Zu schade für den Müll

Upcycling: Findige Firmen machen aus alten Materialien schicke Produkte für den Alltag

Köln. In den Lagerhallen der Firma Feuerwear stapeln sich meterhoch Rollen verschlissener Feuerwehrschläuche. Abfall? Keineswegs! „Das ist unser wichtigster Rohstoff“, sagt Gründer Martin Klüsener aus Köln. Aus den Schläuchen kreiert er mit seinem Bruder Robert und einem Dutzend Mitarbeitern Taschen, Gürtel, Smartphone-Hüllen, sogar Geldbeutel. Stückzahl insgesamt: rund 40.000 pro Jahr.

„Allein seit 2012“, bilanziert der ungewöhnliche Unternehmer, „haben wir über 100 Kilometer Feuerwehrschlauch verarbeitet, schöne Sachen gefertigt – und der Umwelt etwa 50 Tonnen Abfall erspart!“

„Käufer legen Wert auf Individualität“

Dahinter steht ein Trend, der sich in Europa und den USA ausbreitet: „Upcycling“. Immer mehr Designer springen auf. Aus Alt mach Neu – ausrangiertes Material wird nicht etwa geschreddert, eingeschmolzen oder verbrannt, sondern erhält direkt ein zweites Leben. Während Werkstoffe beim Recycling in der Regel an Qualität verlieren, wertet Upcycling sie auf.

Kreative wie Martin Klüsener treffen damit den Nerv der Zeit. Um der großen Nachfrage Herr zu werden, musste das Team im Sommer sogar neue Räume beziehen.

In Hunderten von Firmen mit ähnlichen Geschäftsmodellen, das ist den einschlägigen Suchportalen im Internet zu entnehmen, entstehen zum Beispiel Taschen auch aus Turnmatten, Basketbällen, Segeltüchern und Getränkeverpackungen. Aus Ölfässern, Holzpaletten, Fahrradschläuchen und Seesäcken werden trendige Möbel, aus Autogurtschnallen Flaschenöffner, aus Schallplatten Uhren. Verschleißspuren, Aufdrucke und nicht zuletzt die aufwendige Aufbereitung machen jedes Teil zu einem hochpreisigen Unikat.

„Die Produkte sind Ausdruck einer Überzeugung“, sagt Christian Rauch, Leiter des für seine Trendforschung bekannten Zukunftsinstituts in Frankfurt. „Wer sie kauft, legt Wert auf Individualität, Kreativität und Langlebigkeit der Produkte.“ Und er fügt hinzu: „Upcycling läutet eine neue Ära der Abfallverwertung ein.“ Die Menschen würden zunehmend Rohstoffe, die bereits existieren, nehmen und auf höherem Niveau verwenden.

Für das neue Geschäftsmodell ist unsere Zivilisation eine „Goldgrube“, betont Rauch. 611 Kilo Siedlungsabfälle produziert Deutschland pro Kopf und Jahr. 65 Prozent davon werden stofflich verwertet, der Rest wird in der Regel verbrannt.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang