Technik

Wie Flugzeuge sauberer und leiser werden


Die Luftfahrt-Industrie arbeitet auf Hochtouren an umweltfreundlichen Lösungen

Flugzeuge werden geliebt. Und verteufelt. Je nachdem, ob es um den Urlaub geht oder um die Wohnqualität in Flughafennähe. So bringt die Erweiterung in Frankfurt viele Anwohner auf die Barrikaden. Immerhin geht der steigende Flugverkehr mit einem zweiten Trend einher: Die nächste Flugzeug-Generation wird viel leiser und sauberer.

Zwar gibt es keine Grenzwerte für die Emissionen von Flugzeugen. Doch die Flughäfen machen Druck: Sie staffeln danach die Start- und Landegebühren – und zwingen so Airlines und Flugzeughersteller zum Nachdenken.

Um 50 Prozent soll der wahrgenommene Lärm von Flugzeugen zwischen 2001 und 2020 zurückgehen. Das hat der  „Rat für Luft- und Raumfahrtforschung in Europa“ festgelegt, ein 39-köpfiges Gremium aus Regierungs- und Industrievertretern. Mit diesem Tempo soll auch der Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid (CO2) reduziert werden. 

„Stilles Metall“ schluckt Lärm

 

Deshalb rauchen in den Betrieben die Köpfe. Beispiel: Die PFW Aerospace AG in Speyer, früher bekannt als „Pfalz Flugzeugwerke“. Die neueste Erfindung des Unternehmens heißt „SilentMetal“ („Stilles Metall“) und schluckt Fluglärm.

Das geht so: Überall, wo Luft strömt, entsteht Lärm. Wie beim Auto-Auspuff. Mit „SilentMetal“, einem porösen Material, werden diese Stellen ausgekleidet. Joaquin Gonzales, Leiter des Bereichs Geschäftsentwicklung: „Durch die Löcher gehen die Geräusche ins Innere. Und da werden sie eingefangen.“ Noch in 2007 wird  „SilentMetal“  für  verschiedene Flugzeughersteller in Serie produziert werden.

 

 

Auch am Triebwerk wird fleißig gebastelt. Es funktioniert künftig ganz anders als heute. Hersteller MTU Aero Engines  mit  Hauptsitz  in München nennt sein Konzept „Clean Air Engine“. Basis ist der „Getriebefan“, der schon 2008 für Tests in die Luft geht. Er erhöht den Wirkungsgrad, weil er die Komponenten „Fan“ und „Niederdruckturbine“ entkoppelt. Bislang sind sie durch eine Welle verbunden, künftig können beide unabhängig voneinander ihre jeweils optimale Drehzahl erreichen.

Dieses Triebwerk soll den wahrgenommenen Lärm, der vom Antrieb ausgeht, um die Hälfte reduzieren, und den CO2-Ausstoß um bis zu 15 Prozent mindern.

 

Einsatzbereit ist es aber erst 2012: In der Luftfahrtindustrie mit ihren extrem hohen Sicherheitsanforderungen geht das nicht kürzer. Die Fluggesellschaften wollen viele Daten kalkuliert und garantiert haben, erklärt MTU-Sprecher Odilo Mühling. Etwa die Gesamtkosten über die Lebensdauer. „Deshalb müssen wir sehr viel rechnen und testen.“

Sogar null CO2-Ausstoß denkbar

Das 50-Prozent-Ziel scheint also realistisch. Und damit wird das Potenzial zur Lärm- und Schadstoffreduzierung nicht erschöpft sein: „Eines Tages werden wir mit Flugzeugen fliegen, die die Umwelt gar nicht mehr mit Emissionen belasten“, sagt Thomas Enders, Präsident des Bundesverbands der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Mühling von MTU Aero Engines bestätigt:   „Null CO2-Ausstoß ist  theoretisch denkbar, etwa mit Brennstoffzellen-Technologie.  Aber davon sind wir noch weit entfernt.“

Barbara Auer

 

Info: Entwicklung der Emissionen

 

Bereits heute sind Flugzeuge viel sauberer und leiser als früher: Der A380 macht bei doppelter Kapazität gleich viel Lärm wie der A340! Seit 1970 haben die Hersteller die  CO2-Emissionen pro Passagier-Kilometer um 70 Prozent gesenkt.

Moderne Maschinen verbrauchen heute etwa 3,5 Liter pro 100 Kilometer und Passagier – der A380 sogar nur rund drei Liter. Der Anteil des Luftverkehrs an den CO2-Emissionen liegt bei 2 Prozent. Allerdings wirkt das Kohlendioxid in zehn Kilometern Höhe fast dreimal klimaschädlicher als am Boden.

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang