Jobhopping um die Welt

Work and Travel: So funktioniert das Arbeiten auf Auslandsreisen

In Australien auf einer Farm, in Chile im Hotel oder in Norwegen in der Gastronomie aushelfen: Das klingt spannend und bringt das nötige Geld, um intensivere Auslandserfahrungen machen zu können. Woran man dabei denken sollte.

Foto: Fotolia

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In andere Länder und Kulturen tiefer eintauchen, eine Fremdsprache perfektionieren, den Alltag von interessanten Menschen miterleben: Das bringt insbesondere vielen jüngeren Menschen einiges für die persönliche Entwicklung und den beruflichen Werdegang – klingt aber auch teuer. Denn so ein intensiver Auslandsaufenthalt will auch finanziert werden. Für alle, die nicht gerade das Glück haben, auf Erspartes zurückgreifen oder die Eltern um Geld für den Selbstverwirklichungs-Trip anpumpen zu können, ist vielleicht „Work and Travel“ eine gute Lösung. Das Prinzip lautet: auf der Reise durch das Zielland jobben und Geld verdienen. Wer sich seine Auslandserfahrung auf diese Weise erarbeiten und finanzieren will, muss ein paar Dinge beachten.

Wer darf ins Ausland reisen und dort arbeiten?

Sich bei seinem Trip ein bisschen Geld mit Gelegenheitsjobs wie Kellnern, Obstpflücken oder Schafescheren zu verdienen, scheint erst mal unkompliziert. Aber in einem fremden Land einfach so mit der Arbeit loszulegen, das geht eben nicht. „Um legal zu arbeiten, braucht man ein entsprechendes Visum, das die Tätigkeit im Urlaub auch erlaubt“, sagt Tanja Brandt, Geschäftsführerin von Travelworks aus Münster, einer führenden Agentur der Branche, die entsprechende Auslandsaufenthalte organisiert. Mit den möglichen Work-and-Travel-Staaten hat Deutschland Vereinbarungen für sogenannte Working Holiday Visa. „Nicht jeder bekommt diese Dokumente. Man muss mindestens 18 Jahre alt sein, und die meisten Länder haben auch eine Altersobergrenze.“

In Kanada kann man Work and Travel bis zum 35. Lebensjahr machen, in Neuseeland, Australien und Japan ist das nur bis zum 30. Geburtstag möglich. Die USA sind ein Sonderfall, hier muss man ein sogenanntes J1-Visum für ein Praktikum oder ein Summer Camp vorweisen. Diese sind zeitlich sehr streng begrenzt, und man muss einen Arbeitgeber vorweisen. Spontan hier und da jobben und zwischendurch reisen – was ja die ursprüngliche Idee von Work and Travel ist – ist so nicht möglich. Wichtig: Schon das Visum kostet meist etwas, bis zu 300 Euro können fällig werden.

Welche Nachweise und Versicherungen werden zusätzlich verlangt?

In den meisten Fällen müssen Work-and-Travel-Anwärter nachweisen, dass sie über finanzielle Sicherheiten (zwischen 1.700 und 4.000 Euro auf dem Bankkonto) und/oder ein gültiges Rückflugticket in ihre Heimat verfügen.

„Der Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung ist Pflicht. Viele Staaten wollen auch noch weitere Versicherungen wie Unfall- und Haftpflichtversicherung nachgewiesen haben“, sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW. Für manche Länder und bestimmte Jobs wird außerdem ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt, beispielsweise wenn man Kinder betreuen möchte.

Und man braucht in den Zielländern ein eigenes Konto für den Lohn und eine Steuernummer. Australien etwa hat gerade die Besteuerung der Löhne von Work-and-Travel-Touristen in Höhe von 15 Prozent beschlossen – ab dem ersten verdienten Dollar.

Wie lange darf oder muss man im Ausland arbeiten?

Die Dauer des Aufenthalts richtet sich nach der Gültigkeit des Visums. In den meisten und beliebtesten Ländern (Australien, Neuseeland, Kanada) ist das Working-Holiday-Visum für bis zu zwölf Monate gültig.

Wie lang man in den USA bleiben darf, hängt von der Art des Aufenthaltes ab. Während man im Rahmen eines Au-Pair-Visums, das über eine Agentur beantragt werden muss, zwölf Monate im Land bleiben darf, beträgt die Frist im Fall eines Summer Camps nur vier Monate.

Norwegen vergibt entsprechende Visa nur bis zu sechs Monate Aufenthalt. Achtung: Es gibt auch Mindest-Aufenthaltsfristen, zum Beispiel in Großbritannien – dort muss man sechs Monate bleiben.

Wer ist geeignet?

