Wie viele Schlösser und Burgen es in Deutschland gibt, weiß niemand so genau. Schätzungen des Vereins Deutsche Burgenvereinigung gehen von mehr als 25.000 solcher Gebäude aus. Etliche davon lassen sich von innen besichtigen und lohnen sich sogar für einen Kurzurlaub. aktiv möchte die Qual der Wahl ein bisschen lindern. Im Folgenden stellen wir Ihnen 20 Highlights vor, die von Reiseexperten besonders empfohlen werden – darunter alle deutschen Schlösser und Burgen, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen.

Burg Hohenzollern, Bisingen

Etwa 60 Kilometer von Stuttgart entfernt thront die Burg Hohenzollern in 855 Meter Höhe auf einem Gipfel des Berges Hohenzollern. Lange Zeit war sie Sitz der gleichnamigen preußischen Hochadelsfamilie, weshalb auch in ihrer Schatzkammer die Krone Kaiser Wilhelms II. zu sehen ist. Die heutige Burg wurde erst im 19. Jahrhundert gebaut, doch die erste auf dem Gelände wurde schon 1267 erwähnt. Mit ihren vielen Türmen und spitzen Dächern gleicht sie einer Burg aus dem Märchen. Außerdem lockt sie mit vielen verschiedenen Veranstaltungen wie dem Open-Air-Theater im Sommer, bei dem traditionell einmal im Jahr ein Theaterstück von William Shakespeare im Burghof aufgeführt wird.

Löwenburg und Schloss Wilhelmshöhe, Kassel

Die Löwenburg und Schloss Wilhelmshöhe sind Teil des Bergparks Wilhelmshöhe in Kassel, den das Welterbekomitee 2013 als Unesco-Welterbe anerkannt hat. Die etwa 560 Hektar große barocke Anlage erstreckt sich von Kassels berühmten Wahrzeichen, der 70 Meter hohen Herkules-Statue, über die 350 Meter langen Kaskaden. Der Bergpark entstand im 17. Jahrhundert unter Landgraf Carl und wurde im späten 18. Jahrhundert um wilde Wasserfälle und -spiele erweitert.

Als eine der ersten nachträglich gebauten Burgruinen im mittelalterlichen Stil in Europa entstand zwischen 1793 und 1801 die Löwenburg im Bergpark – im Auftrag des Landgrafen Wilhelm IX., des späteren Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel. Äußerlich erinnert das Gebäude an eine verfallene Ritterburg, doch das täuscht: Im Inneren befinden sich mehrere fürstliche Wohnapartments, eine Rüstungskammer und eine neogotische Burgkapelle. Zurzeit wird der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Bergfried instandgesetzt, weshalb Besucher bis Ende August 2020 nur die Rüstkammer und die Burgkapelle besichtigen können.

Nicht weit von der Löwenburg entfernt liegt – ebenfalls im Bergpark – das Schloss Wilhelmshöhe mit einem angrenzendem Ballhaus und Gewächshaus. Es entstand etwa 25 Jahre vor der Löwenburg. Heute beherbergt das Schloss die Gemäldegalerie Alte Meister, eine Antikensammlung, die Graphische Sammlung sowie das Schlossmuseum im Weißensteinflügel und eine wissenschaftliche Präsenzbibliothek im Kirchflügel.

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Schloss Neuschwanstein und die weiteren Schlösser von Ludwig II.

Selbstverständlich darf das berühmteste deutsche Schloss in dieser Liste nicht fehlen: Neuschwanstein in Schwangau bei Füssen. Etwa 1,4 Millionen Menschen besichtigen jährlich den wahr gewordenen Traum des einstigen „Märchenkönigs“ Ludwig II von Bayern. Bei seinen Planungen für Neuschwanstein ab 1867 nahm er mitunter idealisierte, monumentale Ritterburgen aus mittelalterlichen Malereien zum Vorbild. Das fertige Bauwerk inspirierte wiederum Walt Disney: Im Zeichentrickfilm „Cinderella“ und im Logo der Produktionsfirma ist ein sehr ähnliches Schloss zu sehen. Der in der Ausstattung immer wiederkehrende Schwan, das Wappentier der Grafen von Schwangau, steht für das christliche Ideal der Reinheit. Zugleich erinnert das Tier an den Schwanenritter Lohengrin aus der gleichnamigen Oper von Richard Wagner, den Ludwig sehr verehrte. Zu den Höhepunkten im Inneren zählen vor allem der Thronsaal und der Sängersaal. Besonders beeindruckend ist zudem die Grotte zwischen Wohn- und Arbeitszimmer, eine künstlich geschaffene Tropfsteinhöhle.

