Weiterbildung

"Wir fünf büffeln für unsere Zukunft"


Verkürzte Facharbeiterausbildung: Nelli Miller (42), Manuela Thiede (33), Doreen Wolf-Gentemann (29), Larissa Hirsch (36) und Birgit Jost (39) (von links nach rechts).

Continental Division Chassis & Safety: Von der "Angelernten" zur Industriemechanikerin

Gifhorn. Jetzt oder nie. Nelli Miller überlegt nicht lange, als sie den Aushang am Schwarzen Brett bei Continental Division Chassis & Safety liest. „Mitarbeiterinnen werden zu Industriemechanikerinnen qualifiziert“ – so die Überschrift.

17 Jahre arbeitet die gelernte Einzelhandelskauffrau bereits in der Produktion. „Meine Kinder sind aus dem Gröbsten raus. Also hab ich mich beworben“, erzählt die 42-Jährige.

Einmalig im Conti-Konzern

Zurzeit führt Nelli Miller angelernte Tätigkeiten aus. Auch Birgit Jost, Manuela Thiede, Larissa Hirsch und Doreen Wolf-Gentemann sind langjährige Mitarbeiterinnen ohne  eine  fachbezogene  Ausbildung.  Jetzt aber soll alles anders werden. „Wir wollen die Chance nutzen, wollen uns zu Industriemechanikerinnen qualifizieren.“

Im April 2007 startet die Weiterbildung mit den fünf Frauen. Ein Projekt, das innerhalb des Continental-Konzerns  einmalig ist. „Wir reagieren damit auf den Fachkräftemangel“, sagt Personalleiter Peter Friedrich. „Frauenförderung hat bei uns außerdem einen hohen Stellenwert.“

27 Monate harte Arbeit

Es ist eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten. Für die Frauen zwischen Ende 20 und Mitte 40, weil sie lange nicht auf der Schulbank gesessen haben. Aber auch für das Unternehmen.

Denn neben der klassischen Beraufsausbildung war ein völlig neues Projekt zu realisieren: vom Eignungstest bis hin zum kompletten Ausbildungsplan. Schließlich sollen in  nur  27  Monaten  alle  Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden, die einer Abschlussprüfung vor der IHK-Prüfungskommission standhalten.

Keine finanziellen Einbußen

Das ist deutlich kürzer als die übliche Ausbildung von dreieinhalb Jahren – wie geht das?

„Wir haben es mit Erwachsenen zu tun, die unser Werk schon seit langem kennen. Deshalb konnten wir einige Lehrplaninhalte zusammenfassen und schneller vermitteln“, erklärt Ausbildungsleiter Eckhard Wildemann. „Wir haben einen neuen Eignungstest entwickelt und auch intensive Vorgespräche mit den Teilnehmerinnen geführt.“

Finanziell müssen die fünf  Frauen keine Einbußen hinnehmen, denn während der gesamten Fortbildung bekommen sie ihr bisheriges Entgelt weiter.

Für die Zeit der Qualifizierung steht harte Gehirn-Arbeit auf dem Programm. Das ist straff,  denn  die  Inhalte haben es in sich. „Vor allem der theoretische Teil macht uns besonders zu schaffen“, gibt Nelli Miller zu.

Die Teilnehmerinnen an der betrieblichen Weiterbildung aber sehen erste Erfolge ihres unermüdlichen Lerneinsatzes: Die Zensuren sind gut – besonders in den manuellen Fertigkeiten. Die jetzt erreichten Zwischenergebnisse können sich sehen lassen. „Die Damen haben einen sehr hohen Anspruch an sich selbst“, freut sich Ausbildungsleiter Wildemann.

Das lange Lernen lohnt sich

Und was passiert anschließend, nach all der Anstrengung? An einen neuen Arbeitsplatz – allerdings am gewohnten Standort Gifhorn – mit mehr Verantwortung werden sich alle fünf gewöhnen müssen.

Und: Es gibt mehr Geld, so wie es der Tarifvertrag für die dann neu erlangte Qualifikation vorsieht. Da hat sich das lange Lernen doch gelohnt.  

 

Frauen-Projekt in Gifhorn: Neue Kultur der Zusammenarbeit

Das Werk Gifhorn von Continental Chassis & Safety ist einer der größten Produktionsstandorte innerhalb des Continental Konzerns.

Bremssysteme sind das Kerngeschäft der 1.500 Mitarbeiter. Continental hat hierfür in der Lüneburger Heide weltweit die modernsten Fertigungsanlagen des Konzerns installiert.  „Wenn es um Zerspanung und Ingenieurleistung geht, setzen wir in Gifhorn im Konzern die Maßstäbe“, sagt Personalleiter Peter Friedrich.

Fehler sind so gut wie ausgeschlossen – auf 1 Million Teile kommen gerade mal zwei Beanstandungen. „Das lässt sich nur mit hoch qualifizierten Mitarbeitern erreichen“, so der Personalleiter.

Und dazu gehören auch die Frauen. Doch von den 103 Auszubildenden  sind  gerade  mal 5 Prozent junge Damen. „Das ist viel zu wenig“, bemängelt Friedrich. „Deshalb haben wir ja auch die Frauenqualifizierung gestartet.“

Nebeneffekt: Mit dem Projekt ist eine neue „Kultur der Zusammenarbeit“ zwischen den im Schnitt 18-jährigen Azubis und den älteren Frauen entstanden, die teilweise selbst schon Kinder im schulpflichtigen Alter haben.

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