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Policen prüfen!

Wohngebäude­versicherung: Energetische Sanierung kann den Versicherungsbedarf verändern

Mal eben das Dach ausbauen, eine Photovoltaik-Anlage installieren oder das Haus dämmen – schon ändert sich der Wert der Immobilie. Wer hier nicht tätig wird, riskiert Einbußen beim Versicherungsschutz.

Foto: Adobe Stock

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Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind in den letzten Jahren für Immobilieneigentümer in Deutschland ein zentrales Thema geworden. Auch Anbauten, Umbauten oder der Dachausbau sind nach wie vor beliebt. Doch die entscheidenden Fragen stellen sich Hauseigentümer meist nicht: Wie wirken sich die Aktivitäten auf den Versicherungsschutz aus? Und welche Versicherungsumfänge haben sich im Laufe der Zeit geändert?

Wichtigste Versicherung für Hauseigentümer

Grundsätzlich ist eine Wohngebäudeversicherung die wichtigste Versicherung für Hauseigentümer, sie schützt im Schadenfall vor finanziellem Verlust. Je mehr das Gebäude baulich verändert wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies auch Einfluss auf den Versicherungsschutz hat. Das gilt für alle Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten, insbesondere auch bei der energetischen Sanierung.

Vor allem Wohngebäudeversicherungen, die vor längerer Zeit abgeschlossen wurden, könnten eine Lücke im Versicherungsschutz aufweisen. So rät Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW in diesem Fall, die Police dringend zu überprüfen. „Denn für die meisten ist das eigene Heim unersetzlich nicht nur zum Wohnen, sondern auch als Geldanlage“, erläutert Weidenbach. „Daher sollte auch ein ausreichender Versicherungsschutz bestehen.“

Photovoltaik-Anlagen müssen versichert sein

Wer Solarpaneele auf dem Dach hat, sollte seine Police besonders sorgfältig studieren. Wichtig ist, dass die Photovoltaik-Anlage in den Versicherungsbedingungen als Gebäudebestandteil oder als Gebäudezubehör gilt. Im Zweifel sollte man sich beim Versicherer erkundigen, ob und wie die Anlage versichert ist.

Außerdem ist es empfehlenswert, den Schutz bei Überspannungsschäden zu prüfen. Dieser gilt dann nicht nur für die Photovoltaik-Anlage, sondern für das gesamte Haus. So kann es bei Blitzschlag in Überlandleitungen zu Stromspitzen kommen, die die Elektronik beispielsweise der Heizung, von Rollläden, die Alarmanlage oder Wärmepumpen außer Gefecht setzen.

Doch was passiert, wenn nur die Photovoltaik-Anlage beispielsweise durch Hagel beschädigt ist, nicht aber das Gebäude? Im Idealfall gilt auch hierfür ein Versicherungsschutz – nachzulesen in den Vertragsbedingungen.

Sinnvolle Zusatzbausteine

Die Wohngebäudeversicherung gibt den Leistungsumfang vor. So sind im Versicherungsschutz für Solaranlagen nicht enthalten: Kurzschlüsse, Vandalismus oder Schäden durch Tierverbisse. Dieser Leistungsbereich ist nur über eine separate Photovoltaik-Versicherung absicherbar. Dies gilt ebenso für eine Ertragsausfallabsicherung. Zumindest der Ertragsausfall der Solaranlage kann bei einigen Versicherern als Zusatzbaustein zur Wohngebäudeversicherung abgesichert werden.

Auch eine Elementarschadenabsicherung sollte nicht außer Acht gelassen werden. „Schneedruck kann auch Photovoltaik-Anlagen zerstören“, erläutert Weidenbach. „Daher sollte gut überlegt sein, die Wohngebäudeversicherung auch um diesen Baustein zu erweitern, der dann auch für das gesamte Haus gilt.“ Die Versicherung entschädigt dann beispielsweise ebenfalls bei Starkregenereignissen und damit verbundenen Überschwemmungen oder bei natürlichen Erdsenkungen. Der Wermutstropfen: Liegen Flussläufe in der Nähe des Hauses, ist eine Elementarschadenversicherung teuer.