Ebenfalls eine Reise wert sind Ludwigs Schlösser Herrenchiemsee auf der gleichnamigen Insel im Chiemsee und Linderhof in Ettal. Während Ersteres vor allem für seinen fast 100 Meter langen Spiegelsaal bekannt ist, zeichnet sich Schloss Linderhof unter anderem durch die künstliche Venusgrotte mit Wasserfall und See aus.

Residenzschloss Ludwigsburg

Man könnte meinen, Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg sei größenwahnsinnig gewesen. Denn angeregt vom weltberühmten Superschloss Versailles bei Paris wollte er in der Nähe von Stuttgart nicht nur einen „einfachen“ Palast mit Garten bauen. Nein, es wurde gleich eine ganze Stadt: Ludwigsburg. Noch heute prägen der weite barocke Marktplatz und die geraden Alleen mit ihren Kastanien und Linden das Stadtbild. Das Barockschloss mit Elementen aus dem Rokoko und dem Klassizismus ist auf drei Seiten von einem großen Park umgeben und gehört so zu den Top-Barockschlossanlagen Deutschlands. Besonders die Dauergartenschau „Blühendes Barock“ und dessen Märchengarten gelten als ein beliebtes Ausflugsziel. Verschiedene Museen und Dauerausstellungen sowie das Theater im Schloss vermitteln das Lebensgefühl vergangener Zeiten. So lässt sich beispielsweise im Modemuseum originale Kleidung vom 18. bis zum 20. Jahrhundert bewundern.

Schlösser Augustusburg und Falkenlust, Brühl

Eine weitere Welterbestätte findet sich in der Nähe von Köln: die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl. Die Unesco bezeichnet die Schlösser als „die ersten bedeutenden Schöpfungen des Rokokostils in Deutschland“. Deutsche, italienische und französische Architekten, Maler, Bildhauer und Stuckateure arbeiteten ab 1725 gemeinsam am Schloss Augustusburg, in dessen Mittelflügel die berühmte Prunktreppe von Balthasar Neumann steht. Als dem Kölner Kurfürsten und Erzbischof Clemens August aus dem Hause Wittelsbach das Schloss als liebste Sommerresidenz nicht mehr genügte, ließ er kurzerhand zwischen 1729 und 1737 einen kurzen Spaziergang entfernt das kleine Jagdschloss Falkenlust bauen. Der begeisterte Falkenjäger hatte sich den Standort ausgesucht, um dort die Reiher auf ihrem Flug zu ihren Fischgründen abfangen zu können.

Residenz Würzburg

Die Würzburger Residenz schaffte es bereits 1981 – als drittes Bauwerk in Deutschland – auf die Liste der Unesco -Welterbestätten. Denn laut der deutschen Unesco -Kommission gilt sie mit Hofgarten und Residenzplatz als außergewöhnlichstes und homogenstes Barockschloss seiner Art. Zwischen 1720 und 1744 wurde das Gebäude nach Plänen des Architekten Balthasar Neumann gebaut – und so berühmt, dass es Neumann und Teilansichten des Treppenhauses auf den 50-Mark-Schein schafften. Neumann ließ sich von Bauwerken in Städten wie Paris, Wien und Genua inspirieren, weshalb er mit vielen verschiedenen Künstlern zusammenarbeitete. Besonders bekannt sind die Arbeiten des größten Freskenmalers des 18. Jahrhunderts, Giovanni Battista Tiepolo, im Treppenhaus und im Kaisersaal (Bild). Nachdem 1945 die Residenz bei einem Luftangriff fast völlig ausbrannte, blieb nur der Mittelbau weitgehend verschont. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann der aufwendige Wiederaufbau bis 1987. Von den etwa 340 Räumen der Residenz sind heute 42 zu besichtigen. Im Jahr 2020 jährt sich der Tag der Grundsteinlegung der Residenz zum 300. Mal, weshalb in der Woche vom 18. bis zum 24. Mai verschiedene Führungen, Expertengespräche und Programmpunkte für Familien geplant sind.

