Faszination in Chrom und Stahl: Autos lassen die Herzen von vielen Deutschen höherschlagen. Doch der PS-Rausch allein ist nicht der ausschlaggebende Punkt. Sondern echte Autofans wollen auch alles über die Geschichte und Technik erfahren. Über 200 Automuseen und öffentlich zugängliche Sammlungen gibt es in Deutschland. Wir zeigen Ihnen die zwölf interessantesten Ausstellungen, in denen nicht nur Autofreaks glänzende Augen bekommen.

 

Auto- und Technikmuseum Sinsheim und Technikmuseum Speyer

Foto: Museum

Dieses Museums-Duo in der Nähe von Heidelberg hat viel unter der Haube. Oldtimer, Sportwagen und Europas größte Formel-1-Austellung, Nutzfahrzeuge und Motoren. All das gibt es auf über 50.000 Quadratmetern in der umfassendsten Autoausstellung Deutschlands in Sinsheim zu bestaunen. Über 300 Oldtimer aus allen Epochen zeugen von der langen Historie der Automobilgeschichte – angefangen mit dem Mors Kettenwagen aus dem Jahr 1898 (immerhin 4 PS) über das erstmals am Fließband produzierte Ford Modell T bis in die Neuzeit mit den Luxusschlitten von Mercedes-Benz und Rolls-Royce. Die Autos, die das Straßenbild der Welt geprägt haben, findet man allesamt hier an einem Platz. Neu ist die Ausstellung „American Dream Cars“.

Trocken ist die Wissensvermittlung dabei nie. Und wer sich die Wunder der Technik in Aktion anschauen will, der ist im angeschlossenen IMAX 3D Filmtheater genau richtig. Das Museum ist mit dem Technik-Museum Speyer verbunden, das nur etwa 30 Autominuten entfernt liegt. Auch hier ist eine Vielzahl von Oldtimern zu bestaunen, darunter der Maybach Zeppelin (1921), der Urvater aller Luxuslimousinen.

Weitere Infos: sinsheim.technik-museum.de und speyer.technik-museum.de

Zeithaus, Wolfsburg

Foto: VW

Die Meilensteine der Automobilität findet man im Zeithaus der Autostadt Wolfsburg an einem Ort gebündelt. Das Museum vermittelt so einen Gesamtüberblick über die Automobilgeschichte – und nicht nur über einzelne Marken. Sämtliche Autos und Motorräder, die einst Maßstäbe setzten und anderen als Vorbild dienten, sind hier versammelt – von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis heute. Zu Bestaunen gibt es mehr als 260 Fahrzeuge von 60 verschiedenen Marken. Highlights sind der Nachbau des Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 von 1886 und der extrem seltene Bugatti Atlantic, von dem weltweit nur zwei Exemplare existieren. An sogenannten Experimentierstationen kann man zum Beispiel selbst im Windkanal Spoilerneigungen ausprobieren.

Weitere Infos: autostadt.de

Automuseum Prototyp, Hamburg

Foto: Automuseum PROTOTYP

In der Hamburger Hafencity wartet eine großartige private Sammlung, die in die Themenfelder „Personen“, „Kraft“ und „Wagen“ eingeteilt ist. Der Schwerpunkt liegt eindeutig bei Sport- und Rennwagen der deutschen Nachkriegszeit. Die Idee hinter der Ausstellung: den beeindruckenden historischen Fahrzeugen ebenso viel Bedeutung und Raum geben wie den Menschen, die mit ihrer Leidenschaft den Motorsport groß gemacht haben.

Autofans sehen hier neben Design-Ikonen auch Technikvorreiter, Einzelstücke und Prototypen oder Boliden, die Rennsportgeschichte schrieben – besonders aus den 40er-, 50er- und 60er-Jahren. Aber auch die ersten Boliden der deutschen Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher und Sebastian Vettel stehen hier. Mit seinen rund 50 Exponaten ist dies nicht die größte Pilgerstätte für Autofans, aber hier bekommt auch der Mensch seinen Platz in der Automobilgeschichte. Und genau das macht das Museum auch für viele Techniklaien interessant. In diesem Jahr feiert die Sammlung zehnjähriges Bestehen.

Weitere Infos: prototyp-hamburg.de

August-Horch-Museum Zwickau

Foto: Museum (Batha)

Autogeschichte in Westsachsen ist das zentrale Thema des 2004 eröffneten Museums in Zwickau. Auf einer Ausstellungsfläche von 6.500 Quadratmetern werden 160 Exponate der historischen Marken Audi, DKW, Horch (u. a. der Horch P240, der letzte Horch, der gebaut wurde) und Wanderer gezeigt. Auch die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs und der schwierige Neuanfang in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR werden thematisiert.