Und auch die Anschaffung eines Elektroautos kann Einfluss auf den Versicherungsschutz haben: Es sollte sichergestellt sein, dass die Ladestation ebenfalls über die Wohngebäudeversicherung mitversichert ist. Die Versicherung gilt dann allerdings nur für die fest installierten Ladeboxen. Andere Ladestationen könnten ein Fall für die Hausratversicherung sein, dies gilt es, anhand der Vertragsunterlagen zu prüfen.

Behördliche Anordnungen versichern

Beim Thema Wärmedämmung und Versicherungen hat sich in den letzten Jahren einiges zugunsten der Versicherten getan. Neuere und gute Tarife schließen behördliche Anordnungen meist mit ein. Ältere Tarife, aber auch neuere Basistarife weisen hier noch Lücken auf. Behördliche Anordnungen betreffen meist Gesetze und Verordnungen, die zwischen Bau oder Kauf und dem Schadenfall verändert wurden. Beispielsweise, dass bestimmte Baumaterialien nicht mehr verwendet werden dürfen oder aufgrund neuerer Umweltgesetzgebung sich die Auflagen für die Wiederherstellung des Gebäudes verschärft haben.

Daher sollten behördliche Anordnungen versichert sein, gerade diese können bei energetisch sanierten Häusern im Schadenfall sonst zur Kostenfalle werden, da sich besonders hier die Verordnungen verschärft haben. Insbesondere im Fall eines Brandes ist die Mitversicherung wichtig, da ein Schadstoffcocktail aus verbrannter Wärmedämmung und Löschmittel in den Boden eindringen kann. In diesem Fall kann die Kommune verlangen, den Boden auszutauschen. Auch das Haus selbst kann nach einem Brand von Auflagen betroffen sein, wenn eine Anordnung vorsieht, das Haus nach der neuesten energetischen Verordnung wiederherzustellen.

Wohngebäudepolice regelmäßig prüfen

Die Bedingungen der Versicherung sind in einem steten Wandel. „Daher ist es notwendig, seinen Versicherungsschutz alle vier bis fünf Jahre auf den Prüfstand zu stellen“, rät Weidenbach Eigentümern. „Nicht immer verbessert sich der Versicherungsschutz. Gerade bei neueren Tarifen kann es Einbußen beim Versicherungsschutz von Abwasserleitungen auf dem Grundstück geben. Besonders in diesem Punkt sollten die Versicherungsbedingungen zwischen alter und neuer Police verglichen werden.“

Weitere wichtige Aspekte: Anbauten, Dachausbauten wie auch Umbauten müssen dem Versicherer angezeigt werden, wenn sich dadurch die Wohnfläche ändert. Andere Investitionen, wie neue Leitungswasserrohre, eine moderne Heizung oder eine Kernsanierung können aber auch zu Beitragsminderungen führen, wie die HDI Versicherungen mitteilen. Entschließt man sich, sich um eine neue Wohngebäudeversicherung zu kümmern, muss auf einen nahtlosen Versicherungsschutz geachtet werden.

„Und falls die Immobilie noch finanziert wird“, mahnt Weidenbach, „müssen sich Eigentümer rechtzeitig mit dem Kreditinstitut in Verbindung zu setzen. Ohne eine schriftliche Zusage vom Kreditinstitut ist ein Wechsel nicht möglich. Um diese Formalie sollte man sich rechtzeitig vor Ablauf der Kündigungsfrist kümmern.“


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Wohngebäudeversicherungen decken zwar häufige Schadensereignisse ab. Aber trotzdem sollten sich Immobilieneigentümer nicht einfach auf alten Verträgen ausruhen. Denn neue Policen decken oft mehr Schäden ab.

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