Schloss Heidelberg

Das Heidelberger Schloss (links im Bild) am Nordhang des Königstuhls ist eine der berühmtesten Schlossruinen der Welt. Schon im 13. Jahrhundert errichteten die damaligen Pfalzgrafen hier eine mittelalterliche Burg, die sie etwa 300 Jahre stetig ausbauten. Allerdings verfiel die Burg nach und nach. Nur der Friedrichsbau wurde ab 1893 im Stil der Neorenaissance wiederhergestellt. Der Rest blieb als Ruine erhalten. Der Grund: Wiederholt diskutierten Wissenschaftler, ob die Ruine konserviert oder restauriert werden sollte („Schlossstreit“). Schließlich setzte sich die Meinung durch, weitere Rekonstruktionspläne zu verwerfen. Zahlreiche Sagen und Legenden ranken sich um die Ruine, auf die auch in den Schlossführungen näher eingegangen wird. So soll beispielsweise ein Glas Wasser den Wein liebenden Hofnarren Perkeo unter Kurfürst Carl Philipp von der Pfalz umgebracht haben. Noch heute bewacht eine hölzerne Figur des Perkeo das Große Weinfass im Fasskeller.

Schloss Charlottenburg, Berlin

Das Schloss Charlottenburg im gleichnamigen Berliner Stadtteil gilt als Musterstück des preußischen Rokokos. Im 17. Jahrhundert als Sommerschloss noch vor den Toren der Hauptstadt gebaut, wurde es über die Jahrhunderte erweitert und umgebaut. Mit dem Gebäudeteil Altes Schloss und dem Neuen Flügel ist Schloss Charlottenburg die größte und bedeutendste Schlossanlage der einstigen Kurfürsten Brandenburgs, preußischen Könige und deutschen Kaiser, von insgesamt sieben Generationen Hohenzollern. Heute spiegeln das Schloss und der Garten den ständig wechselnden Geschmack seiner zahlreichen Bewohner vom Barock bis zum frühen 20. Jahrhundert wider. Das Schloss bietet neben einer Einführung in die Dynastie der Hohenzollern originalgetreu eingerichtete Räume und Säle und Kunststammlungen. Das Porzellankabinett, die Schlosskapelle und das Schlafzimmer Friedrichs I. zählen zu den Höhepunkten im Alten Schloss.

Schloss Sanssouci, Potsdam

Die ehemalige Sommerresidenz des preußischen Königs Friedrich II. in Potsdam ließ dieser um 1745 nach eigenen Skizzen im Stil des Rokokos bauen. Das französische Wort „Sanssouci“ bedeutet „keine Sorge“ und ist als eine Art Leitmotiv des Königs zu verstehen. Denn hierher zog er sich am liebsten mit seinen Hunden zurück. Die Weinbergterrassen und der 290 Hektar große Park bezauberten den König so sehr, dass er sich auf der obersten Terrasse in einer Gruft beisetzen lassen wollte. Sein Wunsch sollte allerdings erst 1991 erfüllt werden – nachdem der Sarg wegen des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Teilung mehrmals umgebettet worden war, unter anderem in die Hohenzollern-Stammburg in Süddeutschland. Im 19. Jahrhundert wurde der französische Lustgarten von Sanssouci mit einem für die damalige Zeit typischen Landschaftspark verwoben. In diesem fanden nach und nach auch prachtvolle Bauten des Klassizismus und der Romantik ihren Platz. Darunter das Neue Palais, das sogar noch viel größer ist als Schloss Sanssouci. Seit 1990 steht das Gesamtensemble wie alle Schlösser und dazugehörigen Parks von Potsdam und Berlin auf der Welterbeliste der Unesco.

