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Wie Video-Streaming funktioniert – und was Amazon Instant Video, Netflix & Co. draufhaben

77 Prozent aller Internetnutzer über 14 Jahre in Deutschland schauen Filme, Serien & Co. per Streaming. Wie läuft die neue Technik? Welche Möglichkeiten bietet sie? Und wer sind die größten Anbieter?

Foto: Fotolia

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Serien, Dokumentationen, Kindersendungen und Spielfilme gucken geht nur, wenn im Fernsehen gerade was Gescheites läuft? Nein, diese Zeiten sind vorbei. Mit Video-Streaming kann man selbst bestimmen, was wann über die Mattscheibe flimmert. Und das auch noch ohne Werbepausen, denn: Man kann jederzeit selbst das Programm stoppen und wieder starten und sogar unterwegs gucken.

Kein Wunder, dass laut Branchenverband Bitkom mittlerweile 77 Prozent aller Internetnutzer über 14 Jahre in Deutschland Videos per Stream anschauen. Die Download-Zahlen gingen im Vergleich dazu in den letzten Jahren in den Keller: Nur noch jeder vierte Internetnutzer lädt sich Videos zum Anschauen herunter. „Streaming ändert unseren Medienkonsum grundlegend“, sagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Bitkom. „Heute schauen Nutzer zu jeder Zeit, an jedem Ort und mit jedem internetfähigen Gerät genau die Inhalte, die sie möchten.“

Doch wie funktioniert das Streaming? Was muss man beachten? Und welcher Anbieter hat welche Vorteile? AKTIVonline gibt Antworten auf folgende Fragen:

Wie erfolgt die Video-Übertragung und -Wiedergabe?

Als Video-Streaming bezeichnet man die gleichzeitige Übertragung und Wiedergabe von Inhalten über ein Netzwerk. Heißt: Im Gegensatz zum echten Herunterladen (Download) wird eine Videodatei nicht dauerhaft auf dem Rechner, Smartphone, Tablet oder einem internetfähigen Fernseher gespeichert, sondern nur kurzfristig und nach und nach während des Anschauens. Man „besitzt“ also nichts, nicht mal eine Dateikopie, sondern schaut nur.

Der Nutzer muss so aber auch nicht warten, bis der komplette Film geladen ist. Und er kann dennoch während des Schauens vor- und zurückspulen. Die dafür notwendige Zwischenspeicherung erfolgt sukzessiv und nach Ende des Videos wird alles wieder automatisch entfernt.

Welche Angebotsformen gibt es im Internet?

Die meisten „Streams“ entfallen auf Videoportale wie Youtube, Clipfish oder Vimeo. Dort schauen sich sechs von zehn Internetnutzern meist kurze Clips an. Wer „echten“ Kino- oder TV-Genuss haben möchte, der greift entweder zurück auf die Online-Mediatheken von Fernsehsendern (mit sehr begrenztem Angebot) oder auf kostenpflichtige Portale für „Video on Demand“ (kurz „VoD“ – englisch für: „Video auf Anforderung“).

Letztere werden immer beliebter, denn sie ermöglichen Film- und Seriengenuss nach eigenem Bedürfnis und bieten eine relativ große Auswahl. Neben den teuren Einzelabrufen in Online-Videotheken (wo für jeden Film und jede Folge extra gezahlt werden muss) gibt es auch monatliche Flatrates, die das Streamen erst richtig attraktiv machen.

Ist Video-Streaming immer legal?

Das Streamen über die On-Demand-Portale ist legal, schließlich zahlt man dafür – entweder pro Film oder Serienfolge oder pauschal über einen Monatsbeitrag. Natürlich findet man im Netz auch kostenlose Streaming-Inhalte von nagelneuen Kinofilmen oder Serien. Doch diese sind oft illegal oder bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Post vom Anwalt ist dabei also immer ein Risiko. Also besser Finger weg! Die legalen Portale kosten nur wenige Euro pro Monat und haben mittlerweile eine ansehnliche Auswahl im Angebot.

Welche Technik braucht man zum Abspielen und Schauen?

Streamen macht nur Spaß, wenn die Inhalte auch flüssig laufen. Und dafür braucht man eine ausreichend schnelle Internetverbindung. 6.000 Mbit pro Sekunde sollten es schon sein, damit es bei der Wiedergabe keine Bild-Ruckler gibt. Wer Inhalte gar in Ultra-HD (4K) streamen will, braucht mindestens 25.000 Mbit pro Sekunde. Kostenlos testen kann man die Geschwindigkeit seines Zugangs etwa bei der Bundesnetzagentur unter: breitbandmessung.de/test

Ist die Geschwindigkeit hoch genug, hat man mit dem Rechner in der Regel bei den On-Demand-Portalen keine weiteren Hürden zu nehmen. Anders sieht es aus, wenn man über Smartphone oder gar am internetfähigen TV-Gerät schauen will. Denn man braucht Fernseher, Tablet oder Smartphone, die den Dienst auch unterstützen. Und das ist nicht immer der Fall. Nicht alle TV-Hersteller kooperieren beispielsweise mit allen Streaming-Diensten.

