Fahrrad-Innovationen

Vom revolutionären E-Bike bis zum Wunderlicht: Wie deutsche Ingenieure das Rad neu erfinden

Köln. Ein E-Bike, dessen Antrieb nach dem Prinzip der Magnetschwebebahn Transrapid arbeitet. Eine Gangschaltung, die gut 100.000 Kilometer hält. Leuchten, die 50 Meter weit ins Dunkel strahlen – deutsche Ingenieure erfinden das Rad neu.

260 Betriebe mit 20.000 Mitarbeitern und 4 Milliarden Euro Jahresumsatz hat die deutsche Fahrrad-Industrie. Die meisten bauen ihre Produkte mit Komponenten aus China oder Taiwan zusammen. Doch einige setzen mit Innovationen neue Maßstäbe.

Antrieb:

Bosch hat sich bei Motoren für Elektro-Räder zum europäischen Marktführer hochgearbeitet. Allein in Deutschland hatte 2013 jedes dritte verkaufte Strom-Bike einen Motor der Schwaben.

Dabei bekommt Bosch bald Konkurrenz: Bei CarboFibretec in Friedrichshafen befindet sich ein Prototyp im Test, der sich die Technik aus dem Transrapid zunutze macht: Der E-Motor braucht kein Getriebe, da er mit Magnetkraft funktioniert.

Auf der Felge des Hinterrads stecken 360 Magnete, und im Rahmen befinden sich Stromspulen. Werden die Spulen vom Akku unter Strom gesetzt, erzeugen sie zusammen mit der Felge ein Magnetfeld. Dieses wiederum treibt das Hinterrad an, was den Fahrer beim Treten unterstützt. Der Motor wiegt drei Kilo, zwei weniger als ein konventioneller Antrieb.

Federung:

Ein neuartiges System von Magura im schwäbischen Bad Urach erkennt über Sensoren die Beschaffenheit und das Gefälle der Strecke und stellt sich automatisch blitzschnell darauf ein. Quält sich der Biker einen Berg hoch, schaltet das System, bestehend aus Gabel und Dämpfer, auf „Hart“. Geht es dagegen abwärts, federt es die Stöße ab (Preis: knapp 1.500 Euro).

Schaltung:

Rohloff in Fuldatal bei Kassel fertigt eine 14-Gang-Nabenschaltung. Sie gilt als die beste der Welt und kostet 900 Euro aufwärts. Das Getriebe bietet so viele Übersetzungen wie eine Kettenschaltung – und läuft auch noch nach 100.000 Kilometern.

Eine Kettenschaltung, die nicht auf der Hinterradnabe sitzt, sondern im Tretlager, hat Pinion in Denkendorf bei Stuttgart entwickelt. So sind die Zahnräder vor Verschmutzung und Verschleiß geschützt. Die Entwicklung besteht aus zwei Zahnradsätzen mit je sechs und drei Übersetzungen. Dadurch lassen sich insgesamt 18 Gänge schalten. Komplett-Bike ab 2.500 Euro.

Licht:

Eine Lichtkanone kommt von Busch & Müller im sauerländischen Meinerzhagen. Die Hightech-Lampe (rund 75 Euro) strahlt 50 Meter weit und leuchtet die Fahrbahn gleichmäßig aus. Auch beim Design setzt der Betrieb Akzente: Er hat mit einer Partnerfirma Schutzbleche entwickelt, in die Vorder- und Rücklicht integriert sind.

Vorbei sind übrigens die Zeiten, in denen das Fahren mit Licht zusätzlich mächtig Kraft kostete. Der Tübinger Ingenieur Wilfried Schmidt hat den Nabendynamo perfektioniert. Im Gegensatz zu den gängigen Produkten erzeugt der kaum noch Wirbelströme, die das Rad bremsen. Preis inklusive Vorderrad: mindestens 250 Euro.


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