Natürlich hat auch der legendäre Trabbi hier seinen Platz: Die gesamte Geschichte der Marke Trabant wird nachgezeichnet – vom ersten Prototyp P50 (1954) bis zum Trabant 1.1 von 1990 mit Viertaktmotor. Die Exponate sind in den Kontext der jeweiligen Epoche eingebettet, das heißt: Es werden beispielsweise komplette Straßenszenen – etwa mit Geschäften – aus den einzelnen Jahrzehnten dargestellt. Außerdem gibt es neuerdings auch einen Überblick über den Rennsport der 1930er Jahre und die VW-Produktion am Standort Zwickau nach 1990.

Weitere Infos:  horch-museum.de

Stiftung Museum Autovision, Altlußheim

Foto: Museum

Privat geführte Autosammlung des Elektronikunternehmers Horst Schultz aus dem Rhein-Neckar-Kreis, der den Schwerpunkt vor allem auf die Antriebsarten der Automobile legt. So hat das private Museum die weltweit erste ständige Ausstellung zu Wankel-Motoren und eine der größten Sammlungen der Autofirma NSU. Besucher finden aber auch originalgetreue Nachbauten des ersten Laufrads des Freiherrn von Drais oder des Rekordelektroautos La Jamais Contente von Camille Jenatzy von 1899 vor.

Der Einblick in die Technik geht tief, gezeigt werden Metallmodelle, mit denen Autobestandteile wie Motor, Differenzial und Automatikschaltung nachvollzogen werden können. Neben der Wankel-Ausstellung präsentiert das Museum weitere alternative Antriebe wie Elektromotoren, Brennstoffzelle, Flüssiggas, Wasserstoff und Hybridmotoren. Auch alternative Motorkonzepte werden ausführlich und anschaulich erläutert.

Weitere Infos:  museum-autovision.de

Automuseum Volkswagen, Wolfsburg

Foto: VW

Das Wolfsburger Museum widmet sich nicht nur allen Produkten der Marke VW, sondern auch ihren Prototypen und Unikaten. Hierzu gehören neben Filmstar Herbie („Ein toller Käfer“) der erste Prototyp des Golfs, ein VW Käfer komplett aus Holz und der sogenannte Wasser-Golf, der dank hydraulischer Pontons schwimmen kann. Über 130 Fahrzeuge können VW-Fans hier bestaunen, darunter auch legendäre Modelle wie den Karmann-Ghia als Traumwagen der 50er und 60er, den Rometsch und den legendären VW-Sambabus. Wie verbreitet die Automobile des Konzerns sind, will das Museum auch anhand der millionsten Modelle zeigen. So sind vor Ort der millionste Transporter und der millionste Volkswagen aus dem Jahr 1955 in Goldmetallic-Lackierung zu sehen.

Weitere Infos:  automuseum.volkswagen.de

BMW-Museum, München

Foto: BMW

Topmodern präsentiert sich das Museum des bayrischen Autoherstellers. Die Geschichte der Firma BMW wird nicht nur anhand von Fahrzeugexponaten, sondern auch von Motoren, Turbinen, Flugzeugen und Motorrädern erzählt. Daneben wird durch futuristische und extravagante Studien Autogeschichte zu einer Art moderner Kunst – ein Eindruck, der auch durch die extrem ruhige Atmosphäre und die indirekte Beleuchtung im Museum verstärkt wird.

Besonders beeindruckend: der Silberregen aus 714 scheinbar schwerelosen Kugeln, die wie von Geisterhand hüpfen und plötzlich die Umrisse eines Autos formen. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Technik. Insgesamt werden 26 Hauptthemen in sieben Ausstellungshäusern behandelt, die über einen Rundgang verbunden sind. Im „Haus der Baureihe“ lassen sich zum Beispiel sehr schön die einzelnen Entwicklungsstufen der beliebtesten BMW-Modelle nachvollziehen.

Weitere Infos: bmw-welt.com

Mercedes-Benz-Museum, Stuttgart

Foto: Daimler

Ein Marken-Museum mit ganz besonderer Architektur: Von der obersten Ebene des Museums führen zwei Wege in weiten Kurven durch die umfangreiche Sammlung: Der sogenannte Mythosrundgang folgt chronologisch der Geschichte der Marke von der Erfindung des Automobils bis heute. Auf dem zweiten Rundgang „Collection“ setzen Sammlungssäle zeitübergreifende Schwerpunkte. Zu sehen sind auf den 16.500 Quadratmetern unter anderem die legendären Silberpfeile, das Fahrzeug von Kaiser Wilhelm II. sowie ein Nachbau des Omnibusses für die Deutsche Fußballnationalmannschaft für die WM 1974.

