Ein Letzter Wille gilt noch lange nach dem Tod

Testament gefunden – was muss man dann tun?

Überraschung: Der Letzte Wille taucht manchmal verspätet auf. Foto: dpa

München. Jahre nach der Beerdigung taucht plötzlich Onkel Ottos Testament auf. Er hat unverhofft auch entfernte Verwandte und Freunde bedacht. Was dann? Für Juristen ist klar: Ignoriert werden darf der Letzte Wille nicht!

Zunächst muss man wissen: „Grundsätzlich ist jeder, der ein Testament oder Ähnliches findet, verpflichtet, das Dokument beim Nachlassgericht abzugeben“, erklärt Anton Steiner, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht. Alles andere wäre illegal, „Urkundenunterdrückung“ ist ein Straftatbestand.

Das Gericht prüft das Testament auf Echtheit und verständigt die genannten Erben. Um alles Weitere müssen diese sich selbst kümmern: „Der neue Erbe kann vom bisherigen die Herausgabe des Nachlasses verlangen“, so Anwalt Steiner. Die bisherigen Erben haben also das Nachsehen.

Das gilt allerdings nicht uneingeschränkt. „Wer im guten Glauben, der richtige Erbe zu sein, das Erbe angetreten hat, haftet nur mit dem Teil des Nachlasses, der noch übrig ist“, sagt Steiner. Mit anderen Worten: Was weg ist, ist weg – haben sich die anfänglichen Erben von dem Geld eine schöne Reise gegönnt, müssen sie dafür nicht mehr geradestehen. Haben sie aber das Geerbte gut angelegt, müssen sie es mitsamt Zinsen (oder auch Mieteinkünften) herausgeben.

Erst 30 Jahre nach einem Erbfall ohne Testament ist man da auf der sicheren Seite: So lange dauert die Verjährungsfrist.


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Ein Testament macht man am besten, so lange man noch schreiben kann – logo. Immerhin: Wenn es am Ende eng wird, darf man den Letzten Willen notfalls auch mündlich bekunden. Die Vorschriften dafür sind aber extrem streng.

Mal eine halbe Stunde an den eigenen Tod denken: Das sollte man sich ruhig mal antun. Und sein Testament machen! Denn ohne gibt es später in vielen Fällen ungeahnten Ärger. Ein Experte erklärt, warum – und gibt Tipps.

Schätzungen zufolge machen die meisten Zeitgenossen kein Testament – im Todesfall treten dann einfach Regeln aus Kaisers Zeiten in Kraft. Das kann oft zu Problemen führen, nicht zuletzt bei kinderlosen Ehepaaren.

aktualisiert am 28.06.2016

Dafür, dass der Letzte Wille später tatsächlich befolgt wird, kann ein Testamentsvollstrecker sorgen. Im Gespräch mit AKTIV erklärt ein Experte, wen man zum Vollstrecker ernennen kann und worauf man dabei achten sollte.

Beim Thema Erbschaft denken viele an die „reiche Tante aus Amerika“ oder Hintertupfingen, die ungeahnte Reichtümer vermacht. Doch Vorsicht: Wer einen Nachlass ungeprüft annimmt, riskiert, Schulden zu erben! Aber das kann jeder vermeiden.

Wer sichergehen will, dass sein Testament auch beachtet wird, versteckt es nicht etwa im Kleiderschrank oder auf dem Speicher. Besser: im Zentralen Testamentsregister (ZTR) registrieren lassen.

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