Finanz-Experte: „Höhere Rendite bedeutet immer höheres Risiko“

Was Kleinanleger aus dem Fall Prokon lernen sollten


Stuttgart. Prokon ist insolvent: Rund 75.000 Menschen werden wohl das Geld verlieren, das sie in riskante Papiere dieser Firma gesteckt haben. Damit sind mehr deutsche Kleinanleger betroffen als seinerzeit von der Pleite der US-Bank Lehman Brothers. Wie sollte die Politik reagieren – und was muss man als Sparer beachten? AKTIV sprach darüber mit Niels Nauhauser, der als Experte für Finanzfragen in der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg arbeitet.

Warum haben sich so viele für Prokon begeistert?
Der Anlegerschutz kommt bei uns noch viel zu kurz, wenn es um die Werbung und den Direktvertrieb riskanter Anlageformen geht. Genussrechte, geschlossene Fonds und so fort sind einfach nichts für Kleinanleger. Aber gerade die lassen sich von tollen Renditeversprechen anlocken – der Schein der Einfachkeit entscheidet da oft.

Dabei gibt es eigentlich eine ganz einfache Regel ...
Ja. Höhere Rendite bedeutet immer auch ein höheres Risiko. Das kann man gar nicht oft genug wiederholen.

Trotzdem sollte man Kleinsparer besser vor dem ungeregelten Kapitalmarkt schützen. Etwa durch Verkaufsverbote?
Nicht unbedingt. Im Direktvertrieb sollte ein Warnhinweis Pflicht werden, wie bei Zigaretten. Wenn auf Seite eins einer Postwurfsendung unübersehbar stehen muss „Totalverlust Ihres Geldes bei dieser Anlageform möglich“ – dann würden viele wohl die Finger davon lassen. Zweitens sollte nur direkt vertrieben werden dürfen, was auch an der Börse gehandelt wird: Das würde für mehr Transparenz sorgen. Und drittens sollte die Politik den Beruf des unabhängigen Beraters auf den Weg bringen. Der Bedarf an guter Beratung ist ja immens.

So ein Berater würde dann direkt vom Anleger bezahlt?
Genau. Und er würde nie den Kauf zu riskanter Produkte empfehlen.

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