Von wegen Kapitalerhalt

Was Sie über Lebensversicherungen ohne Garantiezins wissen sollten

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Stuttgart. Nach Unternehmensangaben sind sie der Renner: Lebensversicherungen ohne Garantiezins, die seit einiger Zeit auf dem Markt sind. Im Gegensatz zur klassischen Rentenversicherung gibt es dabei keine Zinsen mehr. Die Anbieter garantieren lediglich Erhalt des eingezahlten Kapitals, aus dem dann eine Rente gezahlt wird. „Man könnte das Geld also auch unters Kopfkissen legen“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Riskante Versprechen

Immerhin, das klingt so, als ob man mit dieser Versicherung wenigstens kein Geld verlieren könnte. Ganz falsch! „Wegen der Inflation kann das Ersparte bei Rentenbeginn viel weniger wert sein als heute“, sagt Nauhauser. Als Faustregel kann man sich hier merken: Etwa alle 30 Jahre halbiert sich der Wert des Geldes.

Außerdem gilt der garantierte Kapitalerhalt nur, wenn man die Versicherung bis zum Ende durchhält. Wer vorzeitig aus dem Vertrag heraus muss, zahlt kräftig drauf. Wie bei jeder anderen Renten- oder Lebensversicherung ist auch hier der so genannte Rückkaufswert nämlich sehr niedrig. Das bedeutet, dass man viel weniger zurückbekommt, als man eingezahlt hat, weil die Versicherung ihre Unkosten abzieht.

Fazit: Bei den neuen Produkten verdient der Kunde nur vielleicht, der Versicherer aber auf jeden Fall. Man kann nämlich davon ausgehen, dass die Versicherer auch bei Niedrigzinsen zumindest so viel erwirtschaften, dass es für ihre eigenen Gebühren reicht. Schließlich arbeitet kein Unternehmen umsonst und bietet Produkte an, die ein Minusgeschäft sind.

Blumige Gelöbnisse

Warum schließt irgendjemand solche Versicherungen ab? Die Anbieter versprechen höhere Ertragschancen im Vergleich zur klassischen Lebensversicherung. Sie locken mit blumigen Werbeaussagen, in denen von höheren Überschüssen, Chancen oder intelligenten Anlagen die Rede ist.

Der Knackpunkt daran: „Die Erträge sind eben nur ein Versprechen, keine Garantie“, sagt Nauhauser. Wie viel am Ende wirklich herauskommt, steht in den Sternen. „Seit Jahren sinken die Zinsen und die Überschüsse der Versicherer. Eine Trendwende ist hier nicht in Sicht“, erklärt der Experte. Selbst wenn die Zinsen demnächst wieder steigen sollten, werde es lange dauern, bis dies bei den Versicherten ankomme.

Altverträge kommen zuerst

Außerdem haben die Unternehmen noch viele Altverträge mit hohen Garantiezinsen in ihren Büchern. „Diese Altlasten müssen zuerst bedient werden“, sagt Nauhauser. Mit Pech bleibt dann für die neuen Verträge ohne Garantiezins nichts mehr übrig.

Finanzexperte Nauhauser rät deshalb: „Kein Neuabschluss von Rentenversicherungen – egal, ob mit oder ohne Garantiezins.“ Einzige Ausnahme: „Bei der betrieblichen Altersvorsorge kann eine solche Versicherung unter bestimmten Bedingungen Sinn machen“, sagt Nauhauser.


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aktualisiert am 29.09.2017

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