Smartphone-Messenger: Was geht denn hier App?

„WhatsApp“ erobert die Welt – und lässt dabei sogar Facebook ganz schön alt aussehen

Weißer Hörer auf grünem Grund: Das „WhatsApp“-Logo. 20 Millionen Deutsche nutzen die Smartphone-Anwendung bereits. Foto: Plainpicture; Montage: Roth

Köln. Mensch, was war die Welt früher simpel. Aus dem Urlaub schickte man den Lieben daheim eine knittrige Postkarte. Text: „Essen lecker, Wetter gut, Wiedersehen!“ Schon war Oma glücklich.

Und heute? Da reagiert die Verwandtschaft pikiert, wenn nicht täglich das Urlaubs-Update aufs Handy flattert. Per Videobotschaft, mindestens aber aktuellem Urlaubsschnappschuss samt Textnachricht. Schuld daran: das Smartphone-Programm „WhatsApp“.

Die App geht ab wie Hupe. Weltweit hat sie mittlerweile 350 Millionen Nutzer, in Deutschland sollen es 20 Millionen sein. Mit WhatsApp kann man wie bei SMS Nachrichten aufs Handy schicken. Dazu kann man Fotos, Video- oder Audio­dateien anhängen und Gruppenchats einrichten. Im Gegensatz zur Simserei ist all das: fast umsonst. Neben Kosten für den Internetzugang ist nur eine Jahresgebühr von unter einem Euro fällig.

350 Millionen Nutzer rund um den Globus verschicken jeden Tag etwa 11 Milliarden Nachrichten

Täglich versenden WhatsApper rund 11 Milliarden Nachrichten, darunter 400 Millionen Fotos. Da kommt selbst der Facebook-Messenger nicht mit, er bringt es nur auf 350 Millionen Bilder.

Studien belegen, dass die unter Jugendlichen beliebteste App nicht mehr Facebook ist. Sondern WhatsApp. Martin Weigert, Redakteur beim renommierten Internet-Ökonomie-Blog „netzwertig.com“: „Das Programm ist simpel, spart SMS-Kosten. Zudem haben User durch den automatischen Adressbuchabgleich sofort Kontakte, mit denen sie chatten können.“

Und noch etwas dürfte den Boom befördert haben: Während Konkurrent Facebook voll auf Werbung setzt, verzichtet man hier konsequent auf Anzeigen. „Wir werden in unserem täglichen Leben genug mit Werbung bombardiert“, verkündete Firmengründer Jan Koum kürzlich medienwirksam, „wir glauben nicht, dass ein Smartphone der richtige Platz dafür ist.“ Aber auch ohne diese Einnahmequelle gilt das in Kalifornien ansässige Internet-Unternehmen als lukrativ. Angeblich hat Google vor Monaten eine Milliarde Dollar geboten – vergeblich.

Dass die App bereits mehrfach mit Sicherheitslücken „glänzte“, scheint dagegen kaum jemanden zu stören. „Was wohl daran liegt, dass die wenigsten über WhatsApp Staatsgeheimnisse austauschen“, vermutet Blogger Weigert.

Im Gegenteil. „Wie dort kommuniziert wird, ist natürlich profan“, sagt auch Joachim Höflich, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt. Schlimm findet der Forscher das nicht: „Mal ehrlich, wir können doch nicht immer geistreich sein.“

Waren wir ja früher auch nicht: „Essen lecker, Wetter gut“ – Oma hat’s gereicht.


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