Achtung, Abzocke!

Wie sinnvoll Handy- und Navi-Versicherungen sind

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Wer ein neues Smartphone kauft, greift oft tief in die Tasche: Mehrere Hundert Euro sind ein normaler Preis. Bietet der Verkäufer eine Versicherung dazu an, die bei Diebstahl einspringt, oder wenn das Display bricht, klingt das verlockend – besonders, weil der Policenpreis im Vergleich zum Handypreis so niedrig wirkt. Aber: „Sinnvoll sind diese Versicherungen nicht“, sagt Bianca Boss, Pressereferentin beim Bund der Versicherten. „Denn sie erstatten immer nur den Zeitwert.“

Heißt: Wird das Handy nach zwei Jahren gestohlen, bekommt der Kunde nur das ausgezahlt, was sein Gerät zu diesem Zeitpunkt noch wert wäre – wenn überhaupt. Ein neues Smartphone kann er sich dafür in aller Regel nicht kaufen. Häufig kommt außerdem eine Selbstbeteiligung dazu – und die Versicherung selbst kostet auch mindestens drei Euro im Monat. Eine bessere Police, die auch Diebstahl absichert, liegt im Preis jedoch schon bei sechs bis acht Euro im Monat. „Der Versicherte spart also mit einer solchen Police im Schadensfall nicht wirklich“, sagt Bianca Boss. „Sie ist im Gegenteil überflüssig.“

Wann die Hausratversicherung einspringt

Wer eine Hausratversicherung abgeschlossen hat, kann im Schadensfall mehr Glück haben. Sie springt bei Wasserschäden ein, bei Diebstahl oder Brand – und zwar sowohl im eigenen Zuhause als auch in Hotelzimmern. „Dann muss der Versicherte aber nachweisen, dass der Schaden tatsächlich versichert ist“, erklärt Bianca Boss. Bei einem Brand oder einem Wasserschaden dürfte das noch relativ einfach sein – schwieriger wird es beim Thema Einbruch.

„Diebe sind in der Zwischenzeit so geschickt, dass sich oft keine Einspruchspuren nachweisen lassen“, weiß Bianca Boss. In solchen Fällen stellt sich die Versicherung quer. Übrigens: Auch wenn die Wertgegenstände aus dem Hotelzimmer verschwinden, muss der Versicherte immer die Polizei holen und den Diebstahl dokumentieren lassen, wenn er Geld zurückbekommen möchte. Selbst in einem anderen Land und wenn er der Sprache nicht mächtig ist.

Diebstahl oder Raub

Entstand der Schaden allerdings nicht in einem Gebäude, zahlt die Versicherung bei Diebstahl nicht. Wer also beispielsweise im Zug unterwegs ist und beklaut wird, bekommt keinen Ersatz. „Anders, wenn einem mit vorgehaltenem Messer das Handy oder das Navi geraubt wird“, erklärt Bianca Boss. Dann springe die Hausratversicherung durchaus ein. In solch einem Fall muss der Betroffene aber auf jeden Fall bei der Polizei Anzeige erstatten, um sein Geld zurückzubekommen.

Aus dem Auto gestohlen

Es gibt zwar Hausratversicherungen, die auch dann bezahlen, wenn beispielsweise die Koffer aus dem Mietwagen auf der Urlaubsrundreise gestohlen wurden. Ob sie aber auch für ein Handy und ein Navi zahlen, ist fraglich. „In diesen Fällen stellt sich die Frage, ob die Geräte tatsächlich zum Hausrat gehören“, sagt Bianca Boss. Sehr oft werden Versicherte in diesen Fällen enttäuscht werden.

Die Teilkasko für das Auto springt in diesen Fällen übrigens auch nicht ein. Sie zahlt nur dann, wenn ein eingebautes Navigationsgerät bei einem Autoaufbruch gestohlen wird. „Aber Achtung!“, warnt die Versicherungsexpertin. Wer in einer Gegend wohne, in der das Auto ständig aufgebrochen wird, könne schnell seinen Versicherungsschutz verlieren.

Versicherungen fürs Navi

Spezielle Navi-Versicherungen gibt es übrigens nicht. Wer nur dieses Gerät absichern möchte, könnte eine Elektronikversicherung abschließen. „Doch hier gilt das Gleiche wie bei den Handy-Versicherungen“, sagt Bianca Boss: „Es sind keine Neuwertversicherungen, häufig ist eine Selbstbeteiligung dabei und die Versicherung selbst kostet auch.“ Wer auf seine Geräte gut aufpasst, fährt also günstiger.

Keine existenzbedrohenden Verluste

Grundsätzlich sollte sich jeder, der über eine Versicherung fürs Handy oder Navigationsgerät nachdenkt, darüber im Klaren sein, dass der Verlust eines solchen Gerätes nicht existenzbedrohend ist. „Eine solche Police sollte wenn überhaupt nur derjenige abschließen, der alle wirklich wichtigen Versicherungen schon hat“, sagt die Versicherungsexpertin. Das sind:

  • Private Haftpflichtversicherung: Denn wer anderen ohne Absicht einen Schaden zufügt, haftet mit seinem gesamten Vermögen.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung: Sie springt ein, wenn der Versicherte wegen einer Krankheit nicht mehr in seinem Beruf arbeiten und dementsprechend kein Geld mehr verdienen kann.
  • Hausratversicherung: Sie sichert das eigene Hab und Gut im Schadensfall ab.

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aktualisiert am 09.10.2017

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