Manche Policen kann man sich sparen

Welche Versicherungen für die Reise wirklich sinnvoll sind

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Henstedt-Ulzburg. Jeder, der ins Ausland reist, sollte eine Auslandskrankenversicherung haben – so weit, so bekannt. Doch was ist von anderen Policen zu halten, die Reiseveranstalter oder Versicherer einem anbieten?

Wer die Urlaubsreise stornieren will, muss trotzdem oft zahlen. Bei einer kurzfristigen Absage in der Regel sogar 100 Prozent des Reisepreises. Dagegen kann man sich mit einer Reiserücktrittskostenversicherung absichern. Die zahlt dann übrigens nicht nur, wenn man selbst krank wird. Sondern auch, wenn nahe Angehörige schwer erkranken oder sterben, bei Impfunverträglichkeiten, bei einer Schwangerschaft, bei einem unerwarteten Jobwechsel – oder wenn Einbrecher oder ein Brand die Wohnung verwüstet haben.

„Bei teuren, langfristig gebuchten Reisen ist eine solche Versicherung sehr sinnvoll, bei kurzfristig gebuchten, preiswerten Reisen in der Regel überflüssig“, sagt der unabhängige Versicherungsberater Thorsten Rudnik. Ob der Abschluss angebracht ist, hängt aber auch von den Mitreisenden ab: „Wenn Senioren oder kleine Kinder mitfahren, ist die Police oft empfehlenswert, da diese häufig kurzfristig erkranken.“

Sinnigerweise sollte auch ein Reiseabbruch mitversichert sein. Dann gibt’s Geld, wenn man vorzeitig nach Hause zurückkehren muss.

Auch manche Kreditkarten bieten Reiserücktrittsschutz

Allerdings ist der Vertrag kein billiges Vergnügen. Für eine Reise im Gesamtwert von 1500 Euro muss man schon mit Kosten von rund 50 Euro rechnen. Verreist man mehrmals pro Jahr, kann eine Jahrespolice günstiger sein.

Rudnik hat dazu einen Spar-Tipp parat: „Manche Kreditkarten bieten einen integrierten Reiserücktrittsschutz.“ Allerdings muss man sich dafür an die Bedingungen des jeweiligen Karten-Unternehmens halten, also beispielsweise die Reise mit der Kreditkarte bezahlen.

Reisegepäckversicherungen zahlen, wenn Koffer & Co. unterwegs geklaut werden – zumindest theoretisch. „In der Praxis gibt es mit der Regulierung sehr häufig Probleme, weil man nicht sorgfältig genug auf seine Besitztümer geachtet hat“, so die Erfahrung von Versicherungsberater Rudnik. Beispielsweise wird in der Regel verlangt, dass man seinen Koffer nicht neben sich, sondern zwischen die Beine stellt und die Kamera dicht am Körper, nicht einfach am Schulterband trägt. „Das ist oft ziemlich lebensfern, wurde aber in der Rechtsprechung von verschiedenen Gerichten bestätigt.“ In der Regel lohnt sich diese Police also nicht.

Diebstahl im Urlaub kann ein Fall für die Hausratspolice sein

Zumal man auch ohne solch eine Versicherung nicht ohne jeden Schutz da steht: Verliert beispielsweise die Fluggesellschaft das Gepäck, haftet sie für den Schaden – wobei es höchstens rund 1.300 Euro pro Person gibt. Und nach einem Einbruch ins Hotelzimmer leistet normalerweise die Hausratversicherung. „Allerdings muss es sich um einen echten Einbruch mit entsprechenden Spuren handeln“, erklärt Rudnik. Wenn also diebisches Personal die Zimmer leer räumt, gibt’s kein Geld von der Versicherung.

Wird Gepäck aus dem Auto geklaut, kommt es auf das Kleingedruckte an. „In vielen modernen Hausratspolicen ist Gepäck im verschlossenen Auto bis zu einem gewissen Wert mitversichert“, so Rudnik. Manche Anbieter zahlen aber nicht in allen Reiseländern oder nur dann, wenn das Auto im Parkhaus stand.

Automobilklubs und Kfz-Versicherer bieten sogenannte Auslandsschutzbriefe an. Dann zahlt der Anbieter beispielsweise Pannenhilfe, die Bergung eines Fahrzeugs, Ersatzteile und Ähnliches. „Wenn man regelmäßig mit dem Auto ins Ausland fährt, kann die Versicherung sinnvoll sein“, sagt der Experte. „Aber die Leistungen sind sehr unterschiedlich: Hier sollte man genau prüfen, was man für sein Geld erhält.“ Und die meisten Hersteller bieten Neuwagenkäufern inzwischen sowieso eine Mobilitätsgarantie, die in den ersten Jahren Schäden am Fahrzeug abdeckt – auch im Ausland.

Wer einen Mietwagen bucht, muss aufpassen

Wer im Ausland spontan ein Auto mietet, sollte genau auf die Haftpflichtsumme achten. Deutsche oder große internationale Vermieter bieten in der Regel einen ausreichenden Versicherungsschutz, sind allerdings meist ziemlich teuer. „Bei den preiswerten, lokalen Anbietern vor Ort ist die Deckung oft viel zu niedrig, manchmal nur einige 100.000 Euro“, warnt Rudnik. Das reicht bei schweren Unfällen absolut nicht aus! „Wer im Internet oder am Urlaubsort bucht, sollte deshalb die meist angebotene Erhöhung der Versicherungssumme unbedingt mitnehmen“, rät der Fachmann. Empfehlenswert sei eine Deckungssumme von 10 Millionen Euro.

Wer schon vorher weiß, dass er im Urlaub einen Mietwagen benötigt, kann vorab in Deutschland eine sogenannte Mallorca-Police abschließen. Damit erhöht man den Versicherungsschutz unabhängig vom Mietwagen-Anbieter auf deutsches Niveau. In vielen Kfz-Haftpflichtversicherungen ist ein entsprechender Zusatzschutz schon enthalten oder gegen kleines Geld zubuchbar – also einfach mal beim Versicherer nachfragen.


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aktualisiert am 09.10.2017

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