Bares und Sachleistungen

Was genau zahlt die Pflegekasse? Und in welchem Fall?

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Berlin. Wenn Angehörige Hilfe im Alltag brauchen, entstehen oft zusätzliche Kosten. Gesetzlich Versicherte haben Ansprüche auf Leistungen der Pflegeversicherung. Geld gibt’s aber grundsätzlich nur, wenn jemand in nennenswertem Umfang Unterstützung benötigt.

Ob und wie viel die Kasse zahlt, entscheidet sich nach einem Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Den kann man formlos bei der Krankenkasse beantragen. Dann kommt ein MDK-Mitarbeiter ins Haus und beurteilt, ob die Kriterien für eine Pflegestufe erfüllt sind. Das Minimum ist ein täglicher Hilfebedarf von 90 Minuten.

Je mehr Unterstützung jemand benötigt, desto höher ist die Pflegestufe und desto höher sind die Leistungen der Versicherung. Etwas Geld gibt es auch, wenn jemand zwar körperlich topfit ist, jedoch beispielsweise wegen Demenz beaufsichtigt werden muss. Wer dagegen nur gelegentlich Unterstützung braucht, etwa beim Tragen schwerer Einkaufstaschen, bekommt nichts.

Pflegegeld: Bares für die Helfer

Wohnt der Hilfsbedürftige noch zu Hause, kann er grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Leistungen der Pflegeversicherung wählen: Beim Pflegegeld wird der jeweilige Betrag direkt an den Pflegebedürftigen überwiesen. Mit dem Geld kann der Empfänger machen, was er will. Er kann damit also beispielsweise eine Hilfskraft aus Osteuropa bezahlen oder auch die eigenen Kinder, die sich regelmäßig um ihn kümmern.

Pflegesachleistungen

Beauftragt man dagegen einen Pflegedienst, handelt es sich im Behördendeutsch um Pflegesachleistungen. Hier sind die Leistungen deutlich höher als beim Pflegegeld. In diesem Fall bekommt man aber kein Geld überwiesen, sondern der Pflegedienst rechnet direkt mit der Kasse ab.

Man kann auch eine einzelne Person mit der Pflege beauftragen, etwa eine selbstständige Altenpflegerin. Im Amtsdeutsch heißt das Einzelpflegekraft. Das geht aber nur, wenn die Pflegekasse einen Vertrag mit der betreffenden Einzelpflegekraft hat.

Kombinationsleistungen

Es ist möglich, Pflegegeld und Pflegesachleistungen (also den Pflegedienst) miteinander zu kombinieren. Dazu ein Beispiel: Bei Pflegestufe II hätte man entweder Anspruch auf Leistungen eines Pflegedienstes im Wert von 1.144 Euro (Pflegesachleistungen) oder auf Pflegegeld in Höhe von 458 Euro. Kostet der Pflegedienst jetzt aber beispielsweise nur rund 800 Euro, hat man erst 70 Prozent des Anspruchs verbraucht. Für den restlichen Anteil bekommt man Pflegegeld – und zwar 30 Prozent von 458 Euro, also 137,40 Euro.

Kosten für Hilfsmittel

Für Windeln, Einmalhandschuhe, Betteinlagen und ähnliche Dinge, die man bei der Pflege verbraucht, gibt’s pauschal 40 Euro monatlich. Technische Hilfsmittel wie beispielsweise spezielle Betten übernimmt die Kasse je nach Bedarf. Allerdings sind dabei Zuzahlungen fällig – und zwar 10 Prozent der Kosten, maximal 25 Euro.

Umbau der Wohnung

Muss die Wohnung umgebaut werden, damit der Hilfsbedürftige weiter Zu Hause leben kann, gibt es ebenfalls Geld von der Pflegekasse. Für jede Maßnahme werden maximal 4.000 Euro gezahlt. Auch die Förderbank KfW unterstützt den altersgerechten Umbau. 

Weitere Leistungen

Außerdem hat man Anspruch auf diverse zusätzliche Unterstützungsleistungen der Kasse. Beispielsweise kann man den Hilfsbedürftigen stundenweise in eine Tagespflege bringen, damit pflegende Angehörige Zeit für Einkäufe und andere Besorgungen haben. Zudem übernimmt die Pflegekasse kurzfristige Heimaufenthalte, wenn pflegende Angehörige beispielsweise wegen Krankheit oder Urlaub ausfallen.

Weiterhin werden für pflegende Angehörige unter bestimmten Bedingungen Beiträge für die Arbeitslosen- und die Rentenversicherung sowie Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt. Zudem werden Pflegekurse finanziert, damit man bei der Pflege alles richtig macht.

Berufstätige Angehörige können sich für die Organisation der Pflege bis zu zehn Tage lang freistellen lassen und erhalten in dieser Zeit seit Januar 2015 Pflegeunterstützungsgeld von der Pflegeversicherung. Außerdem hat man unter bestimmten Bedingungen bis zu zwei Jahre lang Anspruch darauf, die Arbeitszeit zu reduzieren.

Beraten lassen

Leider sind die Regelungen bei der Pflegeversicherung ziemlich kompliziert. Man sollte sich also beraten lassen, was einem im Einzelfall tatsächlich zusteht. Dazu gibt es überall im Land sogenannte Pflegestützpunkte. Die Adressen erfährt man von der zuständigen Krankenkasse oder findet sie im Internet.

Heimaufenthalt

Ist die Pflege zu Hause nicht (mehr) möglich, zahlt die Pflegekasse feste Zuschüsse für das Heim. Den Rest muss der Pflegebedürftige selbst finanzieren, beispielsweise aus seiner Rente, Lebensversicherungen oder aus seinem Ersparten. Bei Verheirateten zählt natürlich auch das Geld des Ehepartners mit.

Manchmal müssen die Kinder zahlen

In vielen Fällen kann der Heimbewohner die Zuzahlung für das Heim nicht selbst aufbringen. Dann sind die Kinder in der Pflicht. Hierbei gibt es einen Selbstbehalt. Die Sätze sind zum 1. Januar 2015 erhöht worden und betragen nach der „Düsseldorfer Tabelle“ für einen Single 1.800 Euro pro Monat, für ein Ehepaar 3.240 Euro. Dazu kommen diverse Freibeträge, etwa für die Alterssicherung sowie Zuschläge für jedes Kind. Da die Berechnung des Elternunterhalts ziemlich kompliziert ist und den Ämtern hier durchaus auch Fehler unterlaufen können, sollte man sich unbedingt beraten lassen. Mehr hierzu lesen Sie hier auf AKTIVonline.

Weiterführende Informationen und aktuelle Pflegesätze:

Krankenkassen:
Erster Ansprechpartner zum Thema Pflege ist die Krankenkasse des Pflegebedürftigen – einfach mal anrufen und nachfragen. Viele Kassen stellen auch auf ihren Internetseiten umfassende Informationen zum Thema Pflege bereit.

Offizielles Informationsportal des Bundesfamilienministeriums zum Thema Pflege:
wege-zur-pflege.de

Informationsportal des Bundesfamilienministeriums zu allen Leistungen für Familien, darunter auch Pflegeleistungen:
familien-wegweiser.de

Informationen auf dem Portal des Bundesgesundheitsministeriums:
bmg.bund.de

Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums zur Pflegeversicherung:
030 - 340 60 66 02
(Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr, Freitag von 8 bis 15 Uhr)

Lesenswerte Broschüre des Bundesgesundheitsministeriums:
Kostenloser PDF-Download unter bundesgesundheitsministerium.de


Mehr zum Thema:

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