Für manche Geräte braucht man eine zusätzliche Box oder einen Stick, um die Portale ans Laufen zu bringen. Manchmal klappt auch ein Umweg über einen Blu-Ray-Player oder die Spielkonsole oder man schließt den Rechner via HDMI-Kabel oder WLAN an den Fernseher an. Auch für Tablets und Smartphones gibt es nicht immer die passende App. Doch die Hersteller haben in den vergangenen Monaten da sehr viel getan, diese Lücken finden sich immer seltener.

Wie kann man unterwegs Streaming-Dienste nutzen?

Nicht nur zu Hause kann man die Streaming-Inhalte genießen: Theoretisch geht das auch im Zug zur Arbeit oder im Park. Da die Datenmengen aber sehr groß sind, lohnt sich das Streaming auf mobilen Geräten oft nur, wenn man ein offenes WLAN findet. Ansonsten ist das Datenvolumen im Handytarif schnell erschöpft.

Wer unterwegs Filme und Serien schauen will, sollte sich für einen Anbieter entscheiden, der auch einen Offline-Modus anbietet. Damit können Inhalte zeitlich begrenzt auf das Gerät heruntergeladen werden. Bei einigen Anbietern sind aber nur bestimmte Filme und Serien für den Offline-Modus freigeschaltet. Und diese Methode benötigt viel Speicherplatz auf dem entsprechenden Gerät. Wer mit seinem Laptop, Smartphone oder Tablet bei einer Reise im Ausland versucht, auf das Angebot zuzugreifen, guckt bislang meist in die Röhre – die Inhalte haben länderspezifische Lizenzrechte, bei einigen Anbietern sind nur ganz wenige Inhalte abrufbar, bei einigen gar keine.

Das soll sich 2018 zumindest innerhalb der EU ändern. EU-Kommission, Parlament und Mitgliedsstaaten haben sich darauf verständigt, dass Kunden ihre bezahlten Online-Abos ab nächstem Jahr in der ganzen Europäischen Union nutzen können. Bis dahin und für das weitere Ausland außerhalb der EU hilft nur der Offline-Modus weiter.

Bei manchen Anbietern kostet es zusätzlich, wenn auf mehreren Geräten gestreamt werden soll, auf Fernseher und Smartphone beispielsweise. Bei anderen kann man wiederum kostenlos auf mehreren Geräten gleichzeitig gucken.

Wer bietet was? Abo-on-Demand-Anbieter im Vergleich

Wer Video on Demand schauen will, hat die Qual der Wahl. Den einen perfekten Streaming-Anbieter, der einem wirklich alle Serien und Filme liefert, gibt es leider nicht. In manchen Portalen fehlen die angesagten Serien, aufwendige Eigenproduktionen gibt es nur bei bestimmten Anbietern, und von manchen Serien sind nur bestimmte Staffeln verfügbar.

Auch Filme und Serien in Originalsprache gibt es nicht überall. Und die großen aktuellen Film-Blockbuster kosten in fast allen Portalen extra. Einen Überblick, was es wo zu sehen gibt, bietet die Seite werstreamt.es. Bevor man sich für einen Anbieter entscheidet, sollte man nachschauen, welche Inhalte man unbedingt haben möchte und wer einem diese bietet.

Doch Vorsicht: Ist ein Film oder eine Serie tatsächlich im Angebot, heißt das nicht, dass das auch immer so bleibt. Lizenzen laufen mitunter ab – und dann sind die Inhalte manchmal für längere Zeit nicht verfügbar. Ärgerlich, wenn man beispielsweise gerade mit dem Anschauen einer Serie begonnen hat und dann weitere Folgen nicht mehr oder nur gegen zusätzliche Bezahlung verfügbar sind.

Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über die größten VoD-Flatanbieter in Deutschland. Klicken Sie auf die nachfolgenden Namen, um jeweils mehr zu erfahren:


Amazon (Prime) Instant Video: Große Auswahl – für ein Jahr Vertragsbindung

Der VoD-Dienst des Internet-Händlers bietet sein Abo allein oder als Kombi mit einem Jahresabo des Dienstes Amazon Prime an. Damit erhalten Kunden Vorteile bei Warenbestellungen über Amazon und zusätzlich Zugang zum Musik-Streaming über Amazon Prime Music. Entscheidet man sich für die Kombi, ist man aber auch ein Jahr gebunden und kann nicht monatlich kündigen. Dafür ist das Angebot dann im Vergleich zur Konkurrenz und zum eigenen reinen Video-on-Demand-Dienst Amazon Instant Video günstiger. Die Vielfalt an Serien und Filmen ist etwas schmaler als bei der Konkurrenz, aber es gibt mittlerweile auch viele Eigenproduktionen. Ganz aktuelle Kinofilme und Serien, die nicht im Abo enthalten sind, können gegen Extragebühren ausgeliehen oder heruntergeladen werden.

