Vorsorge per Riester-Rente

Zulagen einsammeln!

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Wer verschenkt schon gerne Geld? Offenbar Millionen Sparer in Deutschland! Denn sie lassen sich jedes Jahr erhebliche Zuschüsse entgehen, weil sie die staatliche Förderung für ihre Riester-Verträge nicht beantragen.

Die volle Zulage beträgt 154 Euro pro Jahr und Sparer, die Kinderzulage pro Kind 185 Euro jährlich. Für Kinder, die ab 2008 geboren worden sind, fließen sogar 300 Euro im Jahr. Die Zulage gibt es allerdings nicht automatisch, sondern nur auf Antrag.

Manche Sparer füllen das Formular nicht aus, weil es ihnen zu kompliziert erscheint. Doch das ist der „Antrag auf Altersvorsorgezulage“, den man jeweils vom Anbieter des Riester-Vertrags zugeschickt bekommt, gar nicht!

Wie man den Antrag ausfüllt

Neben Standardangaben wie Name, Adresse und Geburtsdatum muss man das zuständige Finanzamt und die Steuernummer eintragen (beides steht im Steuerbescheid). Dazu kommt noch die Sozialversicherungsnummer; die findet man auf der Meldebescheinigung zur Sozialversicherung, die der Arbeitgeber jedes Jahr verschickt. Für Eltern kommt noch eine Angabe hinzu: Im Bogen für die Kinderzulage müssen sie die zuständige Familienkasse und die Kindergeldnummer nennen.

Das fertige Formular schickt man an den Riester-Anbieter, der den Antrag dann an die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) in Brandenburg an der Havel weiterleitet. Die rund 400 Mitarbeiter dort berechnen, wie viel Kohle es für jeden Riester-Vertrag gibt und zahlen die Zulage dann an den Anbieter aus, der sie wiederum auf dem Altersvorsorgevertrag des Berechtigten verbucht.

Warum Eltern aufpassen müssen

Wer sich nicht jedes Jahr neu mit diesem Papierkram herumplagen will, kann bei seinem Anbieter auch einen sogenannten Dauerzulagenantrag stellen. Der verlängert sich automatisch und erlaubt so dem Riester-Anbieter, auch für die kommenden Jahre das Geld bei der ZfA zu beantragen.

Wichtig ist dann aber, alle Angaben von Zeit zu Zeit zu überprüfen: Wenn sich an den persönlichen Verhältnissen etwas ändert, sollte man das schon im eigenen Interesse melden, so die ZfA.

Etwa, wenn ein Paar Nachwuchs bekommt – wovon die Zulagenstelle ja nichts weiß: Das Neugeborene muss dann auf dem „Ergänzungsbogen Kinderzulage“ eingetragen werden. Und je mehr Zulagen es gibt, desto weniger Eigenbeitrag muss ja für den Riester-Vertrag aufgebracht werden.

Auch wenn das Kindergeld für ein Kind wegfällt, ändert das die Lage in der Altersvorsorge: Denn die Riester-Kinderzulage wird nur für Kinder gezahlt, für die man noch Kindergeld bezieht.

Wer die volle Zulage bekommt

Und nach einer Gehaltserhöhung muss unter Umständen der Sparbetrag angepasst werden, um die Zulage weiter in voller Höhe auszuschöpfen. Nur wer jeweils 4 Prozent des Vorjahresbruttos fürs Alter auf die hohe Kante legt, hat Anspruch auf die volle Zulage. Wie hoch der Jahresbruttolohn des Vorjahres war, steht normalerweise in der Summenspalte der Gehaltsabrechnung vom Dezember. Als Riester-Höchstbetrag gelten 2.100 Euro pro Jahr (wer sehr gut verdient, muss also nicht noch mehr einzahlen, um die Förderung zu kassieren).

Zwei Punkte sind hier noch wichtig: Die Zulagen werden auf die eigene Sparleistung angerechnet. Und pro Jahr muss der Sparer mindestens 60 Euro einzahlen, um in den Genuss der Förderung zu kommen. Das gilt zum Beispiel für Rückkehrer aus der Elternzeit, die im Vorjahr 0 Euro verdient haben.

Wann man besonders aufpassen muss

Spätestens im Dezember sollten Riester-Sparer immer überprüfen, ob sie im laufenden Jahr genug eingezahlt haben. Denn der Stichtag ist der 31. Dezember, vergessene Zahlungen können nicht nachgeholt werden!

Das Jahresende ist auch Stichtag in Sachen Zulage: Im Dezember 2014 endet die Antragsfrist für die Zulagen des Jahres 2012. Wer erst 2015 daran denkt, der verschenkt Geld: Nach zwei Jahren verfallen die Ansprüche.

Die staatliche Förderung besteht aber nicht nur aus den Zulagen. Für viele Sparer kommen erhebliche Steuervorteile dazu, weil man Riesterei in der Steuererklärung („Anlage AV“) geltend machen kann.

Das Finanzamt prüft dann automatisch: Ist der Steuervorteil höher als die staatliche Zulage, die dem Sparer zusteht, erhält er die Differenz als Steuerermäßigung gutgeschrieben. Pech hat dann, wer die Zulage gar nicht beantragt hat: Denn das Finanzamt zieht sie in jedem Fall ab – egal, ob sie von der Zulagenstelle auf den Sparvertrag überwiesen wurde oder nicht.

Wer Fragen zum Thema hat, kann sich an die ZfA-Hotline wenden, die unter der Nummer 03381 - 21 22 23 24 erreichbar ist. Auch per E-Mail an Zulagenstelle@DRV-Bund.de kann man Fragen stellen – oder per Post an die Deutsche Rentenversicherung Bund, Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen, 10868 Berlin.

Zwei fiktive Rechenbeispiele zur Eigenleistung bei der Riester-Rente:

Anne und Stefan Mustermann haben Ende 2013 ein Kind bekommen. Anne macht jetzt Elternzeit und ist nicht beitragspflichtig beschäftigt.

Im Vorjahr hat Anne noch 30.000 Euro brutto verdient. Sie muss nun 746 Euro einzahlen, um die vollen Zulagen zu kassieren – 454 Euro.

Gerechnet wird so: 4 Prozent von 30.000 Euro ergeben 1.200 Euro. Davon werden die Grundzulage für Anne (154 Euro) und die Kinderzulage (300 abgezogen) – das ergibt die 746 Euro, die Anne bis Jahresende 2014 einzahlen sollte, um Anspruch auf die ungekürzten Riester-Vorteile zu haben.

Ute und Carsten Musterfrau wiederum haben bereits 2011 Nachwuchs bekommen. Ute war dann bis Ende 2013 zu Hause und arbeitet erst seit Januar wieder. Im Vorjahr hatte sie keine beitragspflichtigen Einkünfte. Damit genügt es, wenn sie 2014 den Sockelbetrag von 60 Euro einzahlt, um die Zulagen in Höhe von 454 Euro zu kassieren.


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