Schloss Cecilienhof, Potsdam

Schloss Cecilienhof, ebenfalls ein Unesco -Weltkulturerbe in Postdam, ist der letzte Schlossbau der preußischen Dynastie der Hohenzollern. Kaiser Wilhelm II. ließ die Residenz für seinen ältesten Sohn zwischen 1913 und 1917 errichten. Bis 1945 war es Wohnsitz des letzten deutschen Kronprinzenpaares Wilhelm und Cecilie von Preußen. Im Gegensatz zu Schloss Sanssouci erscheint das Bauwerk eher schlicht. Denn durch Materialien wie Backstein und Holz sollte sich das Erscheinungsbild den landschaftlichen Gegebenheiten anpassen. Insgesamt 176 Zimmer umfasst das Gebäude, in dessen Zentrum die große Wohnhalle liegt. Auch geschichtlich hat das Schloss mehr zu bieten, als man zuerst denkt: Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 fand hier das Gipfeltreffen der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs statt. Ab Mai 2020 soll es zu diesem Thema eine Sonderausstellung geben.

Burg Satzvey, Mechernich

Wer schon immer einmal eine Nacht in einer Burg verbringen wollte, kann sich diesen Wunsch auf der Wasserburg Satzvey am Rand der Eifel erfüllen. Statt im Hotel können Gäste dort in Gutshofsuiten und Burgapartments übernachten. Die Burg wurde 1368 zum ersten Mal erwähnt. Mehr als 300 Jahre ist sie bereits im Familienbesitz und gilt noch heute als Wohn- und Stammsitz der Familie der Grafen Beissel von Gymnich. Auch an Veranstaltungen wie Gruseldinner, Theateraufführungen, mittelalterlichen Märkten und Ritterspielen mangelt es nicht auf der Burg. Besucher können sich bei den Ritterspielen dann das mittelalterliche Markttreiben mit gut 70 Händlern aus verschiedensten Zünften, Märchenerzählern, Spielleuten und Gauklern ansehen.

Burg Eltz, Wierschem

Die Burg Eltz liegt etwa 30 Kilometer von Koblenz entfernt in der Eifel. Und zwar – wie die meisten Burgen – auf einem Felsen, aber trotzdem idyllisch eingebettet in ein bewaldetes Tal, umgeben von einem wunderschönen Naturschutz- und Wandergebiet. Mit ihren bis zu 35 Meter hohen Wohntürmen, Erkern, Dächern, Fachwerken und Spitzen ist sie ein Paradebeispiel unter den deutschen Burgen. So zierte sie zwischen 1961 und 1995 den 500-Mark-Schein. Burg Eltz hat seit ihrer Gründung im 12. Jahrhundert sämtliche Kriege unbeschädigt überstanden und ist stets im Besitz der namensgebenden Adelsfamilie geblieben. Deshalb ist bis heute auch noch die originale Einrichtung aus acht Jahrhunderten erhalten. Ein besonderes Highlight im Inneren ist die Rüst- und Schatzkammer, eine der bedeutendsten ihrer Art. Sie beinhaltet Gold- und Silberschmiedearbeiten, Porzellan, Schmuck, Glas und Waffen aus 850 Jahren Familienbesitz. Auch im Rittersaal gibt es viel zu erkunden, etwa die schwere Decke, den originalen Wappenfries und bedeutende Ritterrüstungen.

Schloss Schwerin

Wie ein Märchenschloss thront das Schloss auf einer Insel im Schweriner See – nur scheinbar verträumt. Denn innen wird heute wieder wie früher Politik gemacht. Das Parlament des Landes Mecklenburg-Vorpommern arbeitet dort seit 1990. In Gruppen oder beispielsweise am Tag der offenen Tür kann man es besuchen. Außerdem können Besucher in den Zimmern der großherzoglichen Apartments die für das 19. Jahrhundert typische Atmosphäre aus tatsächlicher und inszenierter Geschichte erleben. Die reale Historie reicht weit zurück, bis ins slawische Mittelalter des 10. Jahrhunderts, als die damals herrschenden Obotriten an gleicher Stelle eine befestigte Burg errichteten. Großherzog Friedrich Franz II. ließ das Schweriner Schloss ab 1837 neu bauen. Fachleute bezeichnen das heutige Gebäude als Höhepunkt des romantischen Historismus, der bis zum Bau des Schlosses Neuschwanstein in Bayern seinesgleichen gesucht hatte. Außen und innen ist das Schweriner Schloss weitestgehend original erhalten. Schlossgarten, Orangerie und Grotte laden zum Spaziergang ein.