Auch die 100-jährige Nutzfahrzeuggeschichte des Unternehmens wird präsentiert. Technikfans können auch ganz normale Linienbusse, den berühmten „Tausendfüßler“ Schwerlastwagen LP 333, das Feuerwehrfahrzeug LF 3500 mit Drehleiter oder das Papamobil von Papst Johannes Paul II. bestaunen. Eine Sonderrolle kommt der „Faszination Technik“ zu, in der der Arbeitsalltag der Daimler-Entwickler und -Ingenieure dargestellt wird.

Weitere Infos: mercedes-benz-classic.com

Porsche-Museum, Stuttgart

Foto: Porsche

Am Stammsitz der Porsche AG in Stuttgart-Zuffenhausen hat das Unternehmen sein Museum errichtet, das auf 5.600 Quadratmetern die Geschichte von der ersten Porsche-Konstruktion bis heute umfasst. Der von Ferdinand Porsche konstruierte und gebaute „P1“ aus dem Jahr 1898 findet dort ebenso seinen Platz wie der elektrische Radnabenantrieb des Lohner-Porsche und die sogenannte „Nummer 1“ – der erste Prototyp des Porsche 356 aus dem Jahr 1948.

Den fürs Unternehmen wichtigen Themen Leichtbau, cleveren Techniklösungen wie dem Porsche-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) und starken Motoren sind gesonderte Bereiche in der Ausstellung gewidmet. Neben den Meilensteinen werden aber auch Fragen beantwortet, wie heute ein Porsche entsteht und wo die zukünftige Entwicklung der Marke hingeht.

Weitere Infos: porsche.com/museum

Mazda Oldtimer-Museum, Augsburg

Foto: dpa

Im Mai 2017 wurde das neue Mazda-Oldtimermuseum vom Autohändler Frey in Augsburg eröffnet. Es zeigt die größte Sammlung historischer Mazda-Fahrzeuge außerhalb Japans und gibt einen Einblick in die bewegte Geschichte der Marke aus dem Land der aufgehenden Sonne. Auf 1.500 Quadratmeter finden Besucher in einem ehemaligen Straßenbahndepot Klassiker wie den 323, den 626 und allen voran den MX-5. Seit mehr als 30 Jahren ist Walter Frey passionierter Sammler der japanischen Marke. Sein Mazda Cosmo Sport ist ein Prunkstück unter den ausgestellten Fahrzeugen. Insgesamt können 120 Fahrzeuge bestaunt werden.

Weitere Infos: mazda-classic-frey.de

Toyota Collection, Köln

Und noch ein Museum für Fans japanischer Automobil-Schmieden. Am 23. November 2017 wurde auf dem Gelände der Toyota Deutschland GmbH in Köln-Marsdorf die neue „Toyota Collection“ eröffnet. Sie zeigt die umfassende Sammlung des Toyota-Händlers Peter Pichert, der lange Zeit in Hartkirchen bei Passau das größte private Toyota-Museum außerhalb Japans betrieb. Pichert starb 2016, die Toyota Deutschland GmbH einigte sich mit der Familie auf eine Übernahme der Fahrzeuge und präsentiert die Highlights in der „Toyota Collection“ in einer alten Tennishalle. Zu Bestaunen sind Ikonen wie der Geländewagenklassiker Toyota Land Cruiser und der Toyota 2000 GT, der erste japanische Supersportwagen, aber auch Kuriositäten wie der zu einem Elvis-Mobil umgebaute Celica Liftback GT.

Weitere Infos:toyota-collection.de

Deutsches Polizeioldtimermuseum Marburg

Foto: Hydro

Auch für die Polizei ist das Auto unverzichtbar. Der Verein Polizei-Motorsportclub Marburg zeigt in seinem Museum, was die Ordnungshüter der Bundesrepublik in den vergangenen Jahrzehnten unter der Haube hatten. Es ist die umfangreichste Sammlung dieser Art in Deutschland. Unter den 80 Exponaten ist ein Opel Rekord P1 aus den 50er-Jahren. Daneben kann man Polizeimotorräder, gepanzerte Sonderwagen, Wasserwerfer und schwere Fahrzeuge aus dem Polizeidienst bestaunen. Auch ein Schwimmwagen gehört zu den Ausstellungsstücken.

Infotafeln und Fotos geben dem Besucher Einblicke in die Motorisierung der deutschen Polizei seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Fahrzeuge aus den Beständen des Museums werden auch für Fernseh- und Filmaufnahmen zur Verfügung gestellt. Einige waren zum Beispiel im Kinofilm „Der Baader Meinhof Komplex“ zu sehen.

Weitere Infos: polizeioldtimer.de