Schlauer als die Klauer

Tipps gegen Taschendiebe

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Taschendiebe schätzen Menschenmassen und Großveranstaltungen. Denn dort können sie unbeobachtet ihre Arbeit verrichten, da der von ihnen gewünschte und notwendige Körperkontakt nicht auffällt. „Außerdem sind sie hoch professionell“, sagt Birgit Spier, Kommissariatsleiterin beim Landeskriminalamt in Berlin. Kaum ein Bestohlener bemerkt, dass er gerade zum Opfer wird oder wurde.

Die Tricks der Taschendiebe

Taschendiebe arbeiten dabei häufig paarweise, zu dritt oder in größeren Gruppen. Beispielsweise tanzen sie in Ausgehvierteln Passanten an und versprühen scheinbar gute Laune. Sie fordern die anderen auf, mitzutanzen. Dabei suchen sie Körperkontakt und stehlen die Wertsachen derer, die sie so zum Tanz auffordern.

„Beliebt ist beispielsweise auch ein Trick beim Einsteigen in die Bahn“, weiß die Polizistin. Dabei drängle sich eine Person vor das Opfer, einer drücke von hinten nach. So werde eine natürliche Körpernähe hergestellt, in der schnell ein Handy oder ein Geldbeutel gestohlen werden kann. Das Diebesgut wird oft an einen Dritten weitergereicht, sodass selbst bei einem Verdacht keine Beweise vorliegen.

Andere Taschendiebe sitzen im Restaurant mit dem Rücken zu ihrem Opfer und stehlen aus dessen Jackentasche die Wertgegenstände. Unter Umständen stecken sie sogar einen leeren Geldbeutel zurück, damit der Diebstahl erst später auffällt.

„Die Opfer werden oft auch schon einige Zeit beobachtet“, weiß Birgit Spier. Beispielsweise folge man ihnen beim Einkaufen, durch Bars oder nach dem Geldabheben am Automaten, um zu sehen, welche Wertgegenstände sie wo bei sich tragen. Dann wissen die Diebe genau, wie sie vorgehen müssen.

So schützen Sie sich vor Taschendieben

Zum Diebstahl muss es jedoch nicht kommen, weder zu Hause noch im Urlaub: „Brustbeutel, Gürtel- oder Bauchtaschen sind ein guter Schutz“, sagt Birgit Spier. Allerdings sei es damit schwierig, an Geld zu kommen, wenn man es brauche. „Wer diese Hilfsmittel nicht nutzen will, sollte seinen Geldbeutel und das Handy nah am Körper tragen, beispielsweise in möglichst verschließbaren Innentaschen der Jacken, oder in der vorderen Hosentasche“, rät die Kriminalkommissarin.

Ein weiterer Tipp: „Man muss nicht immer den ganzen Geldbeutel mit Führerschein und mehreren Kreditkarten bei sich haben“, rät Spier. Heißt: Der Geldbeutel sollte beim Verlassen des Hauses jeweils an das angepasst werden, was man vorhat. Was man nicht braucht, lässt man zu Hause oder im Hotelsafe. Im Falle eines Falles ist dann der Verlust nicht so hoch.

Vorsichtsmaßnahmen gegen Handy-Diebstahl

Auch bei Handys ist eine Vorsorge möglich – beispielsweise mit einem Zahlencode oder einem Muster, das mit dem Finger auf das Display gemalt werden muss, bevor man es benutzen kann. Einige Smartphones, beispielsweise Apple-Geräte, ermöglichen in ihren Einstellungen auch, dass alle Daten gelöscht werden, nachdem zehnmal die falsche PIN eingegeben wurde.

Außerdem gibt es verschiedene Apps, um das Handy bei Verlust orten zu können. Dazu muss jedoch das GPS eingeschaltet sein oder sich aus der Ferne einschalten lassen. Das geht nur, wenn das Handy Internetzugang hat. Zudem lassen sich mit einer SMS und der richtigen App auch aus der Ferne alle Daten löschen – aber nur, solange das Handy auch mit der eigenen Nummer im Mobilfunknetz ist.

Die Möglichkeiten unterscheiden sich hier je nach Betriebssystem. Sinnvoll ist es darum, sich auf den Seiten der Hersteller und entsprechenden Fan-Seiten im Netz umzusehen.

Welche Gegenstände sich für Taschendiebe besonders lohnen

Interessant sind für Taschendiebe neben Bargeld alle Sachen, die sich leicht zu Geld machen lassen. Dazu gehören auch hochwertige Handys und immer häufiger Schmuck: „Derzeit hören wir bundesweit von Trickdieben, die ihre Opfer nach dem Weg fragen. Als Dankeschön hängen sie ihnen dann ein Stück Modeschmuck um – und lassen in diesem Moment den echten, möglicherweise wertvollen Schmuck des Helfers verschwinden“, warnt Birgit Spier. Aber natürlich sind für Diebe auch Tablets, Laptops oder Kameras interessante Beute.

Was tun, wenn man bestohlen wurde?

Wer bestohlen wird, sollte zuerst den bundesweiten Kartensperrruf 116116 anrufen, über den viele Bank-, Kredit- und Telefonkarten gesperrt werden können. „Betrügern reichen schon fünf Minuten, um die Karte des Bestohlenen zu missbrauchen“, sagt Spier. Darum kommt es wirklich darauf an, schnell zu reagieren.

Der zweite Schritt sollte den Betroffenen zur Polizei führen. Denn nur dann kann diese gezielt an den bekannten Stellen kontrollieren. Auch ein gestohlenes Handy sollte auf jeden Fall gemeldet werden: „Wir fassen immer wieder mögliche Diebe, die im Besitz vieler Handys sind, von denen eigentlich klar ist, dass sie sie nicht gekauft haben. Aber solange die Telefone nicht als gestohlen gemeldet sind, können wir nichts nachweisen.“ Mehr Maßnahmen bei Handy-Diebstahl lesen Sie hier auf AKTIVonline.

Übrigens ist das mit ein Grund, warum Touristen beliebte Opfer sind: Sie erstatten in einem fremden Land selten Anzeige, sind oft gar nicht lange genug an einem Ort, um dafür die Zeit zu finden. Hinzu kommt: In der Regel sind sie dort unterwegs, wo andere Touristen auch sind. So kommt es zu den Menschenmengen, die Taschendiebe so schätzen – und die einem Urlauber die Ferien versauen können.

Wer im Ausland bestohlen wurde und ohne Personalausweis oder Reisepass dasteht, muss übrigens die Botschaft einschalten. Sonst bekommt er eventuell Probleme bei der Ausreise. Die deutschen Auslandsvertretungen listet das Auswärtige Amt im Internet auf: auswaertiges-amt.de

Wurde in Deutschland der Personalausweis gestohlen, muss man sich ans Einwohnermeldeamt wenden. Ist auch die Gesundheitskarte der Krankenkasse weg, sollte die Kasse schnellstmöglich informiert werden, bevor sich jemand anders unter dem Namen des Bestohlenen behandeln lässt.

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