Internet-Trend

Wunsch-Burger und Wurst-Schokolade


Was sich Kunden bei Mitmach-Aktionen alles einfallen lassen

München. Wie wär’s mit Edelbitter-Leberkäse-Schokolade? Oder der Sorte „Currywurst-Orange“? Nicht nur solche Fantasie-Schöpfungen kommen raus, wenn sich Internet-Nutzer Produkte ausdenken. Sondern auch Dinge, die es dann tatsächlich zu kaufen gibt: zum Beispiel die „Blog-Schokolade“ von Ritter Sport. Schoko-Fans reichten Ideen für die Sorte ein und stimmten im Online-Tagebuch – also dem Blog der Firma – darüber ab.

„25.000 Tafeln waren weg wie nix“

„Crowdsourcing“ heißt dieser Trend. Der Begriff kommt vom englischen „crowd“ (Menschenmenge) und „outsourcing“. Letzteres bedeutet, dass Unternehmen Arbeiten auslagern: in diesem Fall das Entwickeln von Produkten – und zwar an die Kunden.

Firmen lassen potenzielle Käufer mit darüber entscheiden, was in die Regale kommen soll. Möglich macht’s das Internet. Ein Drittel der Nutzer zwischen 14 und 29 Jahren verfolgt ihre Lieblingsmarken im Netz, so der Forschungsdienst iBusiness.

Die Web-Gemeinde tüftelt an Rezepten und entwirft Verpackungen. Das kommt an.  Ritter Sport verkaufte von seiner im Internet entwickelten  „Cookies & Cream“ 25.000 Tafeln. „Die waren weg wie nix“, sagt Petra Fix, Sprecherin des Unternehmens.

Crowdsourcing ist für sie ein Austausch auf Augenhöhe. „Es bringt uns näher zum Kunden. Wir müssen dabei aber auch flexibler sein“, so Fix. Etwa im Einkauf, der die gewünschten Zutaten beschafft.

Die Schnellrestaurant-Kette McDonald’s startete mit „Mein Burger“ im Frühjahr 2012 bereits ihre zweite Mitmach-Aktion. Fast-Food-Fans luden 327.000 Burger-Kreationen hoch, im Schnitt alle 6,8 Sekunden eine, und gaben fünf Millionen Stimmen ab.

Der „Lauginator“, ein Hamburger mit Laugenbrötchen, sowie vier weitere Sieger-Burger werden Ende April für eine Woche verkauft. „Wir merken, dass wir mit der Aktion den  Nerv getroffen haben“, so Nicolas von Sobbe von McDonald’s Deutschland. „Die große Menge der Vorschläge hat uns aber überrascht.“

Klingeltöne und Werbung für Kondome

Auch in anderen Unternehmen werden Kunden zum Mitmach-Designer: Die Drogeriemarkt-Kette dm ließ sie ein Duschgel mixen, der Handyhersteller Nokia einen Klingelton komponieren. Und der Kondom-Hersteller Billy Boy sammelte im Web kreative Ideen für Werbespots.

Doch aufgepasst: Solche Aktionen können auch mal außer Kontrolle geraten. Zum Beispiel, wenn jemand ein Unternehmen ärgern will. Das kann eine Flut von Nachahmern auslösen.

Wie reagiert man auf so etwas? Am besten mit einem Augenzwinkern, sagt da Schoko-Hersteller Ritter Sport. Er sammelt gefälschte Sorten wie „Toast Hawaii“ oder „Blutwurst“ und stellt sie vor – im eigenen Blog.

 

 

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