschen Rentenversicherung Bund.
  • Die Digitale Rentenübersicht zeigt Beschäftigten ihre persönlichen Ansprüche und Anwartschaften aus allen möglichen Altersvorsorgeprodukten – und natürlich auch den Stand bei der gesetzlichen Rente.
  • Für die Anmeldung benötigt man den Personalausweis mit aktiviertem Chip, ein NFC-fähiges Smartphone und die steuerliche Identifikationsnummer.

Nach weniger als zehn Minuten genauer Bescheid wissen über die eigene Altersvorsorge? Über alle möglichen Ansprüche bei allen möglichen Anbietern, gesetzliche Rentenkasse inklusive? Lässt sich machen!

Denn genau dafür gibt es inzwischen die offizielle – und natürlich kostenlose – Digitale Rentenübersicht bei der Deutschen Rentenversicherung Bund. Dieses Portal liefert nach wenigen Klicks verlässliche Infos über den Stand der Dinge. So rasant funktioniert die Sache allerdings nur, wenn man sich mit dem digitalen Personalausweis schon auskennt.

Für die Digitale Rentenübersicht benötigt man Personalausweis und Steuer-ID

Wer sich bisher noch nie um seinen Online-Ausweis (kurz „eID“) gekümmert hat, benötigt beim ersten Mal etwas länger. Denn dann muss man zunächst die amtliche „AusweisApp“ installieren und aktivieren. Wie das geht, wird auf AusweisApp.bund.de ausführlich erklärt. Natürlich muss dafür auch die Online-Funktion im Ausweis-Chip aktiviert sein, das ist aber bei allen ab 2017 ausgestellten Personalausweisen standardmäßig der Fall.

Für schon eID-Erfahrene gilt: 

  • Im Web die Seite rentenuebersicht.de ansteuern,
  • auf „Anmelden“ klicken,
  • die ID-Check-Option wählen,  
  • das Endgerät wählen,
  • den Personalausweis ans NFC-Feld des Smartphones halten und schließlich noch die gewählte PIN eingeben. 

Alles Weitere ist selbsterklärend. Nur bei der ersten Nutzung der Digitalen Rentenübersicht muss man zudem die steuerliche Identifikationsnummer (Steuer-ID) eintragen, weil über diese die Ansprüche zugeordnet werden.

Nützliches Wissen

Alle Ansprüche und Anwartschaften auf einen Blick – das liefert die Digitale Rentenübersicht sekundenschnell

Dann dauert es normalerweise nur noch ein paar Sekunden, bis man das persönliche Ergebnis in Euro und Cent vor Augen hat: gesetzliches Rentenkonto, Anwartschaften der betrieblichen Altersversorgung, Riester- oder Rürup-Renten – und zum Beispiel auch private Kapitallebensversicherungen. Denn praktisch alle Anbieter von Altersvorsorge-Produkten sind (oder werden) an die Digitale Rentenübersicht angebunden, rund 700 sind derzeit schon dabei. Nicht angeschlossen sind allerdings die Beamtenversorgung, die Alterssicherung der Landwirte sowie die berufsständische Versorgung.

Bei den einzelnen Posten finden sich außerdem meistens Informationen der jeweiligen Vorsorgeeinrichtung darüber, ob die Auszahlung im Alter steuer- und/oder sozialabgabenpflichtig sein wird. Der gesamte persönliche Überblick kann einfach abgespeichert werden.

Die Digitale Rentenübersicht soll bald auch einen Inflationsrechner bieten

„Insbesondere bei häufigen Arbeitgeberwechseln ist schnell der Überblick verloren, ob und welche Ansprüche gegenüber den früheren Arbeitgebern bestehen“, erklärt die Deutsche Rentenversicherung Bund. „Die Digitale Rentenübersicht zeigt, ob und in welcher Höhe ein Anspruch besteht und wer der richtige Ansprechpartner ist.“

Voraussichtlich im Herbst soll das Portal im geschützten Bereich außerdem einen Inflationsrechner bieten. „Die übermittelten ,prognostiziert erreichbaren‘ Werte werden dann optional in einer separaten Ansicht inflationsbereinigt abgebildet“, heißt es. Dabei sollen die Nutzenden auch individuelle Einstellungen wählen können.

Übrigens: Oft weist das persönliche Rentenkonto aktuell noch weniger aus, als möglich und richtig wäre – zum Beispiel, weil Kindererziehungszeiten fehlen. Das lässt sich einfach bereinigen: mit der sogenannten Kontenklärung.

Ausführliche Infos vor allem auch zu den technischen Punkten bietet die Broschüre „Die Digitale Rentenübersicht“ der Deutschen Rentenversicherung Bund.

„Faustregel: 5 bis 10 Prozent vom Netto fürs Alter sparen!“

Das neue Angebot verschafft rasch und kostenlos einen soliden Überblick – so weit, so gut. Aber damit hilft die Digitale Rentenübersicht noch nicht wirklich weiter, meint Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge, Banken, Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Denn: „Fehlende Transparenz ist ja eigentlich nicht das Problem bei der deutschen Altersvorsorge“, sagt Nauhauser. „Das Problem ist: Wie bekommen die Menschen mehr Rendite für ihr angelegtes Geld?“

Die Digitale Rentenübersicht bietet aus Sicht des Experten derzeit keinen echten Info-Mehrwert, denn: „Es geht um prognostizierte Beträge, deren Einordnung fehlt.“ Im Lauf des oft langen Berufslebens ändern sich der Verdienst, der Rentenwert – und nicht zuletzt die Preise: Gerade Jüngere sollten daher die angezeigten Beträge als Schätzung verstehen, sagt Nauhauser.

Sein praktischer Tipp: „5 bis 10 Prozent vom Netto fürs Alter zurücklegen!“ Das lasse sich zum Beispiel auch durch das Abzahlen eines Eigenheims erledigen. Langfristig am rentabelsten sei das Sparen per ETF auf einen breit streuenden Aktienindex. Hier gibt es weitere Infos zum Umgang mit der Rentenlücke.

Thomas Hofinger
Chef vom Dienst aktiv

Thomas Hofinger schreibt über Wirtschafts-, Sozial- und Tarifpolitik – und betreut die Ratgeber rund ums Geld. Nach einer Banklehre sowie dem Studium der VWL und der Geschichte machte er sein Volontariat bei einer großen Tageszeitung. Es folgten einige Berufsjahre als Redakteur und eine lange Elternzeit. 2006 heuerte Hofinger bei Deutschlands größter Wirtschaftszeitung aktiv an. In seiner Freizeit spielt er Schach und liest, gerne auch Comics.

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