Freizeit

Unser Kollege von morgen?


Wie Kinder für Naturwissenschaften begeistert werden

Potsdam. Zwei Spiegel richtig aufgestellt – und Anton steht unendlich vielen Kopien gegenüber. Er tritt in die Pedale – und sieht, wie viel Strom er erzeugt. Er schaut auf die Blattschneiderameisen – und erfährt Erstaunliches über deren Speiseplan.

Es sind 3 von rund 130 „Exponaten zum Mitmachen“ in einer außergewöhnlichen Einrichtung: dem Exploratorium in Potsdam-Babelsberg. Wer will, dass sich Kinder früh für Naturwissenschaften und Technik begeistern, für den ist das hier ideal. Seit dem Start im September 2006 hatten 350.000 Kinder ihren Spaß, wurden 7.000 Kindergeburtstage gefeiert. Anton ist öfter im Exploratorium: „Es macht Spaß. Man entdeckt immer wieder Neues.“

Chemie zum Anfassen

Eine Gruppe Vorschulkinder vergnügt sich mit einem beredten Betreuer beim Herstellen von „Glibberschleim“: eine herrliche Pampe aus Johannisbrotkernmehl, Gebissreiniger und anderen Zutaten. Wieso kommt aus allerlei Pulver und etwas Wasser plötzlich eine Substanz zustande, die sich wie Wackelpudding verhält? Das ist Chemie zum Anfassen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Fast alle Exponate sind mit Material aus dem Baumarkt konstruiert: „Glitzernde Perfektion schreckt ab“, sagt Axel Werner, Leiter und einer der Initiatoren der Einrichtung. „Selbstgemachtes lockt – und darf auch mal kaputtgehen.“

Eigentlich sei es ganz einfach: „Menschen wollen spannende Geschichten mit einem Bezug zu ihrer Lebenswelt hören.“ Etwa, wie aus Kakaobohnen Schokolade wird. Und wenn sie das dann selber testen dürfen, ist die Sache rund.

Oder die Sache mit den schlauen Mäusen. Die Kinder bauen mit Lego ein Labyrinth, und die Tiere finden verblüffend flink ihren Weg. Es ist die gleiche Botschaft wie beim Exponat mit den Blattschneider-ameisen – die sich zu ihrer Ernährung einen speziellen Pilz gezüchtet haben: Ausprobieren bringt’s! „Dadurch entstehen viele kleine Trampelpfade im Gehirn“, sagt Werner. „Die Kinder erinnern sich später daran, können mit ihrem Wissen kreativer umgehen.“

Er ist Physiker, hat jahrelang in der Solartechnik geforscht, bis ihn die neue Berufung ereilte. „Mich hat gestört, dass Wissenschaft ihre Erkenntnisse normalen Leuten oder eben Kindern nicht verständlich macht. Woher soll dann der Nachwuchs kommen?“

Also stellte er mit zunächst zwei Mitstreitern das Exploratorium auf die Beine. Die Halle ist gemietet, die Exponate werden von den heute 40 (meist in Teilzeit angestellten) Mitarbeitern erklärt, entwickelt und in Schuss gehalten. Die öffent­liche Förderung liegt unter 1 Prozent, das Haus trägt sich durch Tickets und Spenden.

„Zusammenhänge herstellen“

In Workshops lernen zudem Erzieher und Lehrer, wie man Kindern diese Themen nahe bringt. „Man muss Zusammenhänge herstellen“, betont Werner. „So ist das physikalische Gesetz, wonach Kraft gleich Masse mal Beschleunigung ist, zunächst mal langweilig.“

Deshalb demonstriert er es konkret – an einem beladenen Wagen auf einer schiefen Ebene. „Und ich erzähle von Isaac Newton, der diese Formel vor über 300 Jahren entdeckte, von seiner strengen Religiosität, vom England dieser Zeit.“ Man spürt, dass der Mann für seine Sache brennt. „Wenn ich eine Viertelstunde rede und keiner hat gelacht, dann lief was falsch.“

 

www.exploratorium-potsdam.de

 

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