Tipp der Woche

Umtausch garantiert?

Bild: Tomicek

Kunden sollten ihre Rechte kennen

Service-Wüste Deutschland? Das war einmal. Vor allem die namhaften Unternehmen kommen ihren Kunden in Sachen Reklamation oder Umtausch oft großzügig entgegen. Trotzdem hilft es, wenn man als Verbraucher um die eigenen Rechte weiß.

„Bei mängelfreier Ware ist ein Umtausch reine Kulanz – auf die man keinen Anspruch hat“, betont Dunja Richter von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Man muss deshalb in so einem Fall die Spielregeln des Händlers akzeptieren. Zum Beispiel, dass es nicht das Geld zurückgibt, sondern nur einen Gutschein. Im Zweifelsfall also: Vor dem Kauf klären, wie ein Geschäft die Umtauschfrage handhabt.

Gewährleistung gilt zwei Jahre

Wichtig ist immer, dass die Ware selbst noch unbenutzt ist. Oft ist es aber egal, wenn die Verpackung geöffnet wurde. „Ausnahmen gibt es bei CDs, DVDs, Software und Ähnlichem: Hier ist ein Umtausch nur möglich, wenn die Schutzhülle nicht geöffnet wurde und das Siegel an der Verpackung unbeschädigt ist“, erklärt die Media-Markt-Sprecherin Eva Simmelbauer.

Anders sieht es aus, wenn die Ware einen Fehler hat. Denn dann geht es nicht mehr um einen Umtausch, sondern um eine Reklamation. „Hier hat der Kunde einen gesetzlichen Gewährleistungsanspruch von zwei Jahren“, erklärt Rechtsberaterin Richter. Solange muss der Händler kostenlos nachbessern. In den ersten sechs Monaten nach dem Kauf wird davon ausgegangen, dass der Mangel von Anfang an vorhanden war. Danach aber muss der Käufer das beweisen – was in der Praxis manchmal schwierig ist.

Ware zurückbringen – Geld zurück? So funktioniert die Reklamation nicht. „Zunächst muss man dem Händler eine Gelegenheit zur Nacherfüllung geben“, sagt Richter. Das heißt: Reparatur – oder neue Ware. Ist das Ersatz-Produkt gleich wieder defekt, können Sie Ihr Geld zurückverlangen. Bei einer Reparatur sehen Sie normalerweise erst nach dem zweiten erfolglosen Versuch Bares.

Kein Anspruch auf Ersatzgerät

Die Nacherfüllung muss in „angemessener Frist“ passieren. Im Einzelfall, bei Möbeln etwa, können ein paar Wochen ganz normal sein. „Notfalls sollte man die Frist schriftlich setzen“, so die Verbraucherschützerin, „sind die Mängel bis zum genannten Termin nicht behoben, kann der Kunde vom Vertrag zurücktreten oder den Preis reduzieren.“

Auf ein Ersatzgerät während der Reparaturzeit hat man keinen Anspruch. Ärgerlich, wenn der neue Fernseher ausgerechnet während der Fußball-WM den Geist aufgibt. Auch hier sind viele Händler kulant: „Oft können wir gegen eine geringe Nutzungsgebühr ein Leihgerät anbieten“, weiß Media-Markt-Sprecherin Simmelbauer.

Eine „Garantie“ hat übrigens nichts mit der gesetzlichen Gewährleistung zu tun: „Seine Garantieleistungen kann der Händler oder Hersteller selbst bestimmen“, so Rechtsexpertin Richter.

Das gilt auch bei Garantie-Verlängerungen, die oft nicht billig sind. Richter warnt: „Man kann hier nicht automatisch davon ausgehen, dass eine Reparatur kostenlos wäre – man sollte also vor Abschluss eines solchen Vertrages das Kleingedruckte ganz genau lesen.“

Info: Kleingedrucktes leicht verständlich

„Ihre Rechte bei Kauf und Reklamation“ – darüber informiert die gleichnamige Broschüre der Verbraucherzentralen, die auf fast 100 Seiten auch alle wichtigen Fragen zu Kaufverträgen und Kleingedrucktem leicht verständlich beantwortet. Der Band kostet 6,90 Euro.

Bestell-Mail-Adresse: broschueren@vz-bw.de


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