Work and Travel ist natürlich nur eine Möglichkeit, ins Ausland zu gehen. Es ist aber wohl diejenige, die am meisten Eigeninitiative erfordert. Daher sind solche Programme nicht für jedermann das Richtige. „Man sollte schon ein sehr aufgeschlossener Typ sein, der gerne aus sich herausgeht, viel redet und locker mit Leuten umgeht“, sagt Tanja Brandt von Travelworks auch aus eigener Erfahrung. „Eine Eins auf dem Schulzeugnis ist da nicht so relevant – man sollte eher eine Quasselstrippe sein, dann passt es schon.“

Denn auch wenn Agenturen einem mögliche Arbeitgeber nennen: Anrufen und sich um den Job kümmern, muss man selbst. „Im Endeffekt ist ein Work-and-Travel-Aufenthalt das Gegenteil von einem Au-pair-Aufenthalt. Denn man muss sich ständig neu eingewöhnen, arbeitet nur kurz an einem Ort und hat kein festes Umfeld. Damit muss man klarkommen.“ Neben der Kontaktfreudigkeit sollten Interessenten auch Anpassungsfähigkeit beweisen.

„Man darf bei den Jobs nicht wählerisch sein“, sagt Tanja Brandt. „Ich habe in Australien zum Beispiel mal einige Wochen Toilettenrohre verlegt. Das hat sogar Spaß gemacht und war gut bezahlt – aber eben nicht das, was ich mir eigentlich vorgestellt hatte. So flexibel muss man aber sein. Nicht jeder bekommt einen begehrten Job im Marketing.“

Allein oder in Begleitung unterwegs sein?

Viele möchten nicht ganz allein in die weite Welt, planen das Work-and-Travel-Abenteuer deshalb zusammen mit Freunden. Bei den meisten Agenturen kann man sich sogar gemeinsam anmelden. Aber man muss sich auch bewusst sein, dass es an einem Ort schwierig werden kann, gleich zwei gute Jobs zu finden. Man bringt ja quasi die eigene Konkurrenz mit.

Wie den Aufenthalt planen? Oder besser planen lassen?

Wer auf eigene Faust die Reise plant, braucht viel Zeit und Geduld, muss sich intensiv informieren und auch einiges an Fahrt- und Wartezeiten einplanen, etwa bei Botschaften und Konsulaten. Dafür spart man sich das Geld für eine Agentur und kann seinen Aufenthalt ganz nach eigenen Wünschen gestalten. „Wenn alles reibungslos läuft, dann ist Work and Travel auch in Eigenregie zu meistern“, sagt Tanja Brandt, die schon selbst mehrfach arbeitend Urlaub gemacht hat, bevor sie ihr Unternehmen gründete.

„Wenn es aber mal Probleme gibt, dann wird es im Ausland schnell brenzlig. Da sind die meisten dann sehr froh, eine Agentur im Rücken zu haben.“ Gerade für Eltern sei es ein beruhigendes Gefühl, dass die Kinder in der Ferne im Zweifelsfall eben nicht ganz auf sich alleine gestellt sind – etwa „wenn es doch mal nicht mit dem nächsten Job klappt, der Arbeitgeber das Geld nicht zahlt, man sich auf der Reise verletzt oder einem auch nur das Portemonnaie gestohlen wird.“ Agenturen bieten weitere Vorteile: Sie regeln im Vorfeld die Visaformalitäten, helfen bei der Jobsuche mit Kontaktadressen oder bieten Unterkünfte für die ersten Tage im fremden Land.

Was sollte man bei den Versicherungen unbedingt beachten?

Agenturen helfen auch bei den nötigen Versicherungen, arbeiten oft mit Gesellschaften zusammen, die spezielle Work-and-Travel-Tarife anbieten. Wer ohne Hilfe auskommen will, sollte sich als allererstes um den Versicherungsschutz kümmern, denn der wird meist schon beim Visumsantrag abgefragt. „Die Auslandskrankenversicherung sollte alle anfallenden Kosten abdecken“, rät Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW. „Das gilt insbesondere für die USA, Kanada, Australien und Neuseeland. Dort ist die medizinische Versorgung sehr teuer.“

Wichtig: Es muss sich um eine Langzeitpolice handeln. Denn die günstigen Auslandsreisekrankenversicherungen, die man sonst für die Urlaubszeit abschließt, umfassen eben keine Langzeitaufenthalte. „In der Regel muss man für die Langzeitpolicen auch Fragen zum Gesundheitszustand beantworten“, sagt die Expertin. Außerdem sollte man darauf achten, dass der Krankenrücktransport inkludiert ist – und zwar schon dann, wenn dieser „sinnvoll und vertretbar“ ist – und nicht erst „medizinisch notwendig“. Sonst sitzt man mit einem gebrochenen Bein mitunter lange fern von der Heimat fest, wenn man doch eigentlich nur nach Hause will.

