Entscheidungsunfähig – und dann?

Warum eine Vollmacht für den Ernstfall sehr nützlich ist

Foto: dpa

Hamm. Ein tragischer Unfall, eine fiese Erkrankung – das kann jedem passieren. Wer dann bewusstlos oder mit Medikamenten zugedröhnt in der Klinik liegt, ist womöglich über Wochen ausgeschaltet. Daher muss man wissen: „Ohne Vollmacht darf niemand irgendetwas entscheiden. Nicht einmal der Ehepartner.“

So fasst Hubertus Rohlfing, Fachanwalt für Erbrecht und Notar in Hamm, die Rechtslage zusammen. Das heißt: Es kommt zum Beispiel niemand ans Konto, keiner darf den Urlaub stornieren oder teure Verträge etwa mit dem Fitnessstudio auf Eis legen.

Auch wenn bei Versicherungen Leistungen beantragt werden müssten oder mit dem Finanzamt Dinge zu klären wären, sind den Angehörigen die Hände gebunden. Folge: „Ohne Vollmacht muss vom Gericht ein Betreuer bestellt werden, der entscheiden darf“, warnt Rohlfing.

Und das kann dauern. Mit Pech macht das Gericht dann sogar jemanden zum Betreuer, den man selbst eher nicht ausgewählt hätte, etwa die unzuverlässige Schwester oder den klammen Bruder.

Wer sich und die Liebsten da absichern möchte, kann eine Vorsorgevollmacht erteilen. Damit bestimmt man selbst, wer im Falle eines Falles entscheiden darf.

Klar, dass nur absolute Vertrauenspersonen als Bevollmächtigte infrage kommen. Immerhin: „Vollmachten können jederzeit ohne Angabe von Gründen geändert oder widerrufen werden“, erklärt der Jurist.

Justizministerium leistet bei diesem heiklen Thema kostenlose Hilfestellung

Man kann vorgeben, ob der Bevollmächtigte ohne Einschränkungen über alles entscheiden darf oder nur über einzelne Bereiche, beispielsweise die Post oder die Gesundheit. „Letzteres ist aber nicht zu empfehlen, weil dann für die nicht geregelten Bereiche vom Gericht ein Betreuer eingesetzt werden muss“, so Rohlfing. Das Bundesjustizministerium gibt bei diesem heiklen Thema kostenlose Hilfestellung: Auf bmjv.de finden sich eine Broschüre über das Betreuungsrecht und ein Link zu Vollmacht-Formularen, die man nur noch ausfüllen muss.

„Selbst formulierte Vollmachten sind häufig nicht eindeutig genug und deshalb ungünstig“, so die Erfahrung des Experten.

Übrigens: Allein für den Zugriff aufs Konto genügt eine Bankvollmacht – die Kreditinstitute haben dafür jeweils eigene Formulare.

Online-Zugang möglich machen

  • Im weltweiten Web hilft eine deutsche Vollmacht oft gar nicht oder erst mit großer Verspätung weiter.
  • Also ist es sinnvoll, wichtige Zugangsdaten zu notieren und eine Vertrauensperson wissen zu lassen, wo sie diese Liste im Notfall finden kann. Ein klassischer Zettel ist in diesem Fall besser als eine Datei irgendwo auf dem PC.
  • Dabei sollte man vor allem an E-Mail-Konten und soziale Netzwerke denken, an Ebay, Amazon & Co. – aber zum Beispiel auch an die PIN fürs Smartphone.

Weitere Tipps für Notfälle:

Ob bei einem Brand oder einem Einbruch: Dokumente können zerstört werden oder verschwinden. Darum, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, gehören wichtige Unterlagen in ein Schließfach. Zum Beispiel …

Das Hab und Gut schützen, die Familie absichern, nach Unfällen zumindest finanziell aus dem Schneider sein: Für solche Zwecke gibt es alle möglichen Versicherungen. Doch welche Policen sind unverzichtbar oder zumindest wirklich nützlich?

aktualisiert am 09.10.2017

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang