Das Internet vergisst jetzt manchmal doch

Wie man peinliche Google-Einträge los wird

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Berlin. Anzügliche Auftritte, Randale auf einer Party, Ärger mit den Nachbarn – fast jeder hat sich schon mal danebenbenommen. Dumm nur, wenn die Sache irgendwie im Internet gelandet ist, womöglich mit peinlichen Bildern. „Das Netz vergisst nichts, deshalb können einem solche Ausrutscher noch viele Jahre später schaden“, sagt Jens Eckhardt, Vorstandsmitglied im Berufsverband der Datenschutzbeauftragten, „die Suchmaschinen spülen selbst sehr alte Inhalte immer wieder nach oben.“ Und jeder muss ja heutzutage damit rechnen, dass er von neuen Bekannten, dem attraktiven Date oder auch neugierigen Kollegen im Web gesucht wird.

Damit aus kleinen Peinlichkeiten keine großen Dramen werden, sollte man also gelegentlich checken, welche Infos über einen selbst im Netz kursieren. Findet man etwas, dass zwar wahr ist, aber trotzdem ein schlechtes Licht auf einen wirft, sollte man zuerst überlegen, wie die peinliche Info überhaupt dort gelandet ist: Suchmaschinen wie Google stellen ja selbst nichts ins Netz, sie zeigen nur bereits gepostete Inhalte an.

Zuerst den Betreiber der Seite kontaktieren

„Um das Problem an der Wurzel zu packen, sollte man also zuerst den Betreiber der jeweiligen Seite bitten, das Foto oder den Text zu entfernen“, sagt Jurist Eckhardt. Falls schon verschiedene Kopien etwa eines Fotos im Internet herumschwirren, muss man sich gegebenenfalls an mehrere Anbieter wenden.

Dieses Entfernen klappt aber nicht immer, beispielsweise, wenn es sich um einen Zeitungsartikel in einem öffentlichen Archiv handelt. Wobei der Europäische Gerichtshof nun entschieden hat, dass der Mensch auch im digitalen Zeitalter ein Recht auf Vergessen hat (13.05.2014, C-131/12). In dem Fall hatte ein Spanier geklagt, weil bei der Suche seines Namens im Netz immer wieder ein 15 Jahre alter Medienbericht über die Pfändung seiner Immobilie hochkam. Wegen des Urteils musste Google dafür sorgen, dass entsprechende Suchergebnisse in Europa nicht mehr angezeigt werden.

„Diese Entscheidung gilt im Grundsatz für alle Suchmaschinen“, erklärt Eckhardt. Allerdings nur für Europa – in den USA beispielsweise wird ein derart gesperrtes Suchergebnis weiterhin angezeigt.

Suchmaschinen entscheiden einzeln und im Einzelfall

Es gibt keine zentrale Anlaufstelle für eine Sperrung, man muss dafür jede Suchmaschine einzeln kontaktieren. Die Betreiber bieten dazu immerhin entsprechende Formulare – zum Beispiel Google, Bing und Yahoo.

In den Formularen muss man jedes heikle Suchergebnis einzeln nennen – und begründen, warum der Eintrag entfernt werden soll. Außerdem muss man eine Kopie des Personalausweises vorlegen. „Nach dem Antrag wird das kritisierte Suchergebnis nicht automatisch gelöscht, sondern es wird jeder Einzelfall geprüft“, betont Experte Eckhardt.

Dabei entscheidet der Suchmaschinenbetreiber, ob das öffentliche Interesse an freier Berichterstattung oder das private Schutzinteresse des Bürgers wichtiger ist. Schließlich gibt es ja auch negative Berichte, die zu Recht im Internet stehen, etwa über bestechliche Politiker. Bei der Entscheidung spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, etwa, wie heikel ein Sachverhalt ist, wie viel Zeit vergangen ist und ob der Betreffende eine öffentliche Position hat.

Wie gut das künftig in der Praxis funktioniert, muss man abwarten. Falls man mit der Entscheidung eines Suchmaschinenanbieters nicht einverstanden sein sollte, wird man wohl selbst klagen müssen.

Und ganz schnell juristischen Rat suchen sollte man, wenn andere absichtlich falsche Behauptungen oder üble Verleumdungen ins Netz stellen. Wenn also zum Beispiel die wütende Ex fälschlicherweise behauptet, dass man sie täglich verprügelt habe. Wenn da die persönliche Kontaktaufnahme nichts bringt oder die Sache gar in „Cyber-Mobbing“ ausartet, sollte man sich umgehend an einen erfahrenen Anwalt wenden.


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