Schloss Muskau

Kurz vor der deutsch-polnischen Grenze, im Tal der Lausitzer Neiße, liegt der Muskauer Park, seit 2004 Unesco-Weltkulturerbe. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die deutsch-polnische Grenze quer durch den Park, sodass der östliche, polnische Teil jahrelang unkontrolliert vor sich hinwucherte. Erst als 1988 deutsche und polnische Denkmalpfleger zusammenarbeiteten, konnte der Muskauer Park als Gesamtkunstwerk wiederhergestellt werden. Der Name des Schöpfers ist vielen aus einem anderen Zusammenhang bekannt: Fürst Hermann von Pückler-Muskau soll angeblich das Eisdessert „Fürst-Pückler-Torte“ erfunden haben. Zwischen 1815 und 1844 hatte er den Park auf seinem Anwesen mit dem Neuen Schloss angelegt. Der Name mag etwas irreführend sein. Denn das Neue Schloss soll nicht das Alte Schloss ersetzen, das ursprünglich ein Torhaus war. Der „grüne Fürst“ gestaltete den Park dabei für seine Zeit außergewöhnlich modern und kunstsinnig, was den Beruf des Landschaftsarchitekten beeinflusste. Heute vermittelt die Dauerausstellung „Pückler! Pückler? Einfach nicht zu fassen!“ im Neuen Schloss Muskau am südwestlichen Parkende den Besuchern das Wirken des Fürsten. Im Westflügel finden zudem wechselnde Ausstellungen statt. Vom Südwestturm aus können Besucher aus 35 Meter Höhe einen Blick auf den Park werfen.

Wartburg, Eisenach

Die thüringische Burg war die erste deutsche, die es in die Liste des Welterbes der Unesco geschafft hat. Die Begründung: Sie ist „ein hervorragendes Denkmal der feudalen Epoche in Mitteleuropa.“ Der Sage nach wurde sie im Jahr 1067 gegründet. Weltweit berühmt wurde die Wartburg zum einen durch ihren bekanntesten Exilbewohner: Martin Luther übersetze hier in den Jahren 1521/22 einen Teil des Neuen Testaments vom Lateinischen ins Deutsche. Zum anderen gelangte die Wartburg als Stätte des sagenhaften Sängerkriegs in Richard Wagners Oper „Tannhäuser“. Außerdem war sie Wohn- und Wirkungsstätte der heiligen Elisabeth von Thüringen, die für ihre Nächstenliebe bekannt ist. Heute lassen sich der Palas, die berühmte Lutherstube, die Schaubibliothek sowie ein Museum besuchen.

Schloss Glücksburg

Schloss Glücksburg in Schleswig-Holstein gehörte lange Zeit zu den bedeutendsten Schlossanlagen in Nordeuropa. Denn es war mitunter immer wieder Sitz des dänischen Königshauses, beispielsweise als es 1544 in den Besitz des damaligen dänischen Königs Christian III. gelangte. Die namensgebende Familie Glücksburg gilt als Europas Eheschmiede. Seit der Thronbesteigung Christian IX. im Jahr 1863 stammen nämlich alle dänischen Könige und Königinnen zumindest entfernt aus dem Herzogtum Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg ab. Seinen Namen erhielt das Gebäude nach dem Wahlspruch des Herzogs Johann dem Jüngeren von Schleswig-Holstein-Sonderburg: „Gott gebe Glück mit Frieden.“ Der Herzog hatte das Schloss zwischen 1545 und 1622 mit den Ziegelsteinen eines einstigen Klosters am gleichen Ort bauen lassen, wahrscheinlich nach französischen Vorbildern. Auch von innen lässt sich das Schloss erkunden. Als eine der besonderen Attraktionen gilt die bedeutende Sammlung der Tapisserien und der Ledertapeten.

