Tipp der Woche

Wer soll das bezahlen?


Was Sie über Schäden in der Mietwohnung wissen sollten

Herd kaputt, undichtes Fenster, Sprung in der Badewanne, defekter Wasserhahn: Wer muss da blechen – der Mieter oder der Vermieter?

„Grundsätzlich ist der Vermieter nur für Reparaturen an Gegenständen zuständig, die mit vermietet worden sind“, erklärt Gerold Happ, Rechtsanwalt beim Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Hat also der Mieter die Einbauküche von seinem Vorgänger übernommen, ist die Reparatur seine Sache.

Extrem intensive Nutzung

Gehört die Küchenausstattung dagegen zur Wohnung, zahlt der Vermieter, wenn Herd oder Kühlschrank den Geist aufgeben. „Das gilt auch bei überdurchschnittlich intensivem Gebrauch.“

Anders sieht es aus, wenn der Mieter Dinge in der Wohnung nicht ordnungsgemäß behandelt. Wer sich beispielsweise auf das Cerankochfeld stellt, um darüber einen Nagel einzuschlagen, der zahlt, wenn es dadurch zerbricht. „In diesem Fall handelt es sich nicht um einen bestimmungsgemäßen Gebrauch.“

Per Mietvertrag kann der Vermieter dem Mieter zudem bestimmte Kosten für „Kleinreparaturen“ an oft benutzten Dingen wie etwa dem WC-Spülkasten aufdrücken.

Prinzipiell haftet der Mieter immer dann, wenn er schuld am Schaden ist. Auch bei echten Missgeschicken – wenn etwa die heruntergefallene Rasierwasserflasche das Waschbecken beschädigt hat.

Machen Kinder etwas kaputt, kommt es aufs Alter an. Ab sieben Jahren haften sie selbst, in der Praxis heißt das: Die Eltern müssen den Schaden ersetzen. Jüngere Kinder sind dagegen nicht schuldfähig. Haben die Eltern ordnungsgemäß aufgepasst, gibt es juristisch gesehen keinen Schuldigen! Folge: Der Mieter haftet nicht, der Vermieter bleibt auf den Kosten sitzen. „Haben jedoch die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt, tragen sie die Verantwortung und müssen zahlen“, so Happ.

Sofort Meldung machen

Heikel wird es, wenn die Schuldfrage unklar ist, etwa bei Schimmel in der Wohnung. In solchen Fällen entscheiden am Ende oft teure Gutachten. Happ rät daher, „sich mit dem Vermieter zusammenzusetzen, um sich gütlich über die Kostenaufteilung zu einigen“.

Mieter sind verpflichtet, einen Schaden umgehend zu melden. Aus Beweisgründen sollten sie dies schriftlich tun. Empfehlenswert ist es, dem Vermieter gleich eine Frist für die Reparatur zu setzen. Welche Zeitspanne angemessen ist, hängt dabei von der Dringlichkeit ab: Bei einer kaputten Fensterscheibe muss es schneller gehen als bei einem Riss in der Küchenfliese. Reagiert der Vermieter nicht zügig, kann das Grund für eine Mietminderung sein.

Achtung: Lässt ein Mieter einen Schaden auf eigene Faust reparieren, bleibt er normalerweise auf den Kosten sitzen! Nur in echten Notfällen wie bei einem Heizungsausfall bei Minusgraden darf der Mieter selbst den Klempner rufen, wenn der Vermieter nicht erreichbar ist.

 

Info: Versichert?

Die private Haftpflicht-Versicherung des Mieters zahlt nur, wenn überhaupt ein berechtigter Anspruch des Vermieters besteht.

Hat ein Mieter den Schaden aber absichtlich herbeigeführt (oder achselzuckend in Kauf genommen), gibt es normalerweise kein Geld von der Versicherung.

Kurios: Bei von kleinen Kindern verursachten Schäden zahlt die Haftpflicht oft nur, wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben – weil sie nur dann die juristische Verantwortung für den Schaden tragen.

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