Eine Unfall- und eine private Haftpflichtversicherung sind ebenfalls sinnvoll. „Auch hier sollte man sich unbedingt erkundigen, ob bereits bestehende Policen auch bei langfristigen Auslandsaufenthalten gelten“, rät Weidenbach. Gleiches gilt für eine eventuelle Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Bescheinigungen aller Versicherungsnachweise sollten mindestens auf Englisch, besser noch in die jeweilige Landessprache übersetzt sein.

Welche Agentur ist für wen die passende?

Work-and-Travel-Programme unterstützen die Reisenden nicht nur während des Aufenthalts, sondern meist auch davor und danach. Sie helfen bei der Planung und den Formalitäten, buchen sogar die Flüge und stellen Ansprechpartner vor Ort. Einige Beispiele von Anbietern:


Travelworks aus Münster: Vielfalt an Rund-um-sorglos-Paketen

Zielländer: Australien, Neuseeland, Kanada, Großbritannien, Norwegen, Chile

Services: Hilfe bei Visa-Beantragung, Job- und Infoworkshops im Zielland, Tipps für Bewerbungsgespräche und beim Erstellen des Lebenslaufs plus weitere Hilfestellungen vor Ort und ein Sicherheitsnetz mit telefonischer Hilfe während der gesamten Reise bei Bedarf. Für einige Länder (USA, Großbritannien, Norwegen und Chile) werden sogar feste Jobs vermittelt. Gleiches gilt für Farmarbeiten in Australien und Kanada. Verschiedene Pakete buchbar. Flugbuchung inkludiert, bei manchen sogar Transfer und Touren vor Ort und Sprachkurs.

Kosten: Zwischen 350 und 2.160 Euro (je nach gewähltem Paket und Land)

travelworks.de

Stepin aus Bonn: Pakete auch für ungewöhnlichere Work-and-Travel-Länder

Zielländer: Australien, Chile, China, England, Irland, Island, Kanada

Services: Komplette Planung inklusive Visum, Flügen, Versicherungen, Konto und Steuernummer vor Ort sowie Jobvermittlung. Manche Pakete sind sehr flexibel, bei anderen stehen Unterkünfte und Jobs für die Aufenthaltsdauer fest. Hier sind auch einige Länder im Angebot, die die anderen Anbieter nicht führen.

Kosten: Zwischen 490 und 2.145 Euro (je nach Programm und Land)

stepin.de

American Institute for foreign Studies (AIFS) aus Bonn: der Amerika-Experte

Zielländer: Australien, Neuseeland, Kanada, USA, Japan

Services: Starthilfe im Zielland, Gruppenausflüge, Visa, Unterstützung bei der Jobsuche, Notfallnummern. Es gibt auch Freunde-Specials, wenn man das Abenteuer nicht alleine wagen will. Bei Bedarf wird der Flug mitgebucht. Vor allem interessant, weil hier auch die USA mit Summer-Camp-Aufenthalten mit im Programm sind.

Kosten: ab 690 Euro (je nach Land und Programm, die USA-Aufenthalte sind deutlich kürzer als gewöhnliche Work-and-Travel-Angebote in anderen Ländern)

aifs.de

Auszeit Weltweit aus Köln: Vermittler für Angebote von ausländischen Partnern

Zielländer: Australien, Neuseeland, Großbritannien

Services: Vermittelt Programme von Partneragenturen im Ausland, die entsprechende Pakete für Unterkunft, Verpflegung, Transfers et cetera zusammenschnüren. Dazu Hilfe bei Visum, Flugbuchung und allem, was vor der Reise organisiert werden muss. Im Zielland ist man dann auf die entsprechenden ausländischen Partner der Agentur angewiesen, die anderen rechtlichen Rahmenbedingungen als in Deutschland unterliegen.

Kosten: 599 bis 1.199 Euro (je nach Land)

auszeit-weltweit.de

Work and Traveller aus Berlin: für Individualisten

Zielländer: Australien, Neuseeland, USA, Kanada, China, Japan, Chile

Services: Es gibt komplette Programmpakete, aber auch Selbstorganisierern, die ihren Trip lieber individuell planen und Agenturkosten sparen oder möglichst gering halten wollen, wird hier viel Hilfe geboten. Für sie gibt es gute Tipps, aber eben kein Rundum-Paket. Ausschließlich auf Work and Travel spezialisiert, einer der jüngeren Anbieter auf dem Markt.

Kosten: ab 360 Euro, viele Tipps gibt es auf der Website für Individualplaner sogar kostenlos

work-and-traveller.de

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