Kosten: 8,99 Euro/ Monat ohne Amazon Prime; 69 Euro/Jahr (umgerechnet 5,75/Monat) mit Amazon Prime

Abolaufzeit: 1 Monat (ohne Prime) / 1 Jahr (mit Prime)

Kündigungsfrist: jederzeit

Auf mehreren Geräten nutzbar: ja

Offline-Modus: ja

Besonderheiten: Relativ großes Angebot an Serien und Filmen, vieles auch in Originalsprache. Dazu gibt es Eigenproduktionen, die nur hier abrufbar sind. Nicht alle TV-Geräte unterstützen den Dienst, bei manchen sind eine separate Box oder ein Stick nötig, die einmalig Zusatzkosten verursachen. Eine App für mobile Geräte ist verfügbar.

amazon.de/prime-instant-video

Netflix: Erste Wahl für US-Serienfans

In den USA das Maß der Dinge, wenn es um VoD-Dienste geht. In Deutschland seit 2014 auf dem Markt. Punktet vor allem mit üppiger Auswahl an Serien. Davon sind die meisten auch wirklich im Abo enthalten und kosten nicht extra. Dafür ist die Kostenstaffelung etwas unübersichtlicher als bei der Konkurrenz. Das Filmangebot an relativ aktuellen Blockbustern ist auch ganz passabel.

Kosten: SD-Auflösung (schwächere Bildqualität): 7,99 Euro/Monat (1 Gerät); HD-Qualität (und auf 2 Geräten nutzbar): 9,99 Euro/Monat; Ultra-HD (und max. 4 Geräte): 11,99 Euro/Monat

Abolaufzeit: jederzeit

Auf mehreren Geräten nutzbar: ja, aber kostenpflichtig und maximal vier Geräte möglich

Offline-Modus: ja, aber nur bei einer begrenzten Auswahl an Inhalten

Besonderheiten: Großes Angebot an Serien, viele davon gibt es gar nur hier, zahlreiche Eigenproduktionen. Sehr vieles auch in Originalsprache und mit Untertiteln verfügbar. Dienst ist oft auf Geräten ohne Zusatz-Hardware nutzbar. Eine App für mobile Geräte ist verfügbar. Im EU-Ausland lässt sich der Dienst schon jetzt nutzen.

netflix.de

Maxdome: Breites Angebot, auch an aktuellen Filmen

VoD-Dienst plus Online-Videothek des Medienunternehmens ProSiebenSat.1. Das Angebot ist groß und gut. Aber viele der aktuellen Filme und Serien sind nicht Bestandteil des Abos und müssen extra bezahlt werden.

Kosten: 7,99 Euro/ Monat

Abolaufzeit: 1 Monat

Kündigungsfrist: jederzeit

Auf mehreren Geräten nutzbar: ja

Offline-Modus: ja, aber nicht bei allen angebotenen Titeln

Besonderheiten: Viele sehr aktuelle Filme (davon aber zahlreiche nur auf kostenpflichtigem Einzelabruf nutzbar). Dienst läuft häufig auf Geräten ohne zusätzliche Hardware. Eine App für mobile Geräte ist verfügbar. Untertitel sind nicht einstellbar. Ärgerlich ist, dass man für sehr vieles im Angebot extra zahlen muss.

maxdome.de

Sky Ticket: Aktuelle Filme, Serien und Sport

Der Pay-TV-Sender Sky ist auch auf den VoD-Markt eingestiegen. Man kann die entsprechenden Cinema- und Entertainmenttickets separat buchen, aber das ist vergleichsweise teuer. Dafür gibt es viele aktuelle Blockbuster und auch ein separates Sportticket für Fußball und Co. (ab 14,99 Euro).

Kosten: Entertainment-Ticket (Serien) 1,00 Euro im ersten Monat (derzeitiges Angebot), danach 9,99 Euro/Monat; Cinema-Ticket 14,99 Euro

Abolaufzeit: 1 Monat

Kündigungsfrist: jederzeit

Auf mehreren Geräten nutzbar: nein

Offline-Modus: nein

Besonderheiten: Gut für aktuelle Filme, die es nur hier im Abo gibt. Das ist dafür auch relativ teuer, und man muss Serien und Filme als separate Tickets erstehen, Sportinhalte gehen noch mal extra. Das Abomodell ist sehr unübersichtlich. Inhalte werden fast nur in SD ausgespielt. Zudem kosten Funktionen wie Offline-Modus und die Nutzung auf mehreren Geräten extra.

skyticket.sky.de

Gratis testen

Beim Streaming gibt es also die ein oder andere Hürde. Gut, dass man einzelne Dienste kostenlos testen kann. Meist einen Monat lang können potenzielle Kunden so checken, ob das Angebot zu ihnen passt. Aber Achtung: Ist der Monat vorbei, wird das Gratisangebot automatisch kostenpflichtig.

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