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Unverzichtbar für viele Fußgänger: Kleidung mit Leuchteffekt


Bonn. Diesig, dämmrig, dunkel. Die kommenden Monate haben es in sich: Während der Morgen- und Abendstunden ist die Gefahr eines Unfalls viermal so hoch wie im Sommer, warnt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat.

Da hilft nur eins: „Fußgänger und Radfahrer“, sagt Sven Rademacher vom Verkehrssicherheitsrat, „müssen helle, weit sichtbare Kleidung tragen.“

Noch mehr Sicherheit bringen Reflektoren. Durch sie sind Passanten im Scheinwerferlicht bereits auf bis zu 150 Meter Entfernung zu erkennen. Da bleibt genügend Zeit, um abzubremsen.

Die hell aufscheinenden Streifen auf Jacken, Hosen, Schulranzen oder Rucksäcken sind aus dem heutigen Straßenverkehr nicht mehr wegzudenken. Dabei waren sie ursprünglich gar nicht für diesen Einsatz gedacht.

„Die ersten Reflektionsmaterialen wurden bei Berufs- und Schutzkleidung eingesetzt“, erklärt Sebastian Schöbben vom Technologiekonzern 3M. Das war Ende der 1980er-Jahre. Damals trat eine EU-Norm in Kraft, die für Persönliche Schutz- und Arbeitskleidung (PSA) reflektierende Elemente vorschrieb. Dass heute auch Fußgänger bei Dunkelheit wie Strichmännchen am Straßenrand aufleuchten, wenn das Scheinwerferlicht eines Autos auf sie trifft, verdanken sie Zehntausenden winziger Glas-Kügelchen. Die sind mit Silber bedampft.

„Trifft Licht auf sie, werfen sie es zur Lichtquelle zurück. Durch die Reflektion entsteht der Leuchteffekt“, erklärt Schöbben, der im rheinländischen Neuss solche Materialien im firmeneigenen „Dark Demo Room“ testet.

Das typische Leuchten gehört mittlerweile zur Alltagsmode. Dafür hat der Outdoor-Trend gesorgt. So brachte 1991 Jack Wolfskin, einer der führenden Outdoor-Bekleider in Deutschland, seine erste Kollektion mit reflektierenden Materialien auf den Markt. Andere Anbieter zogen nach.

Das hat die ursprünglich auf Funktion getrimmte Spezial-Kleidung modischer und alltagstauglicher gemacht. Statt breiter, starrer Reflektionsfolien zieren heute schmale, flexible Streifen mit modischen Druckmotiven Jacken, Hosen und Schuhe.

Optische Fasern mit LED sind der nächste Fortschritt

Eins aber können sie alle nicht: von selbst leuchten. „Es muss immer eine Lichtquelle vorhanden sein“, so Sebastian Schöbben von 3M. Doch auch das wird sich in Zukunft ändern.

Forscher des Sächsischen Textilforschungsinstituts in Chemnitz haben eine Faser entwickelt, an die eine kleine, batteriebetriebene LED-Lichtquelle gekoppelt ist. Mittels Reflektion wird das Licht durch die Faser transportiert. Solche optischen Fasern können in Textilien eingearbeitet werden.

Wer nicht bis zur Marktreife dieser Entwicklung warten will, steckt für die kommenden dunkeln Tage eine Sicherheitsweste ein – mit doppeltem Effekt. Schöbben: „In der Dämmerung glimmen die gelben und orangen Farben auf. Und in der Dunkelheit leuchten die Reflektionsstreifen.“

Dunkle Tage: Das Unfallrisiko steigt

  • Im Jahr 1939 wurde das erste Verkehrszeichen mit einer reflektierenden Folie aufgestellt, auf einer Straße in Minneapolis, USA.
  • Zu Beginn des neuen Schuljahrs wurden in Deutschland rund 770.000 reflektierende Sicherheitswesten für Schüler an 16.700 Grundschulen verteilt.
  • Im vergangenen Jahr verunglückten bundesweit mehr als 29.000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren im Straßenverkehr.


Rücksichtslosigkeit auf den Straßen: Wird’s schlimmer?

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