Internetkriminalität

„Wir brauchen robustere Rechner-Systeme“


Experte warnt vor Kriminalität im Internet

Die Affäre um den „Bundestrojaner“, mit dem sogar staatliche Stellen Computer ausspähten, wirft ein Schlaglicht auf das Thema Datensicherheit. Dazu Professor Norbert Pohlmann, Direktor des Instituts für Internet-Sicherheit in Gelsenkirchen.

AKTIV: Wie sicher sind aktuell unsere Kreditkarten-Nummern und persönlichen Daten im Netz?

Pohlmann: Leider gar nicht sicher. Jeder 25. Rechner in Deutschland ist von einem Schadprogramm infiziert, einer „Malware“. Kriminelle Organisationen suchen Schwachstellen in der Betriebs- und Anwender-Software, um an Daten zu gelangen. Um diese dann zu verkaufen oder damit Unternehmen zu erpressen.

AKTIV: Aber die Software-Hersteller tun doch sehr viel, um die Schwachstellen auszubessern.

Pohlmamm: Das stimmt. Aber auf der anderen Seite professionalisieren sich die kriminellen Organisationen auch immer stärker.

AKTIV: Was sind das für kriminelle Organisationen?

Pohlmann: Da tappen wir alle noch im Dunkeln. Sie lassen sich offenbar von den besten Informatikern der Welt Schadprogramme schreiben. Das ist ein riesiges Geschäft.

AKTIV: Es gibt doch Spamfilter, Virus-Scanner und Firewalls!

Pohlmann: Diese Werkzeuge reagieren nur auf bereits bekannte Gefahren – der Anwender ist dadurch immer in der Defensive. Um uns von vornherein gegen Cyber-Kriminalität zu schützen, brauchen wir innovative Sicherheitsmechanismen und viel robustere Rechnersysteme.

AKTIV: Und wie ist da der Stand der Entwicklung?

Pohlmann: Es gibt mittlerweile durchaus IT-Sicherheitstechnologien, die Angriffe komplett verhindern können. Einzelne Produkte sind bereits auf dem Markt. Aber der Rundum-Schutz ist noch nicht großflächig. Jetzt kommt es darauf an, dass die Industrie hier massiv investiert. Die Diskussion um den Bundestrojaner zeigt ja, wie sensibel die Systeme sind.

AKTIV: Was können Mitarbeiter tun, um in ihrem Unternehmen mehr zur Sicherheit beizutragen?

Pohlmann: Sie sollten, sobald sie sich an einen Computer setzen, auf jeden Fall drei Regeln beherzigen.

AKTIV: Und die wären?

Pohlmann: Erstens beim Öffnen von Anhängen in E-Mails genau darauf achten, ob man den Absender kennt. Zweitens nicht auf dubiosen Internetseiten wild durch die Gegend klicken. Und drittens keine privaten oder von anderen überlassene USB-Sticks einfach so in den Dienst-PC stecken.


 

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