Erfinder

Verrückte Ideen verleihen Flügel


Die freiberuflichen Erfinder arbeiten auf eigenes Risiko. AKTIV stellt einige vor

Herrlich warmes Wetter, Super-Stimmung: Linda Rampmaier schwingt sich ins Auto, düst zu einer Hochzeit. Nach ein paar Stunden möchte die Frau aus Neckarsulm ihre Lippen neu schminken. Geht zum Wagen, greift zum Lippenstift. Und erlebt ein Malheur. Er ist ausgelaufen! Schlimmer noch – er hat jetzt auch noch ihr schönes Kleid bekleckst: „Da war für mich der ganze Tag ruiniert.“

 

Die peinliche Panne hat die  48-Jährige so geärgert, dass sie einen Lippenstift-Kühler erfand. Der enthält ein Gel, das vor Hitze schützt.

„Es gab zahlreiche Gespräche mit Designern, und auch die Suche nach dem richtigen Kühlmittel war schwierig“, erinnert sich Rampmaier. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft  ist  das  coole  Accessoire in Form eines Plastik-Eis auf den Markt gekommen.

 

Tüftler reichten 5.000 Patente ein

 

Linda Rampmaier gehört zu den zigtausend freien Erfindern in Deutschland. Die Mut zum Risiko haben. Und auf eigene Rechnung arbeiten, weil sie kein finanzstarkes Unternehmen mit Forschungsabteilung im Rücken haben.

Trotzdem behaupten sich Tüftler-Typen wie Rampmaier tapfer gegenüber der professionen Konkurrenz in den Betrieben. 2006 meldeten die unabhängigen Erfinder rund 5.000 Neuerungen zum Patent an, immerhin jede zehnte: Alles in allem reichten unsere Tüftler und Unternehmen 48.000 Innovationen beim Deutschen Patentamt ein.

 

Auch Roland  Wiener aus Kolbermoor bei Rosenheim ist ein solcher freier Erfinder. Seit zwölf Jahren arbeitet er an einem völlig neuen Fluggerät. Er erklärt es  anhand eines Präsentationsmodells: eine Batman-Figur mit einer merkwürdigen Apparatur im Rücken. Die hat einen kleinen Motor, zwei Rotoren – und sieht ziemlich spinnert aus. Doch der Tüftler meint es ernst: „Es funktioniert im Prinzip wie ein Hubschrauber, ist nur deutlich billiger.“

Banken knausern mit Krediten

 

Versuche mit ferngesteuerten, selbst gebastelten Modellen ließen sich zwar gut an. Doch mit dem Auftrieb will es  nicht richtig funktionieren.

Deshalb braucht der Mann noch viel Geduld. Und einen langen Atem. Dazu kommt:  In Deutschland sind Erfinder weitgehend auf sich allein gestellt.

 

 

Bei uns ist das Klima für die freischaffenden Erfinder ziemlich rau. Es gibt nämlich kaum eine Förderung – und die Banken halten sich mit Krediten zurück. Daher müssen die Tüftler die Entwicklung ihrer Neuerung meist aus eigener Tasche bezahlen. Was viele überfordert.

Zudem versäumen es manche, ihre Idee rechtzeitig zum Patent anzumelden. Mit der Folge, dass andere die geniale Idee einfach kopieren.

 

Martin Blumenthal aus Korschenbroich (nahe Düsseldorf)  hat bisher alles richtig gemacht. Er entwickelte einen Keramik-Chip, der im Auto zwischen Kraftstofffilter und Einspritzpumpe eingebaut wird. Die patente Idee verringert  den  Ausstoß  des  Klima-Killers Kohlendioxid um bis zu 30 Prozent und den Spritverbrauch um bis zu 18 Prozent.

Erste Tests unternahm der Erfinder mit einem alten Traktor. Er rüstete ihn nach, trat kräftig aufs Gaspedal – und staunte: keine Rußwolke mehr aus dem Schornstein! Jetzt sucht er nach einem finanzstarken Partner, um die Neuerung in großer Serie zu fertigen.

Rentner gelang ganz großer Wurf

So weit sind die beiden Schüler Dominik Ebner und Philipp Jacoby aus Waldshut allerdings noch nicht. Doch ihre Innovation besticht: Ein Dreh am Nordic-Walking-Stock – und schon schiebt sich eine Spitze durch den Gummiaufsatz. Und damit  entfällt das lästige Wechseln.

Der ganz große Wurf ist  dem Rentner Heinz Rath, ehemaliger Technischer Direktor eines Autozulieferers, gelungen. Er entwickelte ein Minensuchgerät, konnte einen Schweizer Rüstungskonzern für den teuren Bau von Prototypen gewinnen. Inzwischen war der „Minen Wolf“ in verschiedenen Kriegsgebieten im Einsatz. Und seine Produktion hat hierzulande immerhin 50 Arbeitsplätze geschaffen.

Wilfried Hennes

 

Von der Idee zur Vermarktung

Zündende Ideen alleine reichen nicht für den Erfolg. Es kommt auch auf die  Vermarktung an. Die wichtigsten Fragen:

  • Ist meine Erfindung neu?
    Klarheit verschafft eine kostenlose Recherche in der Datenbank des Deutschen Patentamts:  www.depatisnet.de
  • Gibt es einen Markt?
    Hier ist Insti, das Erfindernetzwerk des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ein guter Ansprechpartner. Es unterstützt und fördert Unternehmen und Existenzgründer – und verfügt über Experten zum Thema. www.insti.de
  • Was muss ich rechtlich beachten (Beispiel Patentschutz)?
    Infos rund um den gewerblichen Rechtsschutz erhalten Sie ebenfalls  vom Deutschen Patentamt, diesmal unter: www.dpma.de  Außerdem von der Anwaltskanzlei Cohausz Dawidowicz Hannig & Sozien. Sie gehört zu den wenigen deutschen Kanzleien, in denen Patentanwälte und Rechtsanwälte unter einem Dach zusammenarbeiten: www.copat.de
  • Wo kann ich mich mit Gleichgesinnten austauschen?
    Bundesweit gibt es 133 Erfinderclubs, dazu eine Datenbank mit mehr als 1200 patenten Ideen. Ansprechpartner in Ihrer Region unter www.erfinderclubs.de

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