Überweisung vergessen?

Wann die erste Mahnung schon Geld kosten darf – und wann nicht

Foto: Fotolia

Köln. Das kann dem ordentlichsten Menschen passieren: Rechnung verschusselt – eine Mahnung flattert ins Haus. Kann der Absender dafür schon etwas verlangen?

„Grundsätzlich darf ein Unternehmen erst Mahngebühren verlangen, wenn man im Verzug ist“, erklärt der Kölner Rechtsanwalt Harald Rotter. In den meisten Fällen bedeutet das: ohne Mahnung kein Verzug – und damit keine Zusatzkosten. Hat sich die Mahnung also mit der Zahlung überschnitten, kann man sie getrost in den Papierkorb werfen. Die Frist auf der Rechnung ist unwichtig: Auch wenn man verspätet überwiesen hat, kostet das nichts extra.

Die erste Mahnung ist normalerweise gratis, pauschale Mahngebühren muss man nicht hinnehmen. Mit einer Ausnahme: Steht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder auch im Kaufvertrag, dass schon für die erste Mahnung pauschale Gebühren fällig werden, muss man diese auch zahlen. Ein entsprechender Hinweis nur auf der Rechnung dagegen reicht laut Rotter nicht aus.

Im Fall des Falles sollte man nicht mehr als 10 Euro bezahlen

Wenn im Kleingedruckten steht, dass Rechnungen innerhalb von soundsoviel Tagen gezahlt werden müssen, ist der Kunde bei verspäteter Überweisung automatisch in Verzug – und muss eventuelle Zusatzgebühren tragen.

Pauschale Mahngebühren darf der Rechnungssteller jedenfalls ab der zweiten Mahnung verlangen. Dabei kann er nicht in die Vollen greifen: Laut Rechtsprechung sind im Normalfall nur geringe Beträge angemessen. Rotter empfiehlt, im Fall des Falles nicht mehr als 5 bis 10 Euro zu zahlen. Will die Firma mehr, muss sie die Kosten einzeln nachweisen – was in der Praxis so gut wie nie passiert.

Und wenn Sie selbst mal einen Schuldner mahnen müssen? Geht ganz einfach! Unseren Bericht dazu finden Sie hier:


Mehr zum Thema:

Immer Streit ums Bare: Per gerichtlichem Mahnbescheid kommen Gläubiger unter Umständen schneller an ihr Geld als mit einer Klage. Zu Unrecht gemahnte Schuldner können sich umgekehrt aber auch leichter wehren.

aktualisiert am 01.04.2016

Wer Schulden hat, sollte seine Rechte kennen: Denn im Auftrag von Gläubigern verschicken Inkasso-Firmen fast 20 Millionen Mahnungen im Jahr. Wie Sie sich vor schwarzen Schafen und eigenen Fehlern hüten, lesen Sie hier.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang