Eine Frage des Stils

Telematik: Kfz-Versicherungen belohnen vorbildliches Fahrverhalten

Düsseldorf/Berlin. „Schatz, lass mich mal lieber ans Steuer“ – der Geschlechterkampf um die Frage, ob Mann oder Frau besser fährt, könnte bald ein Ende haben. Klarheit bringt ein schwarzer Kasten im Auto, der das Fahrverhalten ständig überwacht. Mit sogenannten Telematik-Tarifen belohnen Versicherungen vorbildliches Fahren und gewähren Nachlässe.

„Immer mehr Unternehmen machen solche Angebote“, sagt Jochen Oesterle vom ADAC. „In Ländern wie Italien, Großbritannien und den USA ist das schon gängige Praxis.“ In Deutschland richten sich Prämien bisher meist nach Kriterien wie Fahrzeugtyp, Wohnort des Fahrers oder etwa Unfällen.

Ein Anbieter führt bereits Wartelisten

Bei Telematik-Tarifen dagegen wird das Fahrverhalten ganz genau erfasst: Beschleunigung, Kurvenfahrten, bevorzugte Strecken wie Autobahn oder Wege durch die City und Tageszeiten.

Die Versicherungskunden geben also viel über sich preis. Das kritisieren Daten- und Verbraucherschützer. „Wir sehen es kritisch, dass finanzielle Anreize mit der Offenlegungspflicht von Daten verbunden sind“, sagt Marion Jungbluth vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin. Sie wirft den Versicherern mangelnde Transparenz darüber vor, was mit den Daten geschieht.

Eine Sorge, die viele Autofahrer offenbar nicht teilen. Nach einer aktuellen Studie des Kölner Marktforschungsunternehmens Yougov hat bereits jeder Zehnte in Deutschland näheres Interesse oder sucht bereits konkret nach einem Telematik-Tarif.

„Bei uns gibt es mittlerweile sogar Wartelisten“, sagt Jürgen Cramer, Vorstand der Sparkassen-Direktversicherung. Das Düsseldorfer Unternehmen war das erste in Deutschland, das zunächst im Probebetrieb 1.000 Kunden einen Telematik-Tarif angeboten hat. Den haben inzwischen auch die großen Versicherer im Programm. Die Huk offeriert ab nächstem Jahr die neuen Prämien, die Allianz will ebenfalls einsteigen. Allein diese beiden bringen es zusammen auf rund 18 Millionen Kfz-Versicherungsverträge.

Die Branche steckt mitten im digitalen Wandel. Den machen verschiedene technische Lösungen möglich: Das kann die sogenannte Blackbox sein, ein kleines schwarzes Kästchen in Streichholzschachtelgröße, ein Stecker oder eine Verbindung mit dem bordeigenen Fahrdiagnosesystem – je nach Versicherungsanbieter. Immer erfasst ein Gerät die Daten in Echtzeit aus dem Auto.

Vom Rowdy zum Vorbild auf der Straße?

Profitieren können davon etwa Fahranfänger. „Für sie ist eine herkömmliche Kfz-Versicherung ausgesprochen kostspielig, weil sie in einer hohen Schadensfreiheitsklasse eingestuft werden“, so Versicherungsvorstand Cramer.

Vorteile gibt es aber auch für alle anderen – unabhängig vom Alter oder der Schadensfreiheitsklasse: „Bei einem Unfall kann die Box den Rettungswagen rufen. Außerdem besteht die Möglichkeit, das Auto zu orten, wenn es gestohlen wurde“, erklärt Cramer.

Ob dank Telematik nun aus Verkehrs-Rowdys Vorbilder werden, lässt sich noch nicht feststellen. „Von einem kann man immerhin ausgehen“, so ADAC-Experte Osterle: „Wer sich dafür entscheidet, ist zumindest gewillt, vorsichtiger zu fahren.“


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aktualisiert am 11.10.2017

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