Oh Schreck – die Post ist weg!

Wer haftet, wenn Briefe, Pakete & Co. auf dem Postweg verloren gehen?

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Bei Ebay eine CD verkauft? Oder bei Amazon ein gebrauchtes Buch? Prima, so kommt ein wenig Geld in die Haushaltskasse. Allerdings ist der Ärger vorprogrammiert, wenn die Postsendung mit dem Artikel verloren geht. Die Deutsche Post spricht zwar von Einzelfällen, doch so selten scheint verschwundene Post nicht zu sein.

„Wir bekommen immer wieder Beschwerden von Verbrauchern, deren Sendungen nicht ankommen“, sagt Tatjana Halm, Referatsleiterin Markt und Recht bei der Verbraucherzentrale Bayern. Das allerdings passiere bei allen Zustellern gleichermaßen, nicht nur bei der Deutschen Post.

Wer haftet?

Grundsätzlich könnte die Haftungsfrage ganz einfach zu beantworten sein, denn: „Die Gefahr eines Verlustes geht laut Paragraf 447 Bürgerliches Gesetzbuch auf den Käufer über, wenn der Verkäufer die Ware beim Spediteur abgibt“, sagt Christian Solmecke, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke in Köln. Allerdings muss der Verkäufer auch belegen können, dass er die Ware versandt hat. Und das ist weder bei einem herkömmlichen Päckchen noch bei einer normalen Briefsendung der Fall. Denn diese Sendungen bekommen keine Sendungsnummer zugeteilt. Darum lässt sich auch nicht überprüfen, ob sie angekommen oder wo sie verschwunden sind.

Nachforschungsauftrag stellen

Bevor nun der Verkäufer dem Käufer Geld zurückerstattet, sollte bei der Deutschen Post ein Nachforschungsauftrag gestellt werden. Dabei gibt der Absender seine Adresse und die des Adressaten an. Er muss sagen, wo er die Sendung an den Lieferanten übergeben hat und was in der Sendung war. Kunde der Deutschen Post ist übrigens immer der Absender. Nur er kann Ansprüche stellen, wenn eine Sendung verschwunden ist. Dann beginnt die Deutsche Post zu forschen. Manchmal werden das verschwundene Objekt oder zumindest Teile davon wiedergefunden. Falls nicht, müssen sich Käufer und Verkäufer einigen. Einen Nachforschungsauftrag kann der Absender auch online stellen, unter: www.dhl.de.

Keine Haftung der Deutschen Post beim Verlust von normalen Postsendungen

Verschwindet ein Päckchen oder eine Briefsendung, haftet die Deutsche Post nicht dafür. Grund: „Die Sendung kann nicht verfolgt, die Auslieferung nicht nachgewiesen werden“, heißt es bei der Deutschen Post. Und darum ist die Haftung ausgeschlossen. Bei Paketen, Expressbriefen oder Einschreiben haften die Deutsche Post beziehungsweise DHL dagegen durchaus.

Tipps für den Privatverkauf

Wer übers Internet Ware als Privatmann verkauft, sollte darum vorsichtig sein. Bei DHL kostet das günstigste Päckchen, das versichert ist, per Onlinefrankierung 4,99 Euro. Das sollten Ebay-Verkäufer grundsätzlich als Versandstandard für kleine, leichte Gegenstände auswählen. Das heißt jedoch auch, dass sich der CD- oder Buchversand möglicherweise nicht lohnen wird. Denn ein Käufer zahlt vermutlich für eine CD, die für einen Euro weggeht, kein Porto in Höhe von 4,99 Euro.

Entscheidet sich der Verkäufer für den herkömmlichen und günstigeren Versand, muss er damit rechnen, das Porto und den Kaufpreis ersetzen zu müssen, falls der Käufer sagt, dass das Produkt nicht ankam. Oder der Verkäufer lässt sich vom Käufer schriftlich bestätigen, dass dieser auf den teureren, aber sicheren Versand verzichtet.

Beim Verkauf über Amazon bekommt der Händler eine Versandgutschrift, die aber häufig nicht die Portokosten deckt. Ob er sich trotzdem für den teureren, versicherten Versand entscheidet, hängt vom persönlichen Ermessen und von der Werthöhe des verkauften Produktes ab. „Je höher der Produktwert, desto wichtiger ist der versicherte Versand“, rät so auch Rechtsanwalt Solmecke.

Unterschied zwischen Amazon und Ebay

Zwischen den Plattformen Ebay und Amazon gibt es einen wesentlichen Unterschied:

  • Bei Ebay können Privatverkäufer Rücknahme, Gewährleistung und Erstattung sehr einfach ausschließen, beispielsweise, indem sie in ihrer Produktbeschreibung „unter Ausschluss der gesetzlichen Gewährleistung, keine Rücknahme“ einfügen.
  • Amazon sieht zwar auch vor, dass man sich als Privatverkäufer anmeldet. Das ändert aber nichts daran, dass auf der entsprechenden Shopseite eine Rückgabemöglichkeit von 30 Tagen aufgeführt wird. Christian Solmecke: „Das sehen die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Amazon vor. Das deutsche Recht schließt aber eine Gleichbehandlung von gewerblichem und privatem Verkäufer aus. Darum sollten Privatverkäufer diesen Ausschlusssatz wenn möglich auch bei Amazon bei jeder Produktbeschreibung unterbringen“ – und zwar in dem Feld für die Produktbeschreibung. Dort kann allerdings nur eine begrenzte Zeichenanzahl eingegeben werden. Im Streitfall müsste vermutlich ein Gericht entscheiden. Doch bei Kleinstbeträgen, wie sie häufig beim Verkauf von Gebrauchtem im Netz der Fall sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es eher zur Mediation zwischen beiden Parteien kommen wird als zu einem Streit vor Gericht.

Tipps für Käufer

Wer im Internet auf Portalen wie Ebay und Amazon einkauft, sollte immer darauf achten, ob er bei einem gewerblichen oder bei einem privaten Verkäufer einkauft. Denn davon ist abhängig, welche Rechte der Käufer hat, falls es zu Problemen bei der Abwicklung kommt.


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