Jugend & Geld

Unser Nachwuchs wird abgezockt


Internet-Fallen und SMS-Dienste: Nepper locken gezielt junge Leute an

Handy und Internet: Damit kennen sich junge Leute doch bestens aus, oder? Naja – längst nicht alle. Und weil sich der Nachwuchs trotzdem so oft im Mobilfunk- und im Daten-Netz tummelt, wird er dort zur leichten Beute professioneller Nepper.

Schließlich sind schon normale Handy-Verträge für viele Azubis ein Buch mit sieben Siegeln, so Dieter Korczak. Der Leiter der GP Forschungsgruppe hat Projekte zur Schuldenprävention begleitet.

Offensichtlich sind junge Erwachsene vom Kleingedruckten überfordert“, stellt er fest, „es ist erstaunlich, wie gering die wirtschaftliche Kompetenz der 15- bis 23-Jährigen oft ist.“

Was passiert, wenn solche Ahnungslosigkeit auf  böse  Absicht trifft, belegen auch viele Zuschriften von AKTIV-Lesern, deren Kinder in Internet-Fallen gegangen sind.

Versteckt im Kleingedruckten

„Es geht um ein kriminelles Geschäftsmodell mit ganz fiesen Methoden“, erklärt Petra Kristandt, stellvertretende Ge-schäftsführerin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Die simple Masche: Jugendliche werden über Netz-Werbung gezielt zu Gewinnspielen, Hausaufgabenhilfen oder Intelligenztests gelockt. Auch Gratis-SMS-Kontingente werden versprochen.

Dass die meist unbrauchbare Leistung der Nepp-Seiten Geld kosten soll, wird im Kleingedruckten versteckt. Manchmal klicken sich die jungen Anwender mit der ersten Nutzung gleich ein Abo an den Hals. Und studieren dann geschockt die Rechnung: Meistens geht es um 50 bis 90 Euro.

„Dann kommt relativ schnell eine Mahnung von dubiosen Anwälten mit ganz massiven Drohungen“, weiß Kristandt, „sogar Erwachsene verfallen da in totale Panik – und viele Jugendliche trauen sich nicht, es ihren Eltern zu sagen.“

Also bezahlen die Opfer. Fast immer: unnötigerweise! Ganz einfach können sich Minderjährige wehren, deren Verträge ohne Zustimmung der Eltern meist gar nicht wirksam sind. Die Verbraucherzentralen (www.vzbv.de) helfen zum Beispiel mit Musterbriefen und mahnen die Nepper dutzendweise ab.

Die Zahl der Opfer ist kaum zu ermitteln, die Dunkelziffer ist hoch. Das gilt auch für eine andere miese Masche: Handy-Spam. Ein Beispiel: „Warum meldest du dich nicht mehr – hast du mich etwa vergessen?“ Wer auf diese Lock-Botschaft antwortete, zahlte 1,99 Euro pro SMS. „Vor allem Minderjährige sind in der jüngeren Vergangenheit vermehrt ins Visier der Anbieter von anrüchigen SMS-Diensten geraten“, warnt  Heiko Rittelmeier, Betreiber des Portals www.computerbetrug.de – der Beweis: die entsprechende Werbung in Jugendmedien.

 

Interview

„Problem in vielen Familien“

Der  Deutsche Kinderschutzbund kennt die Gefahr aus dem Netz: Geschäftsführerin Paula Honkanen-Schoberth  weiß Rat für Eltern.

 

AKTIV: Per Netz abgezockte Jugendliche – nur Einzelfälle?

Honkanen-Schoberth: Nein, das ist ein Problem in ganz vielen Familien. Da gibt es großen Aufklärungsbedarf. Und verantwortungsvolle Eltern sollten sich unbedingt um das Thema kümmern.

 

AKTIV:Wie denn?

Honkanen-Schoberth: Warnen Sie  Ihre Kinder: Name und Adresse dürfen sie nicht im Internet preisgeben! Und – ich empfehle gemeinsames Surfen – also mit den Kindern zu gucken: Wo lauern Fallen, was versteckt das Kleingedruckte?

 

AKTIV: Wenn das Kind im Netz trotzdem Mist gebaut hat, was können wütende Eltern tun? 

Honkanen-Schoberth: Erste Hilfe leistet unser kostenloses Eltern-Telefon: 0800-1110550.

 

AKTIV: Sehen Sie auch die Lehrer in der Pflicht?

Honkanen-Schoberth: Ja. Die Schulen gehen leider noch nicht flächendeckend auf solche Themen ein – die Lehrpläne sind da oft nicht zeitgemäß.

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