Schloss Wörlitz

Zwischen der Bauhausstadt Dessau und der Lutherstadt Wittenberg erstreckt sich auf 142 Quadratkilometern das Gartenreich Dessau-Wörlitz, zu dem auch Schloss Wörlitz gehört. Als ersten Landschaftsgarten nach englischem Vorbild auf dem europäischen Festland erklärte die Unesco das Gartenreich zum Welterbe. Leopold III. Friedrich Franz, Fürst und Herzog von Anhalt-Dessau, hatte große Pläne für sein kleines Fürstentum. Er wollte das Nützliche mit dem Schönen verbinden. Dabei ging es ihm Mitte des 18. Jahrhunderts nicht nur um Landschaftsgestaltung. Stattdessen wollte er mit dem Gartenreich auch zeigen, wie sich philosophische Prinzipien und politische Ziele umsetzen lassen: So trennt etwa kein Zaun den Garten von der Stadt, jeder hatte freien Zutritt und durfte das Schloss besichtigen. Das Schloss gilt als Gründungsbau des deutschen Klassizismus. Heute lassen sich im Schloss unter anderem antike Plastiken, Gemälde und Gefäße der berühmten Wedgewood-Manufaktur besichtigen.

Schloss Nordkirchen

Als das westfälische Versailles ist Schloss Nordkirchen mit seinen weitläufigen Gebäuden, Gärten und Parks im südlichen Münsterland bekannt. Der Fürstbischof Christian von Plettenberg ließ das heutige barocke Wasserschloss nach den Plänen des Hofarchitekten Gottfried Laurenz Pictorius ab 1703 erbauen. Heute befindet sich das Schloss im Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen, das dort unter anderem die Landesfinanzschule betreibt. Durch Schlosskonzerte und Musikfreizeiten ist es auch für sein Kulturangebot bekannt. Sowohl Park als auch Schloss lassen sich bei einer Führung besichtigen. Als besondere Sehenswürdigkeit gelten der prächtige Jupitersaal mit seinen aufwendigen Deckengemälden und die hochbarocke Schlosskapelle mit kostbaren Stuckarbeiten, Deckenarbeiten sowie Holzschnitzereien.

Schloss Herrenhausen, Hannover

So imposant wie heute sah das Schloss Herrenhausen in Hannover nicht immer aus: Schloss und Garten gehen auf einen Wirtschaftshof aus dem Jahr 1638 zurück. Einst im Barockstil entstanden, gestaltete es der damalige Hofbaumeister des Königreichs Hannover, Georg Ludwig Friedrich Laves, um 1819 im klassizistischen Baustil um. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss bombardiert und fast ganz zerstört. Heute dient es größtenteils als Veranstaltungs- und Tagungszentrum, nachdem die Volkswagenstiftung die Anlage wiedererrichten ließ. Besucher können das östliche Foyer, die Flügel mit den Museumsräumen sowie den Gartenhof mit der Schlosstreppe und öffentlich zugängliche Teile des Daches besichtigen. Das Museum zeigt barocke Schätze und berühmte Persönlichkeiten aus Hannovers Geschichte.

Albrechtsburg Meißen

Die weiße Burg direkt an der Elbe kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Bereits im Jahr 929 errichtete der König des Ostfrankenreiches Heinrich I. auf dem Felsen eine hölzerne Anlage, um sich im Notfall wehren zu können. Damit machte er Meißen zum Mittelpunkt der gleichnamigen Grenzmark gegenüber den noch slawischen Gebieten im Osten. Der Markgraf herrschte seitdem über die gesamte Mark Meißen und residierte im Vorgängerbau der Albrechtsburg, die deshalb als „Wiege Sachsens“ in die Geschichte einging. Erst zwischen 1471 und 1524 entstand der Schlossbau, wie wir ihn heute kennen. Die regierenden Brüder Ernst und Albrecht von Wettin hatten damals die neue Residenz zum repräsentativen Verwaltungszentrum und Wohnschloss umbauen lassen wollen. Erst August der Starke nutzte die Albrechtsburg 1710 allerdings richtig aktiv – als Europas erste Porzellanmanufaktur. Insgesamt 153 Jahre wurde auf der Burg das weiße Gold hergestellt. Die zweite Etage des Schlosses soll zeigen, wie viel Anstrengungen bei der einstigen Porzellanherstellung nötig gewesen sind.