Pflegekosten im Alter

Wer muss für die Eltern Unterhalt zahlen?

Berlin. Wenn die Eltern ins Heim müssen, wird’s teuer. Reichen ihre Rente, Pflegeversicherung und Vermögen nicht aus, dann sind die Kinder dran.

„Auch wenn die Familie zerstritten ist, gehen die Gerichte fast immer von einer Unterhaltspflicht aus“, schildert Eva Becker, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht beim Deutschen Anwaltverein in Berlin.

Hat der Pflegebedürftige mehrere Kinder, muss jedes sich nach seinen Möglichkeiten beteiligen. So wird ein Gutverdiener stärker zur Kasse gebeten, wenn seine Geschwister zu wenig haben.

Doch das klingt in der Theorie schlimmer, als es in der Praxis meistens ist: „Durchschnittsverdiener müssen aufgrund der zahlreichen Freibeträge im Normalfall gar nicht oder nur sehr wenig zahlen“, beruhigt die Berliner Juristin.

Das Amt darf auch auf das Ersparte zugreifen

Die Grundregel: Wer als Single weniger als 1.800 Euro netto im Monat verdient, muss auf keinen Fall für die Eltern aufkommen. Wegen der vielen individuellen Freibeträge werden oft sogar mehr als 2.000 Euro netto nicht angetastet. Eine Familie mit zwei Kindern darf natürlich mehr haben, häufig sind dann um die 4.000 Euro netto frei.

Liegt das Einkommen darüber, wird es außerdem nur etwa zur Hälfte angerechnet. Hat das Amt beispielsweise nach Abzug aller Freibeträge ein anrechenbares Einkommen von 400 Euro ermittelt, so muss man davon nur rund 200 Euro abgeben. Tückisch: Wenn das laufende Einkommen der Kinder nicht ausreicht, darf das Amt auch auf ihr Vermögen zurückgreifen.

„Das selbst genutzte Eigenheim ist allerdings vor dem Zugriff geschützt“, erklärt Familienrechtlerin Becker. Auch an die Rücklagen fürs Alter darf das Amt größtenteils nicht ran.

Der Teufel liegt freilich im Detail. Etwa für Paare ohne Trauschein: Sie werden beim Elternunterhalt wie Singles behandelt. Das heißt konkret, ihr Selbstbehalt wird entsprechend niedrig berechnet, selbst wenn sie den Lebenspartner mit versorgen – und eine nicht berufstätige Ehefrau muss sogar von ihrem Taschengeld Unterhalt zahlen (Bundesgerichtshof, 9.3.2016, XII ZB 693/14 und 1.10.2014, XII ZR 133/13).

„Leider ist die Berechnung des Elternunterhalts sehr kompliziert und fehleranfällig“, so die Erfahrung von Expertin Becker. Sie rät deshalb, die Forderung auf jeden Fall von einem neutralen Experten prüfen zu lassen.


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Lebt ein Kind bei nur einem Elternteil, muss der andere Unterhalt zahlen. Mit dem 18. Geburtstag des Kindes ändert sich die Rechtslage – dann sollte der Nachwuchs zum Beispiel schnell aktiv werden, wenn es noch Unterhaltsrückstände gibt.

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