Textile Riesen-Hülle

Verpackungskünstler Christo verzaubert Gasometer Oberhausen


Oberhausen. Früher wurden hier Tausende Kubikmeter Gas gespeichert. Jetzt bläht sich im Gasometer Oberhausen – dem bekannten Industriedenkmal im Herzen des Ruhrgebiets – eine riesige Textilhülle: das „Big Air Package“. Dieses große Luftpaket ist das neueste Kunstwerk des berühmten Verpackungskünstlers Christo. Durch eine über 20.000 Quadratmeter große Textilhülle fällt difuses Licht 117 Meter tief bis auf den Boden des ehemaligen Gasspeichers.

„Das ist ein wirklich spektakulärer Ausblick“, schwärmt Robert Meyknecht, Chef der Lübecker Firma „Geo – Die Luftwerker“. Dort wurden die Stoffbahnen zusammengenäht. Und nicht nur das.

Die Luftfahrtspezialisten in Lübeck nutzten ihr Know-how rund um die Prüfung und Reparatur von Heißluftballons, um die Idee des 77-jährigen Künstlers zu verwirklichen. „Wir waren für die Entwicklung, Kons­truktion und den Aufbau verantwortlich“, so Meyknecht. 

In mehr als 2.800 Stunden haben die Näherin Mary Timm und neun weitere Mitarbeiterinnen in Lübeck insgesamt sieben große Stoffteile mit einem Spezialfaden zusammengefügt.

Stoff hält das Gewicht eines Geländewagens

Das Nähgarn quillt auf und verschließt so die winzigen Löcher, die beim Nähen entstanden sind.

Ende Januar gingen die Einzelteile via Lkw nach Oberhausen. Dort wurden sie mit einer Technik, ähnlich dem Klett-Verschluss, zu dem Riesengebilde im Gasometer zusammengefügt und fest verzurrt – mit 4.500 Metern Seil. „Das war eine knifflige Sache, schließlich mussten die Verbindungen zwischen den Stoffteilen insgesamt über fünf Tonnen Gewicht halten“, so Meyknecht.

20.350 Quadratmeter Stoff – das entspricht etwa drei Fußballfeldern

Eine wahre Zerreißprobe, auch für den Stoff. Das Spezialgewebe stammt vom Mönchengladbacher Textilunternehmen Junkers & Müllers und wurde extra für das „Big Air Package“ Projekt entwickelt. „Vom ersten Kontakt mit dem Christo-Team bis zur Auslieferung des Stoffes dauerte es zwei Jahre“, erinnert sich Geschäftsführer Christian Junkers. Die Herstellung habe dann nur eine Woche gedauert.

Das robuste Gewebe ist Hightech vom Feinsten: lichtdurchlässig, luftdicht und extrem reißfest. Es besteht aus 100 Prozent Polyester und ist mit einer speziellen Beschichtung versehen. Junkers: „Tatsächlich könnte man einen mittelschweren Geländewagen an einem ein Meter breiten Streifen dieses Stoffes hochziehen.“

Diese Reißfestigkeit macht Christos Kunstwerk auch technisch zu etwas Besonderem. Es kommt ganz ohne tragende Konstruktion aus – allein über die Seile getragen und durch einen konstant erzeugten Luftdruck von 0,2 Millibar gestützt. So hält sich die Hülle ständig auf einer Höhe von 90 Metern und einer Breite von 50. Damit ist das „Big Air Package“ die größte jemals geschaffene Hülle, die allein durch Luftdruck aufrechterhalten wird.

Christos Werk ist noch bis zum 30. Dezember zu besichtigen.

Infos unter: gasometer.de

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Fakten: Höchste Ausstellungshalle Europas

  • Bis 1988 war der größte Scheibengasbehälter Europas mit einem Volumen von 347.000 Kubikmetern noch in Betrieb. 
  • Im Jahr 1994 wurde der Gasometer für 16 Millionen D-Mark zur höchsten Ausstellungshalle Europas umgebaut.   
  • Mit „The Wall“ stellte Christo schon 1999 ein Kunstwerk dort aus. Damals durchzog eine 26 Meter hohe Wand aus 13.000 Ölfässern die gesamte Breite des Gasometers.

Unternehmen in diesem Artikel

geo Die Luftwerker

Map
geo Die Luftwerker
Hinter den Kirschkaten 10
23560 Lübeck

Zum Unternehmensfinder

Junkers & Müllers GmbH

Map
Junkers & Müllers GmbH
Bolksbuscher Straße 27
41239 Mönchengladbach

Zum Unternehmensfinder
Adventskalender-Gewinnspiel

Service-Angebote auf AKTIVonline:

Wirtschaftslexikon
Unternehmensfinder
Energiespar-Rechner
Messe-Kalender
Ferien-Kalender
'' Zum Anfang